laut.de-Kritik
Tanzt die Post-Menopause: Sex als politische Waffe.
Review von Kerstin KratochwillMit "Kein Gleitmittel? Wie unhöflich!" könnte man den Titel des garantiert nicht höflichen siebten Albums von Queer-Electroclash Ikone Peaches übersetzen. "No Lube So Rude" startet von Sekunde 1 an furios, freakig und frech mit pulsierendem Punk-Industrial-Rave-Electropop, dem man sich kaum entziehen kann.
Dazu triefen die Texte der kanadischen Wahlberlinerin nur so vor expliziten und eindringlichen Stellen, in denen Sex nicht als persönliche Angelegenheit, sondern politische Waffe verhandelt wird. Sie haut Reime raus wie eine Rapperin, roh und rasant – doch ihr Stilmittel bleibt der Sprechgesang.
High-Energy-Vibes und Hyperpop-Sounds treffen hier auf vibrierenden Lyrics. Peaches ist auf dem neuen Album – es ist ihr erstes nach zehn Jahren Pause – so kampflustig und kompromisslos wie eh und je. Ihre Post-Menopause-Perspektive verwandelt Frust in Freude und errichtet eine radikale Frontlinie im Kampf für Menschenrechte und gegen die faschistische Flut weltweit.
Peaches ist der lebendige Beweis, dass Musikerinnen und Musiker im Alter nicht automatisch reaktionär werden müssen, sondern radikal und relevant bleiben können. Und so ballert es gewaltig und permanent auf "No Lube So Rude". Ein wenig mehr musikalisches Schmiermittel wäre da angesichts der abrasiven Tracks nicht schlecht – einzig in "Take It", einem schleppend-langsamen Electro-Stück zeigt sich Peaches auch verletzlich und verwirrend sanft, oder auch im ätherischen Synth-Wirbel "Be Love" als letztem (Statement-)Song, so dass hier der ersehnte Balsam für die Widersprüche unserer Welt entsteht.
Aber in "The Teaches of Peaches" – ihrem 2000er Meisterwerk – waren Trash und Theorie schon immer Tanzpartner, so auch hier wieder. Sexshow und Sehnsucht sowie Hyper-Energy und Humor-Fetzen (neonleuchtend in Titeln von "Fuck How You Wanna Fuck" zu "Hanging Titties") prallen auf "No Lube So Rude" genauso zusammen/aufeinander, wie es eben der eigenwillige Electroclash von Peaches tut, der dieses Gleitmittel als Salbe gegen die unangenehmen Reibungen der Welt empfiehlt.


4 Kommentare mit 16 Antworten
Ich vermute, die Rohfassung lautete "...gegen die unangenehmen Anallöcher der Welt empfielt." Hätte ich die Abnahme gemacht, wäre es stehen geblieben. Ich fühle es jedenfalls.
Ihr Engagement in allen Ehren, aber bisher habe ich die als ziemlich nervig und penetrant empfunden. Man muss nicht unbedingt ständig Titten auf der Bühne zeigen, damit die Botschaft ankommt. Da ist mir Marie Davidson lieber. Der Sound klingt nicht so billig und die Texte sind durchaus scharfsinnig und humorvoll, aber steinigt mich dafür.
Das Original. Cardi B, Ikkimel usw. waren mir immer zu sehr in der Brummifahrer-Porno-Mottenkiste gefangen. Nur in Absätzen(sic, haha) guckten sie mal ein wenig daraus hervor, als dezent subversiver Mini-Befreiungsakt. Letztlich bedienen sie aber auch 14jährige Jungs, die heimlich von gefügigen Frauen träumen.
Bei Peaches war der Sex immer komplett und 100%ig ihrer. Klassische Sexiness mit Stripper- oder Porno-Klischees gibts bei ihr weder musikalisch noch visuell bei Live-Shows. Das ist pure, gewaltvolle Rebellion und Selbstermächtigung, die im Gegensatz zu den Meisten, die sie später beeinflusste, NICHT marktkompatibel ist.
Bin kein Riesenfan, aber extrem froh, dass es sie gibt. Platte ist tatsächlich etwas besser als die Singles es vermuten ließen.
Ich bin auch froh, dass es dich gibt, Ragi.
ich denke bei mir sex ist auch 100 prozent meine
Ragi ist eben auch hinsichtlich wieseliger Gesichtspunkte das Original =)
vielleicht manchmal auch nur zu 50 prozent meine
wenn andere person macht mit
Manchmal auch nur 33,3%
wieviel prozent sind es, wenn man nur zuguckt?
Bei mir sind es jeweils 50%, auch/insbesondere, wenn ich es alleine mache. Manchmal, zusammen dann, gehen auch mal 100%.
Feinste Selbstgespräche mal wieder, die Klarnamenpflicht wird Laut.de killen.
Massive Implosion dann!
Nur der Nerz kann das Wiesel stop(f)pen!
Doxxingpflicht jetzt!
"Feinste Selbstgespräche mal wieder, die Klarnamenpflicht wird Laut.de killen" kicherte Olivander12 manisch vor sich hin, bevor er sich als Duri anmeldete. Dieses dauernde Accountgeswitche machte ihn und die anderen User, die auch er waren, wahnsinnig! Er sollte Capslokk, der auch er war, fragen, ob es da eine Möglichkeit zum Shortcut gibt...
Solange nicht wieder jemand auf die Idee kommt, dass wir beide die selbe Person sind
Da bin ich bei dir, das ist woke Propaganda. Nahezulegen, dass man doch evtl. mehr Gemeinsamkeiten hat, als einem vielleicht bewusst ist. Igitt!
Ein Leben ohne den User Schwingster - unvorstellbar mittlerweile. Letztens habe ich in der Bahn eine Schwing-Note heraumgeistern sehen, wollte schon Hallo sagen, da fiel mir ein, ach nein, er ist ja Björk, fein.
Bisher mein persönliches Highlight 26. Geht schon seit Wochen gut rein. Danach kommt gleich Charli.