laut.de-Kritik
Ist uncool das neue cool?
Review von Magdalena GregoriIst uncool das neue cool? Maisie Peters scheint davon überzeugt. "Florescence" heißt das jüngste Werk der Britin, die schon Vor-Act bei Pop-Größen wie Taylor Swift, Ed Sheeran oder Noah Kahan war. Musikalisch puzzelt sich Peters in das Bild ebendieser Stars, bringt dabei eine jüngere Perspektive ins Spiel, die sich wie die Stimme einer Außenseiterin in der Schule anhört.
"Mary Janes sind das Fashion-Must-Have des Frühlings", titeln einschlägige Modemagazine. Maisie Peters hat dafür jedoch im gleichnamigen Opener nichts übrig. Ruhig und bestimmt singt sie mit träumerischer E-Gitarrenbegleitung: "It doesn't matter, oh man, anymore, who gives a fuck? / When I'm, I'm in love". Im Angesicht der großen Liebe verflüchtigt sich nicht nur die Bedeutung von Trends, auch das schnelle Party-Leben rückt in den Hintergrund. Lieber wünscht sich Peters in "Audrey Hepburn" ein Landleben wie früher, das sie mit melancholischem Gitarrengezupfe zum Leben erweckt.
Für manche ist vergessen zu werden eine der schlimmsten Ängste im Leben. Denn manchmal tut Ignoranz mehr weh als Wut, ist sich die Musikerin in "Say My Name In Your Sleep" sicher. Trotzdem erkennt sie, dass wahre Liebe manchmal auch loslassen bedeutet. Die gerade noch versöhnliche Stimmung kippt in "Old Fashioned". Peters zeigt, dass Gefühle selten linear sind und untermalt die Erkenntnis mit unspektakulären Folk-Klängen.
Je länger das Album läuft, desto mehr verschwimmen die Tracks zu einem homogenen Ganzen. Natürlich erzeugen bekannte, wiederkehrende Klänge ein besonders vertrautes Gefühl und damit eine Intimität, die Folk auszeichnet - ein bisschen mehr Pep hätte dennoch nicht geschadet. Etwas schwungvoller verschmelzen die Stimmen von Maisie Peters und Julia Michaels in "Kingmaker" zusammen. Als wären sie dem Mean-Girls-Club beigetreten, schauen sie auf Männer herab, die nichts besseres zu tun haben, als die Lorbeeren für weibliche Verdienste einzuheimsen - wirklich verachtenswert.
Dass die aus Brighton stammende Sängerin ihren verletzlichen, fast schon nischigen Sound auch in den Mainstream katapultieren kann, bewies sie mit ihren beiden ersten Alben, die die Spitze der UK-Charts anführten. "My Regards" wäre auch ein heißer Kandidat fürs Radio. "Now my address is his mattress in his bedroom". Die kühnen und frechen Lyrics kreieren mit pumpenden Beats echtes Ohrwurmpotential. Weit weg von eingängigen Melodien schwirrt "If You Let Me". Die leise donnernden Beats erinnern an Wellen die an die Küsten rollen und Maisie Peters winkt gemeinsam mit Marcus Mumford einer schon verblassten Liebe, die immer mehr davon fliegt. Auch das zweite Feature des Albums fügt sich in das erwachsen gewordene Sound-Universum von Peters ein.
"I loved you like a flat earther / So stubborn, so dumb". Die Musikerin vergleicht die berühmt-berüchtigte rosarote Brille am Anfang von Beziehungen mit Schwurblerei - beides tatsächlich ziemlich realitätsfern. Die musikalische Untermalung andererseits, klingt bodenständig und nicht wirklich sehr fantasievoll.
Die folgenden drei Tracks vertonen das unweigerliche Ende einer nicht funktionierenden Beziehung. "I'm not bitter, I'm not dying / I forget about you when I'm not even trying" singt Peters in "Girl's Just Flying". Es ist eine Ode an die beängstigende Freiheit nach einer Trennung, die sich nach einer gewissen Zeit dann aber wie eine Erleichterung anfühlt, das Glück wieder in sich selbst zu finden.
"Nothing Like Being In Love" reflektiert Maisie Peters ein letztes Mal ihre vergangenen Liebeserfahrungen und kommt zum Schluss, dass keine davon wirklich echte Liebe war. Dennoch verfällt die Musikerin nicht dem Pessimismus, sondern sieht Liebe immer noch als etwas Außergewöhnliches an. "Someone is making me smile now / Is holding me tight now and watching me bloom". Darauf spielt auch der Albumtitel an, der wortwörtlich "Blütezeit" bedeutet und sich auch genauso anhört. Vor der üppigen Blume, muss eben immer eine grüne und nicht ganz so schöne Knospe existieren.


Noch keine Kommentare