laut.de-Kritik
Gefangen zwischen Discofox-Albtraum und Kitsch-Fantasy.
Review von Kerstin KratochwillDer libanesisch-britische Sänger Mika fuhr 2007 mit seinem Debütalbum "Life In Cartoon Motion" und der überdrehten Single "Grace Kelly" gleich einen gigantischen Erfolg ein: Die Anspielung auf Trickfilmcharaktere, bonbonbunte Sounds und sein theatralisches Auftreten begleiten den in Beirut geborenen Musiker bis heute.
Auch sein siebtes Album spiegelt diese Überspanntheit nicht nur im Titel "Hyperlove" wider, sondern auch in der Musik. Mehr, mehr, mehr lautet das Motto: Pop-Songs, die dazu da sind, in epischen Eurovision-Performances zu strahlen und dabei eben auch so glatt zu bleiben. Und wie die meisten ESC-Songs musikalischen Trends der vergangenen Jahre hinterherzuhecheln. Auch "Hyperlove" simuliert den Zeitgeist und wirkt damit seltsam aus der Zeit gefallen.
Das sympathische Überkandidelte, das Mikas Songs so einzigartig und exaltiert machte, wirkt nun gebändigt bzw. geglättet: In einer cleanen Produktion gefangen, tanzen die Contemporary- und Electropop-Songs zumeist stumpfen Beats im Käfig. Immer wieder wird die gleiche fröhliche Dance-Pop-Formel bemüht. Dabei beabsichtigt Mika, eine Neuerfindung zu wagen und erklärt seine Intention so: "Hyper-Love und Hyper-Living bedeuten, jene Euphorie zu umarmen, die dir hilft, die Welt um dich herum zu verstehen."
Aber hört man sich dieses cleane Album an, hat man die übertriebene Überspanntheit und Übermäßigkeit im Einheitsbrei ziemlich bald über. Exemplarisch dafür steht "All The Same", ein zwischen Discofox-Albtraum und Kitsch-Fantasy gefangener Song. Es gibt zwar Tracks, die spannend mit pulsierenden 80-Vibes anfangen, etwa "Dreams", oder sich an dem eleganten Electro-Crooning eines Jay-Jay Johanson versuchen ("Science Fiction Lover").
Doch auch diese werden früher oder später in das aus generischen Rhythmen gezimmerte Gefängnis zurückgedrängt. Und so fehlt am Ende leider ein wichtiges 'Über' auf dieser Platte – das im Wort 'Überraschung'.


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