laut.de-Kritik
ADHS-Goth: ständig passiert irgendwas.
Review von Franz MauererOlá! Die Portugiesen Moonspell sind seit den frühen Neunzigern eine der eigenwilligeren, langlebigeren und souveräneren Bands des europäischen Gothic Metal. Wo andere Gruppen aus diesem Feld längst zur Kostümparty geronnen sind, haben Moonspell immer noch Würde, Stimme, Atmosphäre und diesen angenehm lusitanischen Fado-Stolz, der selbst dann trägt, wenn die Ideen nicht mehr ganz frisch sind. "Far From God" klingt entsprechend nicht nach Alterswerk. Routine auf sehr hohem Niveau: schwer, dunkel, sauber produziert, hübsch bebildert, voller Kerzenlicht, Wolfsatem und katholischem Weihrauch, der sich auf die Schminke absetzt. Das Cover ist wie die Platte: atmosphärisch gelungen, kitschig im Detail.
Moonspell kennen ihre Stärken und wollen sonst von gar nichts wissen. "Cross Your Heart" eröffnet so breitbeinig, dass die Lederhose ziept. Der Titelsong "Far From God" schiebt anschließend sehr ordentlich, hängt aber zu sehr im HIM-Nebel: große Geste, dunkler Flirt, romantischer Vampirschmerz. Nur: 2026 ist kein HIM mehr. "Biblical" nimmt sich danach zu viel Zeit und wandelt sich allzu schnell von kernig zu hymnisch zu irgendwas. ADHS-Goth: ständig passiert etwas, aber nicht immer entwickelt sich etwas.
Das zieht sich durch die Mitte des Albums. "The Great Wolf In The Sky" hat schon einen Titel, bei dem eigentlich klar ist: Es gibt keinen Song, der so heißt und nicht peinlich wäre. Andererseits ist das Jaulen leider geil. Der Song hat diese hemmungslose Cockswaggyness, die man an Moonspell mögen kann, bricht aber zu früh ab und traut sich am Ende doch nicht, seine beste Idee richtig nach Hause zu reiten.
Die Handbremse des verzagten Nichtdurchziehens sprüht über das gesamte Album Funken. "Your Promise Of Light" ist dagegen eine sinnlose Schmusenummer, nicht schlimm genug zum Ärgern, aber zu egal zum Verteidigen. "For The Love Of Mortals" ist ähnlich: eine vorbeiziehende Dunkelbrause, in 20-Sekunden-Snippets immer wieder interessant, zusammen aber dunkler als saures Lüngerl und erstaunlich stückwerkhaft.
Zum Glück steigert sich "Far From God" hinten heraus. "Our Freedom To Fall" ist nicht deshalb stärker, weil es härter wäre, sondern weil es kohärenter ist. Hier dreht sich die Band in eine Idee hinein und entwickelt sie im Song weiter, wenn auch etwas simpel. "Reconquista" ist ein starker Abschluss: groß, schwer, melodisch, dramatisch, aber nicht ganz so selbstverliebt wie manches davor. Diese letzten beiden Stücke zeigen, was "Far From God" insgesamt hätte sein können: kein moderner Neustart, aber ein konzentriertes, atmosphärisches Spätwerk einer Band, die ihre eigene Dunkelheit noch beherrscht.


7 Kommentare mit 27 Antworten
Bei Antidote oder The Butterfly FX hab ich immer gerne reingelauscht. Irgendwie dachte man damals, die hauen bald ihr Meisterwerk raus, ist aber scheint's nie passiert. So leider nur ne Achselzuck-Band...
Irreligious fand ich damals großartig, höre ich auch immer noch gerne. Butterfly FX war auch super. Danach wurde es recht ähnlich und teilweise auch sehr belanglos. Alpha Noir und Extinct fand ich dann wiederum recht stark. Live machen sie echt Spaß. Hab sie mal in Combo mit Cradle of Filth gesehen, das war schon schaurig nett. Kleiner Club, da ist dann eine tolle Atmosphäre
Für mich ist 1755 noch immer das beste Album von denen. Wobei da halt auch viele Portugalurlaube Einfluss nehmen.
Lustig, wie die Meinungen ma wieder streuen. Hab mir "Sin / Pecado" neulich nochmal besorgt, da mit "Irreligious" auf sie aufmerksam geworden, aber erst diese Mischung aus beinahe käsig-klassischen Goth-Synth-Interludes und den nahezu progressiv ausbrechenden Solo-Gitarren in Stücken wie "Abysmo" oder "Magdalene" hat sie für mich so bedeutsam werden lassen wie auf jeder danach angehörten Studio-LP nie wieder...
