laut.de-Kritik

Soundtrack für die Hitze der Stadt.

Review von

"They should protect your neck just like Wu-Tang / Gotta get it, bussin' it open to get some loose change / Baby if you wasn't a hoe, you could be my boo thing". Ich bin ja ein Sucker für Wu-Referenzen. Vor allem, wenn sie von Freddie Gibbs in einen besonderen Kontext gesetzt werden. Der ganze Track "Nobody" dreht sich um Frauen, die ihn betrogen haben oder die er in seiner Sturm-und-Drang-Phase auf der Straße schlecht behandelt hat. Den Wu-Klassiker "Protect Ya Neck" als Ode auf die oralen Fähigkeiten seiner Liebschaften zu nutzen? Chapeau für den Kontext, nicht für den Sexismus.

Und ja, ich weiß, liebe Rap-Nerds, drei der neuen Songs erstrahlten schon auf der EP "RBT". Die war mir jedoch durchgerutscht, sodass wir uns unvoreingenommen der neuen Edition seines 2024er Albums "You Only Die 1nce" widmen. Neben den bekannten Tracks hat Gangster Gibbs noch zehn neue Stücke, darunter zwei Interludes, aus der Cloud geholt. Auf wundervolle Weise viben diese auf dem gleichen Level wie die Originalversion.

Von G-Funk bis Laid-Back-Trap: Wenn Freddie mal nicht mit dem Rucksack im Keller von Alchemist oder Madlib sitzt, schenkt er klassische Straßen-Sounds aus. Der Opener "Outside" kommt mit melancholischen Keys und britisch angehauchten Synthies daher. Es ist heiß in der City, die Kids hüpfen in die Wasserfontänen, die Lowrider cruisen, am Corner würfeln die OGs und der Duft nassen Teers erfüllt die zugekoksten Nasen.

"Axxtion" mit 80er-Reggae und das soulig-handclappende "Ruthless Remix" knüpfen nahtlos an diese sommerliche Stimmung an. Thematisch gibt sich Gibbs als Poet der Gosse – mit Selbsterkenntnis, aber ordentlich Dreck am Stecken –, der im "Pain From Paradise"-Interlude vom Teufel verführt wird. "God loves quiet boys and you, you rap about what He turned his head away from / You the gospel for the grinders, the songs of the unsaved". Das Traumbild eines jeden Rappers.

"Immigrants" und "Torture" diggen tief in OutKast'schen ATLiens-Gewölben. Die Snare kommt straight aus dem Organized-Noize-Keller, Klavier-Harmonien und sphärische Klangebenen inklusive. Das Fundament funktioniert, und Gibbs rappt sich wieder einmal in die Champions League. Er braucht oft nur eine Zeile, um die Romantik des Gangsterlebens und die zerstörerischen Auswirkungen gleichermaßen zu sezieren. "I put a childhood friend on his knees for coke and weed" aus "Immigrants" oder "Man, these niggas wasn't them boys in the hood, they was Cuba Gooding's (Ah) / I turn 'em into Ricky's (Brr)" aus "Torture".

Die anderen beiden Tracks "Summertime Homicide" und "Rabbit Mode" nicken ordentlich mit dem Kopf und fügen sich perfekt ins Album ein. Am Ende bleibt eine extrem stabile und sinnvolle Deluxe-Edition-Erweiterung. Auch wenn Kritiker und Fans bei "Alfredo", "Alfredo 2" und "Piñata" ob der spannenderen Beats in größere Lobeshymnen ausbrachen als bei "You Only Die 1nce": Die Deluxe-Edition ist im Juni 2026 der perfekte Soundtrack.

Trackliste

  1. 1. CD 1 (Deluxe)
  2. 2. Outside
  3. 3. Pain From Paradise (Interlude) (Ft. Slink Johnson)
  4. 4. Axxtion
  5. 5. Ruthless Remix (Ft. Leon Thomas)
  6. 6. Immigrants
  7. 7. Summertime Homicide
  8. 8. Torture
  9. 9. Heartbreak In Heaven (Interlude)
  10. 10. Rabbit Mode
  11. 11. Nobody
  12. 12. CD 2 (Original)
  13. 13. Status
  14. 14. Cosmo Freestyle
  15. 15. Wolverine
  16. 16. Brick Fees
  17. 17. Rabbit Island
  18. 18. Nobody Like You (Interlude)
  19. 19. 30 Girlfriends (Yeah Yeah)
  20. 20. Steel Doors
  21. 21. Walk It Off
  22. 22. Ruthless
  23. 23. Origami
  24. 24. On The Set

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