laut.de-Kritik

Zurück zum minimalistischen Kern.

Review von

Sunn O))) haben im Laufe ihrer mehr als 25-jährigen Karriere ihren Sound immer wieder um weitere Nuancen ergänzt. Auf "White 2" und "Monoliths & Dimensions" sang Attila Csihar von Mayhem. Mit Ulver und Scott Walker nahmen die US-Amerikaner ganze Alben auf. "Life Metal" prägte Hildur Guðnadóttir mit ihrem Cello-Spiel. Nun geht es mit dem selbstbetitelten Album zurück zum minimalistischen Kern.

Gäste gibt es auf der Platte nicht. Alle Instrumente haben Stephen O'Malley und Greg Anderson in den Bear Creek Studios in Woodinville, Washington, selbst eingespielt. Die Bear Creek Studios waren auch entscheidend für den Aufnahmeprozess. "Der riesige Aufnahmeraum hatte große Fenster mit Blick auf Bäume", sagt O'Malley. "Wir konnten wandern gehen und draußen im Wald sein, Zeit im Freien verbringen. Das war ein essentieller Teil davon." In den Liner Notes zur Scheibe, die vom preisgekrönten britischen Schriftsteller Robert Macfarlane stammen, steht, dass der Sound wie reinste Luft klinge.

Im Opener "XXANN" reiht das Duo eine lange, tiefer gestimmte und dunkle Gitarrenschleife an die nächste. Bis auf ein wenig Feedback, ein wenig Regengeplätscher und zwischenzeitlichen Variationen, die auf das Allernötigste beschränkt sind, passiert rein gar nichts. Fans dürften damit zufrieden sein. Dennoch drängt sich Frage auf, ob das Kunst sein soll oder ob das weg kann.

"Does Anyone Hear Like Venom?" macht es da schon besser, bringen die klanglichen Effekte doch ein wenig mehr Atmosphäre und Tiefe ins Spiel. Im auf- und abebbenden "Butch's Guns", einer 14-minütige Interpretation eines Folk-Songs von Everett Moore, schrauben sich die Gitarren immer wieder lautstark und majestätisch in die Höhe. Sunn O))) klingen hier, wie man sie am besten kennt.

"Mindrolling" ist umgeben von Wassergeräuschen und geprägt von repetitiven Drones, die sich während des gesamten Tracks so gut wie kaum verändern, so dass man die Nummer auch als gute Einschlafhilfe nutzen kann. Zumindest spürt man die Frequenzen schon bei leicht gehobener Lautstärke am ganzen Unterleib, so dass sich die Musik zum körperlichen Erlebnis entwickelt.

Über extreme Lautstärke verfügt auch "Everett Moses", das ein unterschwelliges Rauschen durchzieht, so dass man tatsächlich erstmalig den Eindruck gewinnt, dass die Musik und die Umgebung, in der sie entstanden ist, natürlich miteinander verschmelzen. "Glory Black" sticht am Ende besonders heraus, gesellen sich zum typischen Drone Metal doch klassische Klaviertöne, die dem Sound eine tieftraurige Komponente verleihen. Es wäre interessant, diese Kombination mal auf einem ganzen Album zu hören.

Ansonsten kann von Weiterentwicklung nicht großartig die Rede sein. Eher ruhen sich Sunn O))) auf ihrer Vorreiterfunktion aus. Streckenweise könnte man der Band gar Ideenlosigkeit vorwerfen, so sehr plätschert das Ergebnis vor sich hin. Ein paar wenige Nuancen im Detail bewahren die Platte aber dann doch noch vor der Mittelmäßigkeit. Etwas Greifbareres hätte der Scheibe aber dennoch nicht geschadet.

Trackliste

  1. 1. XXANN
  2. 2. Does Anyone Hear Like Venom?
  3. 3. Butch's Guns
  4. 4. Mindrolling
  5. 5. Everett Moses
  6. 6. Glory Black

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Sunn O)))

Seattle ist nicht nur der Geburtsort von Grunge. Es ist auch die Heimat von Metal-Innovator und Drone-Papst Stephen O Malley. Unter seinen zahllosen anderen …

Noch keine Kommentare