Absolut großartige Band, die sich immer ihre Würde und ihre Kreativät erhalten hat. Über einen so lange Zeitraum hinweg, das ist wirklich selten! Da gibt es in der Schiene nicht viele vergleichbare Bands. Allerdings gehöre ich auch eher zu den Hörern, die nach Irreligious irgendwie den Faden zu ihrer Musik verloren hat. Es hat mich nicht mehr so begeistert. Im Gegensatz zu Cradle of Filth (ohne die direkt miteinander vergleichen zu wollen), die nach Dusk and her embrace immer kommerzieller, seichter und beliebiger geworden sind, haben sich Moonspell dagegen gesund weiterentwickelt. Und bei jedem neuen Album hoffe ich erneut, dass ich dafür wieder so brennen werde, wie damals für Irreligious! Allerdigs war das damals halt auch maximal kitschiger, melodischer Gothic Metal. Vielleicht ist Moonspell das heutzutage einfach zu billig.
Nuja, nicht schade sie beim WGT dieses Jahr verpasst zu haben.
Hm, nachdem was ich jetzt hier gehört habe, kann ich die Bewertung bestätigen. Kann man sich alles anhören, ist aber meilenweit von einem Meisterwerk entfernt. 3/5 geht klar.
Habe das Album jetzt zwei Mal komplett gehört, insgesamt wenig Lust, es noch ein drittes Mal zu tun. Dem Teil fehlt einfach komplett jede Heavyness!! Das liegt zum Teil an der laschen Produktion, aber auch insgesamt. Crawls oder derartiges, nahezu Fehlanzeige. Zwar gibt es die eine oder andere nette Idee, aber insgesamt fehlen dem Tiger einfach komplett die Krallen und auch die Zähne scheinen ausgefallen zu sein. Ist zwar okay, wenn Moonspell das Ganze etwas fragiler angehen möchten, aber dann müssen da wenigstens einige Gaze Elemente oder dergleiche eingebaut werden. So geht das nahezu garnicht an mich ran. Zwar klingt das alles recht annehmbar, aber auch derart lieblich, das fehlt einfach jeder Grip, etwas, dass einen wirklich fesselt. Moonspell sind und bleiben für mich ein seltsames Konstrukt. Soviel Potential, aber sie ziehen es nicht!
Äh... was denn jetzt?
Sind sie a) eine "Absolut großartige Band, die sich immer ihre Würde und ihre Kreativät erhalten hat.", oder b) ein "ein seltsames Konstrukt", dass so viel Potential hat, es aber nicht zieht?
Ich bin verwirrt.
Ich sehe darin keinen Widerspriuch. Sie ziehen immer noch ihr Ding durch und sind kreativ, und das ist auch auf dem neuen Album zu hören. Diese Herangehensweise finde ich großartig! Kunst hat Relevanz und nicht der Kommerz! Das ist würdevoll.
Musikalisch gesehen trifft es aber dennoch nicht meinen Nerv. Wieso habe ich erläutert. Warum die Band sich künstlerisch entschieden hat, dem Vampir derart den Zahn zu ziehen, kann ich nicht sagen. Nur, dass es eine rein künstlerische Entscheidung ist. Und so etwas schätze ich immer, auch wenn mir das Ergebnis nicht immer gefällt
Ah, danke fürs Erklären, finde ich nachvollziebar.
@Puschel
Ich mag die Band ja sehr. Vor allem Irreligious, The Antidote und Extinct.
Finde schon, dass sie auf einigen Alben ihr Potential gut zur Geltung bringen.
Aber ich gebe dir völlig Recht, dass die Produktion des neuen Albums richtig lasch rüberkommt. Vor allem die Leadparts der Gitarren wirken teilweise wie Demoaufnahmen und öfters mal schräg.
Mich wundert das, weil Moonspell live extrem druckvoll klingen und die Musiker wirklich was können.
Hab sie dreimal live gesehen und war jedesmal begeistert.
Wär mal interessant, wie sie mit ner richtig guten Produktion klingen würden.
So „maximal kitschig“ fand ich sie eigentlich nie. Aber klar, das hängt natürlich immer von den aktuellen Hörgewohnheiten ab.
Denke schon auch, dass sie „würdig“ gealtert sind und vielleicht kommt ja nochmal ein richtig starkes Album raus.
Diesem hier würde ich 2.5/5 Punkten geben.
The Antidote und Extinct werde ich mir dann noch mal zu gegebener Zeit anhören! Vielleicht finde ich ja doch noch gefallen daran
Finde den Schriftzug zu leserlich, deshalb ungehört.
"Hier bei laut.de werden keine User gemobbt":
Funky_Bob: "Seit dem Schriftzug machen die nur noch Kommerzmucke, Puschel."
https://laut.de/News/Vorchecking-Evanescen…
ceee3: "Du hörst das, obwohl die eine Arial-Font auf'm Cover haben?"
https://laut.de/Elder/Alben/Through-Zero-1…
Der Weisse Hai: "Wie bewertest Du die Schriftart?"
https://laut.de/News/Interpol-Zwei-neue-So…
Funky_Bob: "Finde den Schriftzug zu leserlich, deshalb ungehört."
https://laut.de/Moonspell/Alben/Far-From-G…
Was soll dieses Mobbing? Bob hat hier ganz normal seine Meinung gesagt und Du haust auf ihn drauf. Noch haben wir Meinungsfreiheit in diesem Lang, auch wenn es Dir nicht gefällt.
Wenn Du mit den Meinungen anderer User nichgt umgehen kannst, dann lösch Dich, aber fang hier nicht an zu mobben.
