laut.de-Kritik

Rückkehr zur Blondie-Pastiche und ausuferndem Synthie-Pop.

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Nach einer qualitativen Delle mit den letzten zwei Alben "Formentera I & II" berappeln sich die Kanadier von Metric wieder. "Romanticize The Dive" wirft nach Worten der Band einen Blick zurück in die Vergangenheit und dabei kommen eingängige Songs und vereinzelt gute Hooklines ans Licht.

Die Texte kreisen ums Alltägliche, ohne konkret zu werden und meiden allzu exotische Erleuchtungsmomente. Mal verkörpert Frontfrau Emily Haines als Glücksbeschwipste eine Magnet-Oberfläche, die Sonnenstrahlen und das Glück anziehe, wie im Opener "Victim Of Luck". Mal entspringt die unmittelbare Zukunft den Ideen eines Horrorfilms, in "Wild Rut". Die Musik kombiniert Hot Chip-verwandte Beats mit einem The Verve-Intro und wirkt schnell beliebig.

Handwerklich tischen Metric klassische Tastenarbeit mit gelegentlich akzentuierenden Gitarren auf, aber nach einigen Tracks hat man den Dreh heraus, und es tritt Vorhersehbarkeit ein. Meist vernimmt man einen Blondie-Verschnitt wie "Time Is A Bomb", dazu kommen niedliche Glam-Disco-Bezüge und der Bubble-Bounce-Pop einer Kylie oder Carly Rae ("Crush Forever").

Mehr als ohnehin schon sind die neuen Songs auf Emilys Stimme zugeschnitten und somit vollständig von ihr abhängig. Als Gegenpol zur Synthiepop-Lastigkeit fällt den Kanadiern lediglich eine Intensivierung von Bassdrum-Kicks ein, wie in "As If You're Here". Emilys lebhafte Vocals bereiten auch hier den Mehrwert.

Man muss sich freilich nicht wiederholen, aber mit der Komplexität, Dramaturgie und dem Premium-New-Wave des 2018er Albums "Art Of Doubt" hat das alles hier nicht mehr viel gemein. Eher erinnert "Romanticize The Dive" an "Synthetica" von 2012. Der stärkste Tune ist eine Hymne an die Musik selbst. "Tremolo" verbreitet die Botschaft 'Tanzen wir uns frei' und eine musiklehrerhafte Beschreibung des eigenen Tuns: "With the tremolo soft and the guitar clean / with a kickdrum pillow and a tambourine".

Metric spielen im September eine einzige Deutschland-Show in Berlin, gemeinsam mit Stars und Broken Social Scene. Dass diese Formationen mal einer gemeinsamen Szene in Toronto entsprungen sind und sogar Bandmitglieder austauschten, ist heute zumindest klanglich nicht mehr nachvollziehbar.

Trackliste

  1. 1. Victim Of Luck
  2. 2. Wild Rut
  3. 3. Time Is A Bomb
  4. 4. Crush Forever
  5. 5. Tremolo
  6. 6. Moral Compass
  7. 7. As If You're Here
  8. 8. Loyal
  9. 9. Antigravity
  10. 10. Clouds To Break
  11. 11. Leave You On A High

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