laut.de-Kritik
Kein Platz für Hass, Heuchelei und Diskriminierung.
Review von Toni HennigErst vor zwei Jahren ist KMFDMs letzter Longplayer "Let Go" erschienen. Trotzdem gibt es seitdem etwas zu berichten. Noch im selben Jahr veröffentlichte Lucia Cifarelli ihr drittes Studioalbum "No God Here". Tidor Nieddu ersetzte 2025 Andee Blacksugar als Gitarrist. Zudem kam mit "Hau Ruck 2025" eine rundum überarbeitete Jubiläumsausgabe von "Hau Ruck" auf den Markt.
Auf "Enemy" bleibt die Formation nun ihren Trademarks und ihren Prinzipien treu. Schon im stampfenden, von Sascha Konietzko gesungenen Titeltrack kommt die Haltung der Band unmissverständlich zum Ausdruck, wenn es heißt: "We don't need no false leaders / No place for hypocrisy / No room for discrimination / Distinction through diversity."
In "Oubliette" treffen die typischen Dampfhammertöne KMFDMs auf Lucias poppig verführerische Gesangslinien "L'Etat" kommt durchgängig mit wütenden, französischen Vocals Saschas daher, was etwas an The Young Gods denken lässt. In "Vampyr", das wieder Lucia übernimmt, bleibt im rockigen Sound noch Platz für Funk-Versatzstücke sowie eine soulige Hook.
Insgesamt gewinnen diesmal die wavig poppigen Nummern Cifarellis die Oberhand. Das von Konietzkos Tochter Annabella geschriebene, von treibenden 90er-Jahre-Acid-Sounds geprägte "Yoü" stellt mit hellen, klaren Gesangslinien eine Art Bubblegum-Version der Band dar. "A Okay" bleibt mit Electro-Sounds und frechen Vocals ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mehr die aggressiven Krallen fährt die Sängerin dann in "Catch & Kill" aus.
Die restlichen Tracks Saschas könnten unterschiedlicher kaum sein: "Outernational Intervention" geht richtig punkig nach vorne, während es sich bei "Stray Bullets 2.0" lediglich um eine dubbige Neubearbeitung des Tracks "Stray Bullet" von 1997 (auf dem Album "Symbols") handelt, wenn auch eine gut anhörbare.
"The Second Coming" verbreitet mit düsteren Industrial-Klängen und verfremdeten Vocals beste Cyborgatmosphäre. Ein Instrumental gibt es mit "Gun Quarter Sue" ebenfalls zu hören, das neben elektronischen Sounds und Funk-Einschüben mit fetten Metal-Riffs aufwartet, ungewöhnlich hart für KMFDM-Verhältnisse.
Letzten Endes stellt "Enemy" eine grundsolide Angelegenheit dar und knüpft nahtlos an "Let Go" an. Trotzdem hätte etwas mehr Mut zum Experiment gut getan. Denn musikalisch machen es sich KMFDM an vielen Stellen etwas zu bequem. Bis auf die ungewohnte Härte im besagten "Gun Quarter Sue" gibt es nichts, was man auf früheren Studioalben nicht schon in besserer Form gehört hätte.
Live dürfte die ein oder andere Nummer dennoch problemlos funktionieren. Dass die Formation auch nach mehr als vierzig Jahren Karriere immer noch klare Haltung zeigt, nötigt ohnehin Respekt ab.


1 Kommentar mit 7 Antworten
ich finde es faszinierend, dass eine band, deren botschaft "Kein Platz für Hass, Heuchelei und Diskriminierung" ist, es geschafft hat 2,5 verschiedene amokläufer(innen) zu beeinflussen. einmal columbine und einmal die katholische schule in minneapolis 2025
Würden sie beeinflusst, oder haben sie das einfach nur gehört, und es war für die Medien irgendwie edgy genug, um es nochmal besonders zu erwähnen?
Der größte Einfluss - oder besser der schlussendliche maßgebliche Einflussfaktor für die Umsetzung - war am Ende wohl der Zugang zu amoklauffähigen Waffen.
Was bis dahin alles schief gelaufen ist, hat mit dieser oder jener Band mal sicher gar nichts zu tun, würde ich sagen.
die täterin von minneapolis hat wohl* auf ihrem manifest-block einen kmfdm sticker, einen sticker mit totenkopf und fledermaus und einen sticker, der eine LGBTQ-fahne mit einem sturmgewehr und der aufschrift "defend equality" und auf der waffe steht "kill donald trump", "rip&tear", "6 millions wasn't enough" und "born to shit forced to wi[..]"
über die gedankenwelt der columbine dudes und wie diese zustande kam ist in den letzten 26 jahren genug geschrieben worden.
*gegeben dass das keine KI fakes sind, die da veröffentlicht wurden.
ntrl sind kmfdm nicht der einzige einfluss/die einzige band, die einen einfluss hatten aber halt bis jetzt die einzige band, die halt von 2-3 verschiedenen täter(innen) gehört und gefeiert wurde
Edt: es heißt auf der waffen "6 millioN wasn't enough"
edt² es ist auch gut möglich, dass das ne psyop ist
Was für ein Bullshit, keine dieser Taten wurde wegen KMFDM verübt. Das ist auf einer Ebene mit dem Mythos, Videospiele seien für ähnliche Gewalttaten verantwortlich. Konservativer Satanic Panic-Nonsens dem man nicht auf den Leim gehen sollte.