laut.de-Kritik

Es braucht mehr Dolce Vita in Deutschland.

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Von der ewigen Sehnsucht nach Italien erzählte uns zuletzt das neue Buch von Musiker und Autor Eric Pfeil. In Hotel Celentano bereist er das Urlaubsland seiner Kindheit und hält an Orten, die man bisher noch nicht kannte. Die Faszination dieses Landes wird uns wohl immer begleiten, zumindest diejenigen, die ihre Sommerferien früher regelmäßig an der Adria verbrachten.

Der Soundtrack dazu läuft auf "Ombrelloni & Gru" von der Crucchi Gang, nicht zu verwechseln mit der Gucci-Gang. Hinter dieser Clique verbergen sich diverse Musiker:innen, die ihre deutschsprachigen Songs auch mal auf Italienisch interpretieren wollen. Die Idee entstand 2020 in Berlin, als Musikmanagerin Charlotte Goltermann, Sven Regener (Element of Crime) und Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn) nach einem Bob Dylan Konzert zusammensaßen und bei ein paar Getränken beschlossen: Es braucht mehr Dolce Vita in Deutschland. Mit "Ombrelloni & Gru" erscheint bereits das dritte Album mit zwölf Tracks und vielen namenhaften Gästen, die eine ganz eigene Bindung zu Italien haben.

Ein Song aus dem Norden kommt von Fettes Brot. Emanuela klingt auf Italienisch noch mal mehr nach Sommer, Sonne, Liebesentzug. Spätestens jetzt sollte man die Finger von ihr lassen. Nicht vom blauen Meer, aber von Blauen Augen besangen Ideal, und dieser Klassiker wird von der Crucchi Gang feat. Fil Bo Riva und Alli Neumann noch mal melodischer in Szene gesetzt. Italo-Pop trifft Neue Deutsche Welle.

David Bowies Space Oddity wird zum sommerfrischen "Ragazzo Solo, Ragazza Sola", gesungen von Francesco Wilking. Bei diesem beschwingten Intro wird man gleich an den nächsten Strand gebeamt.

Neben den deutschen Gästen gibt es diesmal auch Features aus Österreich. Da ist zum Beispiel Anda Morts aus Linz dabei. Sonst eher im Indie-Punk unterwegs, passt sein eher ruppiger Gesang zu "Filtro" hervorragend und setzt damit seinen eigenen Song "Filter" in eine tanzbare Hymne um mit coolen Celentano-Moves. Ebenso Buntspecht aus Wien geben ihrem Unter den Masken einen italienischen Touch und versprühen mit "Sotto Le Maschere" eine typisch südländische Leichtigkeit.

Hildegard Knef wird mit "Mille Rose" von Sven Regener gewürdigt. Da bleibt man aber doch lieber beim Original. Sorry, Sven, aber bei dieser Version regnen heute keine roten Rosen für dich. Mehr Emotionen und Applaus gibt es wieder bei "Sindrome Di Parigi" (feat. Lina Maly).

Jeder Gastbeitrag wird hier zur persönlichen Geschichte von und mit Bella Italia. Francesco Wilking wächst mit seiner römischen Mutter und seinem Bremer Vater im Schwarzwald auf. Die italienische Musik und Kultur begleiten ihn schon ein ganzes Leben. Zwischen Sonnenschirmen und blauem Meer bedecken auch mal Regenschirme und Kräne ("Ombrelloni und Gru") die gute Aussicht. Auch ein Urlaubsland hat seine Realität und eine ganz normale Alltagsdynamik.

Trackliste

  1. 1. Ragazzo Solo Ragazza Sola (feat. Francesco Wilking)
  2. 2. Ti Sta Bene (feat. Paula Carolina)
  3. 3. Emanuela (Giu Le Mani) (feat. Fettes Brot)
  4. 4. Occhi Blu (feat. Fil Bo Riva & Alli Neumann)
  5. 5. Filtro (feat. Anda Morts)
  6. 6. Mille Rose (feat. Sven Regener)
  7. 7. Filosofo (feat. Dilla)
  8. 8. Sindrome Di Parigi (feat. Lina Maly)
  9. 9. Cambiato (feat. Fai Baba)
  10. 10. Sotto Le Maschere (feat. Buntspecht)
  11. 11. Apollonia (feat. Salò)
  12. 12. Oggi Qui Domani La (feat. Clavido)

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