laut.de-Kritik

Emotional vielschichtiges Comeback mit wenigen Überraschungen.

Review von

2019 kündigten Karnivool an, im Studio an neuer Musik zu arbeiten. Zwei Jahre später veröffentlichten die Australier mit "All It Takes" ihre erste Single nach acht Jahren. Nun hat mit "In Verses" die lange Wartezeit auf das vierte Studioalbum endlich ein Ende. Das entstand zusammen dem langjährigen Kollaborateur Forrester Savell und nimmt den Hörer auf eine Reise durch kollektive Gefühle der Frustration, Läuterung und Wiederentdeckung der Identität.

"Ghost" baut sich zunächst mit ambienten Tönen und trippigen Drums recht ruhig auf. Danach prägen jedoch laute Riffs, die im matschigen und übersteuerten Sound leider etwas zu sehr untergehen, und das Wechselspiel aus flächigen und emotionalen Gesangsmomenten Ian Kennys den Track. Audiophil klingt das leider nicht.

"Drone" verbindet den frühen Alternative-Sound Tools mit Post-Grunge-Einflüssen und einer verspielten Bridge. In "Aozora" wechseln sich ruppige Passagen mit melodischeren Momenten ab. "Animation" steuert auf einen eruptiven Refrain zu, nimmt aber hin und wieder die Lautstärke zugunsten einer postrockig geprägten Stimmung ein wenig raus, während "Conversations" die sphärisch-psychedelischen Qualitäten des Quintetts unterstreicht.

"Reanimation" sorgt mit seinen geerdeten Klängen in den Strophen sowie seiner überschwänglichen Hook für zuversichtliches Kontrastprogramm, wobei das gefühlvolle Solo Guthrie Govans dem Track noch die Krone aufsetzt. Das wütende "All It Takes" kommt als 2025 Remastered Version daher, die gegenüber der Ausgangsversion etwas klarer aus den Boxen tönt. Durch "Remote Self Control" ziehen sich melodische Riffs, während Kenny der Wut immer wieder gesanglich eine gewisse Melancholie entgegensetzt. Das im balladigen Midtempo gehaltene "Opal" versprüht viel Pathos und bleibt Geschmacksfrage.

"Salva" setzt auf dynamische instrumentale Spannungsbögen sowie ruhige Vocals, mündet aber dann doch in einem energiegeladenen Finale, dem lautstarke Dudelsacktöne ihren besonderen Stempel aufdrücken. Trotzdem bleibt man am Ende etwas ernüchtert, gibt es bis auf wenige instrumentale und gesangliche Ergänzungen nichts, was man auf den Vorgängern nicht schon in ähnlicher Form gehört hätte. Der Schritt weg von der Sperrigkeit von "Asymmetry" hin zu den zugänglicheren Strukturen der ersten Alben erweist sich zwar als recht löblich, aber letzten Endes klingt "In Verses" über lange Strecken auch nicht mehr wie eine Karnivool-Best Of, nur mit neuen Songs.

Insgesamt hätte man nach dreizehn Jahren ein wenig mehr erwarten können, zumal die Soundqualität der Platte gegenüber den drei Vorgängern nicht unbedingt ein Fortschritt darstellt. Wer es gerne proggig mag und darüber hinwegsehen kann, macht mit der Scheibe aber nicht unbedingt viel verkehrt.

Trackliste

  1. 1. Ghost
  2. 2. Drone
  3. 3. Aozora
  4. 4. Animation
  5. 5. Conversations
  6. 6. Reanimation
  7. 7. All It Takes
  8. 8. Remote Self Control
  9. 9. Opal
  10. 10. Salva

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