laut.de-Kritik

Hans-Peter, wie viel ist der Fisch?

Review von

Monnem Helau! Sie haben es schon wieder getan und erneut pünktlich zur närrischen Jahreszeit einen Longplayer fertig gestellt: Das irrwitzige Klamaukkonglomerat The Butcher Sisters, kurz TBS schießt nach "Das Weiße Album" (2025) jetzt noch das vermeintliche Gegenstück "Das Schwarze Album" mit der Konfettikanone in den Kiez. Genau so konsequent behalten sie dabei ihren seit einigen Alben eingeschlagenen Gang bei und verwursteln Metal, Punk, Deutsch-Rap, Nu Metal und prolligen Bumspop zu einem textlich (hoffentlich) bewusst platten und gerne auch geschmacklosen Potpourri.

Das uneheliche Kind von Jamba-Sparabo und Beatdown-Moshpit arbeitet wie gewohnt mit Vocoderstimmen, tiefen, fetten Gitarren und einem Wust aus Elektrosounds. Es tauchen namhafte Kollaborationspartner*innen auf, und es werden sackweise (Sack!) Reminiszenzen zu den (Anti-)helden der Musiklandschaft der letzten Jahrzehnte ausgeschüttet. Und natürlich beschäftigt man sich auch erneut mit den wirklich wichtigen Themen des Alltags junger sowie alter Erdenbürger*innen. Freilich niemals im Ernst.

Das Vorwegnehmen der Pointe mag selten im Sinne des Spannungserhalts sein, tut hier aber absolut keinen Abbruch. Ja, viele der Reime und Possen kommen sehr lustig um die Ecke, mitunter kann man sich eines Lachens tatsächlich nicht erwehren. Aber wie beim sehr ähnlichen Vorgänger auch zünden Witze spätestens beim zweiten Mal nicht mehr richtig.

In "Piep Piep Piep" zum Beispiel, einem recht typischen, versiert vorgetragenen Elektrometal-Banger über die als "Meme" bezeichneten Internetphänomene, arbeiten die Sisters mit völlig entrückt wirkenden, vogelartigen Pfeifgeräuschen, die nicht nur der Hauskatze (true story) sehr schnell auf die Nüsse gehen. Doch wenn dann jemand mitten im Song, völlig aus dem Kontext gerissen, das Wort "Psychose" in den Raum wirft, kommt das in dem Moment überraschend und ist wirklich witzig. Diverse Verneigungen finden sich in thematisch eindeutigen "Cityrolle". Vor dem Nu Metal in Form eines echt anhörbaren Riffs, vor Limp Bizkits "Rollin'" und vor allem vor Hans-Peter, der auch bei einigen anderen Songs der Band Pate gestanden haben dürfte.

Dieses Mal wird nicht der Aperol, sondern ein allgegenwärtiger Energy-Drink besungen. ""Ohne Taurin und Koffein macht das Leben keinen Sinn" heißt es in "White Monster", und endlich steigt das Niveau nicht. Heliumstimme, dancy Beats und hin und wieder derbes Gekloppe, alles wie gehabt und auch wieder technisch einwandfrei. Es fällt zwischendurch zudem auf, dass einer der Buben wirklich ganz ordentlich singen kann. Apropos Trinken: es geht natürlich auch um Bier, und "Bierosaufus Ex" trägt das Thema mit inhaltlich einfacher, aber gekonnter Wortakrobatik in Grindcore-Parts vor.

Die Kollabos auf "Das Schwarze Album" fallen leider recht unspektakulär aus. Die mit eher dümmlich-belanglosen Raps ausgestattete Midtempo-Walze "Detlef D Soost" oder das thematisch ausgelutschte "Ü30" machen auch die eigentlich sympathischen Callejon bzw. Hämatom nicht besser. Wobei bei letzterem zumindest die Musik in einen etwas anderen, finsteren und angenehm vielschichtigen Gewand erscheint. Neben fetten Gitarren ziehen sich dissonante Elektrosounds durch "Ü30", die an dieses Puppending aus den späten 90s erinnern. Ich musste googeln, Mr. Oizo hieß das Vieh.

Dass die Mannheimer den Punk im Herzen tragen, zeigen sie musikalisch mit dem heiteren "Scheiß für mich" und inhaltlich mit "Herr Dokter", einer mit allen Trademarks ausgestatteten Ode an Arbeitszeitbetrug mit gelbem Schein. Hat man halt leider auch schon sehr oft andernorts gehört.

Über die beiden in Denglisch vorgetragenen Stücke "Great Music Band" und "Klettergerüst", einem seltsam zahmen und langweiligen Radiorocker, wollen wir uns besser nicht weiter auslassen und widmen uns dem für viele sicherlich herausragenden Song des Albums: "Wacken"! Mit einem Feature der schon beinahe fossilen Düsseldorfer Metalqueen Doro Pesch hat die Nummer alles, was man bei der Thematik erwarten kann. Heavy Metal, Prollfaktor, Festival-Zeltplatzromantik ("Raviolidose, nur eine Unterhose"), Ballermann-Vibes und massives Namedropping. Es ist ein gut komponierter Song, aber halt auch wieder derart albern und sich einem gewissen Publikum anbiedernd, dass man es kaum ertragen kann. Doro macht ihre Sache wie immer solide, der kann man auch einfach nicht böse sein.

Es fällt auch dieses Mal schwer, das neue Werk von TBS einfach abzuschwarten. Hier gehen einige richtig gute Musiker mit sicher aufrichtigem Elan zu Werke, aber wie bei allen anderen Bands, die sich dem bierseligen Humor verschrieben haben, fehlt es an Nachhaltigkeit. Karneval ist nur einmal im Jahr, Wacken und Malle (angeblich) auch, aber immerhin gibt es zahlreiche Provinzfußballclubs im Land, die hier für ausreichend Verkaufs- und Streamingzahlen sorgen dürften.

Trackliste

  1. 1. Piep Piep Piep
  2. 2. Cityroller
  3. 3. Scheiß für mich
  4. 4. White Monster
  5. 5. Detlef D Soost
  6. 6. Bierosaufus Ex
  7. 7. Ü30
  8. 8. Great Music Band
  9. 9. Herr Dokter
  10. 10. Lachen
  11. 11. Wacken
  12. 12. Klettergerüst

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