laut.de-Kritik
Der neue Stern am Emo-Himmel.
Review von Kai ButterweckAuf der Suche nach neuen Gen Z-Helden stößt man dieser Tage immer häufiger über den Namen Timothy Evan Thomas aka TX2. Nach vier EPs ("Drop Dead", ""Say You're Insecure (Without Saying It)", "Ghost Of LA", "Cruel World") und einer erfolgreichen US-Tour im Vorprogramm von Ice Nine Kills scheint die Zeit nun reif zu sein für den internationalen Durchbruch.
Der blonde Weirdo aus Colorado hat ein schlagkräftiges Gesamtpaket am Start. Angetrieben vom "Anger-Movement" und seiner stündlich wachsenden, für ihn durchs Feuer gehenden Social Media-Community, präsentiert TX2 nun sein Debütalbum "End Of Us".
Der 26-jährige Newcomer startet seinen musikalischen Kreuzzug gegen altbackene Gesellschaftsstrukturen und festgefahrene Engstirnigkeit zusammen mit dem kalifornischen Powervamp DeathbyRomy ("Feed"). Das erinnert zunächst an eine kraftvolle Melange aus symphonisch untermaltem Metal à la Within Temptation und strobolastigem Pop. Die Harmonien gehen gut ins Ohr. Der Anfang lässt durchaus aufhorchen.
Weiter geht's mit mit dem Track "Nice Guy". Die Gitarren machen jetzt Platz für verzerrte Charts-Hooks und tanzbare Hip Hop-Grooves. Schon jetzt ist klar: TX2 tanzt musikalische gerne auf verschiedenen Hochzeiten. "Hostage" ist ein pumpender Midtempo-Rocker fetten Gitarrenwänden und wirren Synthie-Zuckungen. Mit "Resistance" schaltet TX2 in den nächsthöheren Gang. Abgehackte Gitarren vereinen sich mit einer mächtigen Bassline. Kurz vor dem Ende explodiert die Discokugel im Alternative-Club und alle schreien nur noch um die Wette.
TX2 singt über Identitätsfindung, mentale Gesundheit und gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Über eine Million TikTok-Follower geraten in Ekstase, wenn ihr Hero im Regen stehend zwischen Pop und Core pendelt ("The Rain"), auf den Spuren von Yungblud und Rob Zombie wandelnd den Psycho-Circus-Clown mimt ("Lost Souls") oder seinen Helden My Chemical Romance huldigt ("Die Alone"). TX2 schert sich nicht um festgelegte Kategorien.
Der neue Stern am Emo-Himmel bedient sich einfach überall und formt sich so seinen eigenen musikalischen Spielplatz. Auf dem ist nahezu alles erlaubt und möglich ("Murder Scene"). Ob es hier um die Geburtsstunde eines neuen Rock-Pop-Phänomens gehen könnte oder das Ganze nach der zweiten Albumveröffentlichung wieder in sich zusammenfällt, wird die Zukunft zeigen. Für den Moment jedenfalls macht "End Of Us" durchaus Spaß und Lust auf mehr.


1 Kommentar mit 3 Antworten
Was für Emo? Bei mir läuft das einfach unter Pop Rock
Besteht eigentlich dein einziger Sinn und Zweck auf dieser Seite, Genres und Subgenres zu definieren und Musiker, Alben und User zu kritisieren, die nicht in dein Muster an Genres und Subgenres passen?
So lange es bei dir nicht unter "Hardcore" läuft, ist alles in Ordnung.
Naja, wenn du nur diese Postings von mir liest und alle anderen ignorierst, dann mag das so sein.
Und man kann es auch einfach so interpretieren, dass ich nicht nachvollziehen kann, was daran Emo sein soll. Das ist erstmal keine Kritik, sondern eher eine Frage an die Person, die das geäußert hat