laut.de-Kritik

Eine letzte Verbeugung der 80s-Pop-Veteranen.

Review von

"Love" ist das erste Album seit "Don't Stand Me Down" aus dem Jahr 1985, das wieder unter dem bekannten Bandnamen Dexys Midnight Runners erscheint - bei "The Feminine Divine" und dem Vorgänger "Let The Record Show: Dexys Do Irish And Country Soul" begnügte man sich mit Dexys. Die Texte behandeln hauptsächlich das Leben von Bandgründer und Mastermind Kevin Rowlands als irischer Einwanderersohn, seine späteren Liebschaften und Verluste.

Der Opener "My Life In England Pt. 1" thematisiert dies etwas zu plakativ, ein Track, der wie ein Musical-Lied mit theatralischen Vibes zwischen Paul Anka, Schunkel-Pubsongs und irischen Klischee-Sounds daher kommt. Dennoch finden sich auf "Love" immer wieder nuancierte Töne, die an den Ursprung der Band zwischen New Wave und Indie-Pop, Northern Soul und Easy Listering-Soul, Crooner-Pop und Celtic-Folk erinnern. Schön geraten diese deutlichen 80s-Anklänge zwischen Sophisticated- und Jazz-Pop beispielsweise in "You've Got The Love" oder "Strange Feelin", das den Bands ABC, The Blow Monkeys oder Prefab Sprout ähnelt.

Hier erinnert man sich wieder daran, welche Ausnahmeband Dexys Midnight Runners auch abseits des Megahits "Come On Eileen" von 1982 gewesen ist. Eine Band, die zwischen Rebellion und Romantik alle möglichen Stile durchspielte und jede Menge unterschiedliche Bandmitglieder durchprobierte – 2014 steuerte zum Beispiel Siobhan Fahey (Shakespears Sister, Bananarama) Vocals bei.

Aktuell bestehen die Dexys Midnight Runners aus sieben Mitgliedern, bestückt mit Saxophonen, Keyboards, Piano, Violinen, Bass und Gitarre. Als Produzent fungierte David Holmes, der unter anderem für seine Arbeit mit Primal Scream und Noel Gallagher bekannt ist und dem Album einen emotionalen, entspannten Touch verpasst hat. Und so ist der Schlusssong "My Life In England Pt. 2" wesentlich lässiger als der Eingangstrack geraten und verleiht dem Album den Hauch eines Goodbye – der 73-jährige Rowlands deutete bereits an, dass dies wohl das letzte Dexys Midnight Runners-Werk sein werde. Der alte Rebellengeist lebt aber, denn die letzten Zeilen des Tracks lauten: "Rise up, rise up, rise up people in England."

Trackliste

  1. 1. My Life In England Pt. 1
  2. 2. You've Got The Love
  3. 3. Once A Man And Twice A Child
  4. 4. You're Alright
  5. 5. I Want To Be Holding You Next Christmas
  6. 6. I'll Always Love You
  7. 7. Strange Feelin
  8. 8. It's Over Now
  9. 9. Old Love
  10. 10. My Life In England Pt. 2

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1 Kommentar

  • Vor 20 Tagen

    Mein erster irritierter Gedanke nach dem ersten Durchlauf war: Warum nur, warum kleistert er alles mit Streichern zu!? Wo sind die Bläser, wo sind die kleinen Besonderheiten, die "Don't stand me down" und "One Day I'm Going To Soar" zu wahrer Schönheit verholfen haben? Nachdem ich LOVE mehrere Male gehört habe, habe ich die Antwort für mich gefunden: Weil er es kann! Und weil das Album wunderschön ist, auch ohne viele Ecken und Kanten. Ich bin ein alter Sack, der schon Searching for the young soul rebels geliebt hat als es neulich veröffentlicht wurde - und nun freue ich mich sehr über LOVE - und das ich Kevin Rowland endlich im Huxley, London sehen kann.