Theo
Puschel: du hast da etwas geschrieben, das unabsichtlich ziemlich lustig war. Das du jetzt damit aufgezogen wirst finde ich auch etwas schwierig, aber als ehemaliges Mobbing-Opfer finde ich es auch unangebracht, wenn du das hier Mobbing nennst. Du musst hier nicht rumhängen und das über dich ergehen lassen, du kannst den Haufen Muppets hier auch einfach verlassen, ohne dass du dadurch negative Auswirkungen erleben musst. Du hast das Schutzschild der Anonymität, du kannst dich löschen und neu erfinden. Und du hast die Macht diese Sachen nicht gelesen zu haben, du kannst dich jeder Konfrontation entziehen mit minimalen Aufwand. Das sind Sachen, die mein Leiden erheblich verringert hätten.
Btw: wenn du willst, dass diese Späße aufhören, dann musst du sowas wie das hier unterlassen. Geh nicht darauf ein, dann ist es schneller weg.
@Puschel: warte hier mal ab, bis es irgendwo in den News hier annähernd um Politik geht (also wahrscheinlich bis Onkelz, der Rammstein-Dulli, Ärzte, Tote Hosen oder so irgendwas machen) und irgendein "neuer Nutzer" auftaucht und mal wieder Trump, die AfD, Jan Deichmolch oder eine der anderen Schießbudenfiguren abfeiert. Diese Leute kriegen dann eher Kommentare in Richtung: "Lösch dich doch endlich, du reudiger Hurensohn". Und selbst diese Nervensägen kriegen wir nicht dauerhaft weggemobbt. Leider.
Dass wir uns über deinen Take "Eine Arial-Schriftart ist nur auf Kommerzalben" lustig machen, sind dagegen echt nur kleine harmlose Sticheleien, die andere Nutzer genauso abkriegen. Ohne die wäre es hier langweilig. Ich finde schon, dass du im Großen und Ganzen ein angenehmer User bist, der hier eine gesunde Nerdigkeit reinbringt. Das denke ich, obwohl ich explizit als "Mobber" aufgeführt werde.
@Puschel: Ich würde sogar noch etwas weiter gehen als Caps. Freu dich, dass du mit dem Lesbaren Schriftzug einen weiteren Baustein zur laut.de-Kommentarspalten-Lingo hinzugefügt hast, ma sagen. Ob der sich dauerhaft etablieren kann, wird sich noch zeigen
Ansonsten auch das, was ceee sagt. Nach einem etwas... äh... schwierigen Start finde ich deine Posts hier ziemlich angenehm. Ich mochte zB sehr, wie du deine Begeisterung fürs neue Ellen Allien Albung ausgedrückt hast. Obwohl der Schriftzug eindeutig lesbar war.
Also: keep it on.
@gueldener: "Nach einem etwas... äh... schwierigen Start finde ich deine Posts hier ziemlich angenehm"
Täusche dich nicht. Du empfindest mich nur als angenehmer, weil meine Postings mittlerweile i.d.R. "in Ruhe" gelassen werden.
Ach komm, kannst du nicht mal ein kleines bisschen über dich selbst schmunzeln? Die Frage nach der Schriftart ist schon jetzt laut.de-Folklore. Ich hab es extra unabhängig von deinen Kommentaren gepostet, damit du friedlich über die Qualität der Musik urteilen kannst.
"Ach komm, kannst du nicht mal ein kleines bisschen über dich selbst schmunzeln?"
Nein.
Selbst die billigsten Marketingstricks nicht zu kennen und auch nicht zu erkennen, und seine komplette Ahnungslosigkeit dann zu nutzen, um einen einzelnen User, über einen langen Zeitraum zu mobben - das ist hier scheinbar gelebte Folklore
Ich hol mir dann schon mal das Popcorn.
Ich find's interessant dass er die Verlinkungen parat hatte von den Kommentaren, wo er, ahem, "gemobbt" wurde. Er hat die sich abgespeichert.
Wie tief kann der Opferkomplex gehen?
Wie immer falsch
Puschel, hat sich laut.de eigentlich damals bei dir dafür bedankt, dass du bei der Schriftart-Geschichte mit einem einzigen Kommentarstrang eigenhändig bestimmt für 80% der Seitenaufrufe in der Woche gesorgt hast? https://laut.de/News/Vorchecking-Dimmu-Bor… - Ein Autogramm von Sven Kabelitz könnten die dafür schonmal springen lassen, find ich.
Hoffentlich krakelig genug, sonst mag er das am Ende nicht.
Jetzt aber mal gut, Bob.
Wenn du so weitermachst, löscht er sich noch!
Endlich die entscheidende Inspo für ein Profilbild.
Das kann man ja noch lesen. Voll der kommerzielle Mainstream, dein neues Profilbild.
Me likey.
Mir gefällt's ja auch. Hab mich auch gleich inspirieren lassen, aber nichtsdestotrotz ist es halt, das habe ich hier auf Laut.de gelernt, kompletter kommerzieller Ausverkauf an den Mainstream, wenn man es lesen kann.