laut.de-Kritik

Klotzen statt kleckern, auch ohne Steve Albini an den Reglern.

Review von

"Oath" nahmen Mono 2023 noch mit Langzeitproduzent Steve Albini auf. Der verstarb jedoch im darauffolgenden Jahr und hinterließ bei den Japanern eine große Lücke. Schon alleine der Gedanke, ihn zu ersetzen, wirkte für die Band entmutigend, da Albini ein unverwechselbarer Bestandteil des Sounds war.

Aufgrund der Vertrautheit mit den kreativen und technischen Aufnahmeprozessen der Formation entschied man sich dafür, für "Snowdrop", das nun erscheint, mit Brad Wood (Touché Amoré, Smashing Pumpkins) zusammenzuarbeiten, der auch eine jahrzehntelange Freundschaft mit Albini pflegte. Albini hatte Mono einen großartigen, klaren Sound verpasst, während durch das dynamische Mastering von Bob Weston die Klänge genug Raum zum Atmen haben.

Die Trauer über Albinis Tod macht sich anfänglich im Titeltrack noch ein wenig bemerkbar, wenn melancholische Gitarrentöne auf ruhige Klavierschläge treffen. Jedoch schraubt sich die Nummer nach und nach in immer euphorischere Höhen, wunderbar begleitet von einem mehrköpfigen Chor unter der Leitung von Chad McCullough. "Winter Daphne" geht eher den umgekehrten Weg und packt zu Beginn mit ruppigen Saitensounds kräftig zu, differenziert sich mit zunehmender Spielzeit aber immer mehr aus, um in einem erhabenen Chor- und Orchesterfinale zu münden.

"Gerbera" lebt zunächst von trauermarschartigen Tönen, die allerdings zu Gunsten einer engelsgleichen Atmosphäre im späteren Verlauf immer mehr in den Hintergrund rücken. "Statice" erzeugt dagegen durch die Drums eine recht trippige Stimmung, fällt aber durch den Choreinsatz auch reichlich kitschig aus. Da tut der etwas langsamere Spannungsaufbau in "Hedera" ganz gut, das in postrocktypischer Manier in einem rockigen Crescendo mündet. Etwas unkonventioneller gerät demgegenüber "Shion", das wieder einmal trippige Klänge durchziehen, setzt der Track doch mehr auf eine ambiente Stimmung.

In "Bells Of Ireland" dominieren dramatische Pianotöne und filmmusikalische Streicher das Geschehen, während die Saiten schweigen. Trotz aller fehlenden Subtilität kann man sich der Schönheit der Nummer kaum entziehen, aber für Subtilität standen Mono ohnehin nie. Ebenso wenig verbindet man Trübsal mit der Band, wie das abschließende "Farewell To Spring" beweist, das mit gleichbleibenden Drum-Klängen, hellen Gitarrenmotiven, süßlichen Klaviersounds und Chören, die sich beinahe zu überschlagen drohen, nur eine Richtung kennt, nämlich nach vorne.

Es gibt also keine Neuausrichtung bei den Japanern, eher klingt "Snowdrop" wie eine logische Weiterführung von Steve Albinis Erbe. Da heißt es wieder einmal: Klotzen statt kleckern. Dass die ein oder andere Passage zu dick aufgetragen daherkommt: Geschenkt! Fans dürften sich daran ohnehin nicht stören, und wenn man es zurückhaltender mag, kann man ja immer noch Mogwai auflegen.

Trackliste

  1. 1. Snowdrop
  2. 2. Winter Daphne
  3. 3. Gerbera
  4. 4. Statice
  5. 5. Hedera
  6. 6. Shion
  7. 7. Bells Of Ireland
  8. 8. Farewell To Spring

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