laut.de-Kritik

ADHS-Goth: ständig passiert irgendwas.

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Olá! Die Portugiesen Moonspell sind seit den frühen Neunzigern eine der eigenwilligeren, langlebigeren und souveräneren Bands des europäischen Gothic Metal. Wo andere Gruppen aus diesem Feld längst zur Kostümparty geronnen sind, haben Moonspell immer noch Würde, Stimme, Atmosphäre und diesen angenehm lusitanischen Fado-Stolz, der selbst dann trägt, wenn die Ideen nicht mehr ganz frisch sind. "Far From God" klingt entsprechend nicht nach Alterswerk. Routine auf sehr hohem Niveau: schwer, dunkel, sauber produziert, hübsch bebildert, voller Kerzenlicht, Wolfsatem und katholischem Weihrauch, der sich auf die Schminke absetzt. Das Cover ist wie die Platte: atmosphärisch gelungen, kitschig im Detail.

Moonspell kennen ihre Stärken und wollen sonst von gar nichts wissen. "Cross Your Heart" eröffnet so breitbeinig, dass die Lederhose ziept. Der Titelsong "Far From God" schiebt anschließend sehr ordentlich, hängt aber zu sehr im HIM-Nebel: große Geste, dunkler Flirt, romantischer Vampirschmerz. Nur: 2026 ist kein HIM mehr. "Biblical" nimmt sich danach zu viel Zeit und wandelt sich allzu schnell von kernig zu hymnisch zu irgendwas. ADHS-Goth: ständig passiert etwas, aber nicht immer entwickelt sich etwas.

Das zieht sich durch die Mitte des Albums. "The Great Wolf In The Sky" hat schon einen Titel, bei dem eigentlich klar ist: Es gibt keinen Song, der so heißt und nicht peinlich wäre. Andererseits ist das Jaulen leider geil. Der Song hat diese hemmungslose Cockswaggyness, die man an Moonspell mögen kann, bricht aber zu früh ab und traut sich am Ende doch nicht, seine beste Idee richtig nach Hause zu reiten.

Die Handbremse des verzagten Nichtdurchziehens sprüht über das gesamte Album Funken. "Your Promise Of Light" ist dagegen eine sinnlose Schmusenummer, nicht schlimm genug zum Ärgern, aber zu egal zum Verteidigen. "For The Love Of Mortals" ist ähnlich: eine vorbeiziehende Dunkelbrause, in 20-Sekunden-Snippets immer wieder interessant, zusammen aber dunkler als saures Lüngerl und erstaunlich stückwerkhaft.

Zum Glück steigert sich "Far From God" hinten heraus. "Our Freedom To Fall" ist nicht deshalb stärker, weil es härter wäre, sondern weil es kohärenter ist. Hier dreht sich die Band in eine Idee hinein und entwickelt sie im Song weiter, wenn auch etwas simpel. "Reconquista" ist ein starker Abschluss: groß, schwer, melodisch, dramatisch, aber nicht ganz so selbstverliebt wie manches davor. Diese letzten beiden Stücke zeigen, was "Far From God" insgesamt hätte sein können: kein moderner Neustart, aber ein konzentriertes, atmosphärisches Spätwerk einer Band, die ihre eigene Dunkelheit noch beherrscht.

Trackliste

  1. 1. Cross Your Heart
  2. 2. Far From God
  3. 3. Biblical
  4. 4. The Great Wolf In The Sky
  5. 5. Your Promise Of Light
  6. 6. For The Love Of Mortals
  7. 7. Our Freedom To Fall
  8. 8. Reconquista

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LAUT.DE-PORTRÄT Moonspell

1989 gehts mit einer Band namens Morbid God los, die sich in Brandoa, Portugal zusammen findet und zunächst noch durch den Death und Black Metal rumpelt.

2 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 3 Stunden

    Bei Antidote oder The Butterfly FX hab ich immer gerne reingelauscht. Irgendwie dachte man damals, die hauen bald ihr Meisterwerk raus, ist aber scheint's nie passiert. So leider nur ne Achselzuck-Band...

    • Vor 3 Stunden

      Irreligious fand ich damals großartig, höre ich auch immer noch gerne. Butterfly FX war auch super. Danach wurde es recht ähnlich und teilweise auch sehr belanglos. Alpha Noir und Extinct fand ich dann wiederum recht stark. Live machen sie echt Spaß. Hab sie mal in Combo mit Cradle of Filth gesehen, das war schon schaurig nett. Kleiner Club, da ist dann eine tolle Atmosphäre :)

    • Vor einer Sekunde

      Für mich ist 1755 noch immer das beste Album von denen. Wobei da halt auch viele Portugalurlaube Einfluss nehmen.

  • Vor einer Stunde

    Absolut großartige Band, die sich immer ihre Würde und ihre Kreativät erhalten hat. Über einen so lange Zeitraum hinweg, das ist wirklich selten! Da gibt es in der Schiene nicht viele vergleichbare Bands. Allerdings gehöre ich auch eher zu den Hörern, die nach Irreligious irgendwie den Faden zu ihrer Musik verloren hat. Es hat mich nicht mehr so begeistert. Im Gegensatz zu Cradle of Filth (ohne die direkt miteinander vergleichen zu wollen), die nach Dusk and her embrace immer kommerzieller, seichter und beliebiger geworden sind, haben sich Moonspell dagegen gesund weiterentwickelt. Und bei jedem neuen Album hoffe ich erneut, dass ich dafür wieder so brennen werde, wie damals für Irreligious! Allerdigs war das damals halt auch maximal kitschiger, melodischer Gothic Metal. Vielleicht ist Moonspell das heutzutage einfach zu billig.