laut.de-Kritik
Maximal lebensbejahend und mitunter überraschend schunkelig.
Review von Emil DröllMetal liebt seine Geschichte, allerdings nicht jede Variante gleichermaßen. Während Ausflüge in die Zeitgeschichte meist kritisch ausfallen, werden weiter zurückliegende Epochen oft mit unverhohlener Heldenverehrung besungen. Kelten, Wikinger oder Ritter stehen für Ruhm, Ehre und glorreiche Schlachten. The Hu schlagen in eine ähnliche Kerbe.
Statt nordischer Sagen beschwören sie jedoch das kulturelle Erbe der Mongolei: historische Persönlichkeiten, Reiterkultur, Zusammenhalt, Mut und Identität. Inhaltlich sind sie damit eher das mongolische Pendant zu Amon Amarth als zu Sabaton. Musikalisch greift selbst dieser Vergleich zu kurz. Denn mit Kehlkopfgesang, Pferdekopfgeige und Maultrommel haben sich The Hu lange vor "Hun" einen Sound geschaffen, den niemand überzeugend kopiert.
"Warrior Chant" orientiert sich noch stark an den vorherigen Studioalben. Kehlkopfgesang, Maultrommel und traditionelle Instrumente verschmelzen zu einer folkloristischen Rocknummer, mit der sich The Hu einst ihr Alleinstellungsmerkmal erspielten.
Was bei "Lost Soul" folgt, wirkt umso befremdlicher. Jonny Hawkins verleiht dem Song eine Michael Schulte-Poppigkeit, die so gar nicht zum Stil der Band passen will. Und plötzlich bekommt das Erfolgsrezept Risse: Auf einmal wirken The Hu nicht mehr unangreifbar eigenständig, wie sie es selbst auf früheren Kollaborationen wie "Black Thunder" waren.
"The Men" beendet den Spuk zum Glück. Hunnu Rock at its finest, getragen von Galbadrakhs markantem Gesang, der den Song mühelos schultert. "Echoes Of My Father" nimmt anschließend Tempo heraus. Ein Akustikstück mit transzendental anmutendem mongolischem Gesang, Topshur und Pferdekopfgeige. Schon jetzt eines der Albumhighlights, weil man spürt, dass hier mehr dahintersteckt als bloß das routinierte Abspulen eines Erfolgsrezepts.
"Shadow" holt Drums und E-Gitarre zurück, und wie. Auch wenn man kein Wort versteht, lässt der Song vom ersten Takt an mitnicken. "Horsemen" referenziert zum x-ten Mal die Reiterkultur der Mongolen. Seis drum: Musikalisch funktioniert das erneut hervorragend. Treibende Riffs, ein gelungener Break in der Mitte und anschließend geht es im Midtempo kraftvoll weiter.
"Greed" verschreibt sich wieder stärker der Folklore als dem Metal. "The Real You" legt zwar im Uptempo los, wächst über eine gewöhnliche Rocknummer aber kaum hinaus. Ihren eigentlichen Charme entfalten The Hu ohnehin eher in den ruhigeren Momenten.
Gesagt, getan: "Grey Hun" startet gemächlich, ehe sich der Song langsam steigert und Gesangstechnik wie traditionelle Instrumente wieder verdient in den Vordergrund rücken. "Universe" wächst über fast neun Minuten hinweg kontinuierlich an. Gerade die gesetzten Pausen und ruhigen Passagen zeigen eindrucksvoll, wie viel Liebe zum Detail in dieser Musik steckt. Bei "Second Face" wird es zum Abschluss noch einmal maximal lebensbejahend und überraschend schunkelig.
The Hu liefern erneut ein absolut hörenswertes Album ab. An die Klasse seiner Vorgänger reicht es allerdings nicht ganz heran. Dafür sorgt zum einen der komplette Fehlgriff mit Jonny Hawkins, zum anderen verharren einige Songs zu sehr im eigenen Mongolen-Rock-Kosmos fest und verlieren dabei an Spannung.


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