laut.de-Kritik
Klassischer Hard Rock, solide serviert.
Review von Markus SeibelMit "Paralyzed" legt Black Swan ihr neues Studioalbum vor. Die Erwartungen sind angesichts der prominenten Besetzung naturgemäß hoch. Schließlich vereint die Band erfahrene Musiker mit großer Vergangenheit im Hard Rock.
Schon nach den ersten Durchläufen wird jedoch klar, dass "Paralyzed" eher auf Sicherheit als auf Überraschung setzt. Die Produktion ist druckvoll und sauber, wirkt aber stellenweise etwas glatt. Es fehlt mitunter an Ecken und Kanten, die dem Material mehr Eigenständigkeit verleihen. Der Sound ist solide, aber selten wirklich aufregend. Viele Arrangements bewegen sich im vertrauten Rahmen des Genres.
Das sorgt für Wiedererkennungswert, aber auch für Vorhersehbarkeit. Wer Innovation erwartet, wird hier kaum fündig. Dennoch versteht die Band ihr Handwerk. Die Songs sind durchweg professionell umgesetzt. Insgesamt macht das Album einen ordentlichen, aber nicht überragenden Eindruck.
Sänger Robin McAuley liefert eine verlässliche Leistung ab. Seine Stimme zeigt Kraft und Charakter. In den höheren Lagen klingt er sicher, wenn auch nicht mehr ganz so mühelos wie früher. Emotional bleibt er glaubwürdig, erreicht jedoch nicht immer die ganz großen Gänsehautmomente. Einige Refrains profitieren klar von seinem markanten Timbre. Andere Stücke hingegen wirken gesanglich etwas zu routiniert.
Man spürt Erfahrung, aber auch eine gewisse Komfortzone. McAuley trägt die Songs souverän, ohne sie entscheidend aufzuwerten. Es fehlt der eine herausragende Vocal-Moment, der sich dauerhaft einprägt. Trotzdem bleibt seine Performance ein stabiler Faktor und zeigt keine gravierenden. Begeisterungsstürme löst er allerdings ebenso wenig aus. Seine Darbietung passt zum insgesamt soliden Charakter der Platte. Am Ende bleibt ein guter, aber nicht spektakulärer Eindruck.
Die Vorabsingle "If I Was King" gehört zu den stärkeren Momenten des Albums. Gitarrist Reb Beach setzt hier auf ein prägnantes Riff und eingängige Melodien. Der Song bringt die typischen Stärken der Band auf den Punkt. Besonders der Refrain bleibt schnell im Ohr. Kleine harmonische Abweichungen sorgen für etwas Abwechslung. Dennoch bewegt sich auch dieser Track klar im bekannten Hard-Rock-Korsett. Das Gitarrensolo ist technisch sauber gespielt, aber nicht außergewöhnlich. Insgesamt funktioniert der Song gut, ohne neue Maßstäbe zu setzen. Er steht exemplarisch für das gesamte Album. Vieles klingt vertraut und kompetent umgesetzt. Ein echter Hit mit Langzeitwirkung ist jedoch nicht unbedingt dabei. "If I Was King" überzeugt, reißt aber keine Bäume aus.
Die Rhythmussektion mit Jeff Pilson am Bass und Matt Starr am Schlagzeug arbeitet zuverlässig. Beide liefern eine solide Grundlage für die Gitarren und den Gesang. Das Zusammenspiel wirkt eingespielt und professionell. Besonders in den Midtempo-Nummern entfaltet sich eine angenehme Groove-Basis. Allerdings bleiben die Rhythmusarrangements meist recht konventionell. Mutige Akzente oder ungewöhnliche Breaks sind rar gesät. Dadurch fehlt manchen Songs das letzte Quäntchen Dynamik. Druck ist zwar vorhanden, doch echte Spannung entsteht nur selten. Alles klingt gut produziert, aber etwas berechenbar. Technisch gibt es nichts zu beanstanden. Emotional bleibt die Rhythmusarbeit jedoch oft im Hintergrund. Sie erfüllt ihren Zweck, ohne besondere Highlights zu setzen. Auch hier zeigt sich das durchweg solide, aber nicht herausragende Niveau.
Unterm Strich ist "Paralyzed" ein Album, das Genre-Fans durchaus ansprechen dürfte. Black Swan liefern genau das, was man von ihnen erwartet: Große Refrains, kraftvolle Gitarren und eine saubere Produktion prägen das Gesamtbild. Gleichzeitig fehlt es an frischen Impulsen oder mutigen Ideen. Die Songs sind ordentlich geschrieben, aber nicht immer zwingend. Einige Passagen klingen, als habe man sie so oder ähnlich schon oft gehört. Dennoch macht die Platte über weite Strecken Spaß. Vor allem Liebhaber klassischen Melodic Hard Rocks kommen auf ihre Kosten. Wer jedoch nach neuen Akzenten im Genre sucht, wird kaum überrascht. "Paralyzed" bewegt sich konstant auf einem guten Mittelfeld-Niveau.


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