Zahlreiche US-Musiker zeigen sich solidarisch mit den Protesten in Minneapolis. Neil Young beschenkt Grönland und ruft zum Amazon-Boykott auf.
Minneapolis (dml) - Seitdem die 37-jährige, dreifache Mutter Renee Good am 7. Januar in Minneapolis, Minnesota von ICE-Agenten erschossen wurde, ist das Stadtbild von Protesten gegen die kontroverse US-Einwanderungsbehörde gezeichnet. Diese spitzten sich seit letztem Samstag zu, als nun auch ein Demonstrant, der 37-jährige US-Amerikaner Alex Pretti, von Grenzkontrollbeamten niedergeschossen wurde. Im Zuge der eskalierenden Demonstationen sprachen sich nun verschiedenste Gesichter aus der Musikwelt gegen die Gewaltakte der Regierung aus.
Kompromittierende Videos und Tipps für Bürger*innen
Eine der lautesten Stimmen ist dabei Pop-Weltstar Billie Eilish. Kürzlich hatte sie bei der Verleihung eines Preises für ihren Einsatz für Klimagerechtigkeit nicht nur gegen die mangelnde Initiative der US-Regierung in Sachen Klimakrise und Grundversorgung der Bevölkerung gewettert. Sie nutzte ihre Dankesrede auch, um das gewaltsame Vorgehen der ICE anzuprangern. Zudem habe sie auch andere Menschen mit Reichweite dazu aufgerufen, ihre Bühne zu nutzen, um sich gegen die Regierung Donald Trumps auszusprechen. In Instagram-Stories repostete sie zahlreiche Vorfälle aus Minneapolis, etwa Videos, in denen zu sehen ist, wie ICE-Beamte eine schwangere Frau gewaltsam festhalten oder wie eine Frau vor den Augen ihres 16-jährigen Sohnes vor ihrem Auto zu Boden geworfen wird.
Auch Katy Perry meldete sich nach den jüngsten Vorfällen zu Wort. Sie postete einen Musterbrief, mithilfe dessen sich Fans und Bürger*innen bei ihren Senatoren melden können, um sie davon zu überzeugen, sich gegen weitere zehn Milliarden Dollar an Investitionen der Regierung auszusprechen, die der ICE zugute kommen könnten. Ähnlich äußerte sich Janelle Monáe, die ihren Followern Anweisungen gab, wie sie ihre Abgeordneten kontaktieren und sie auffordern können, die Finanzierung der Einwanderungsbehörde ICE einzustellen.
Ariana Grande teilte einen Tweet des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani: "Während Zehntausende in ganz Amerika gegen die Gewalt protestieren, die ICE ungestraft ausübt, haben Bundesbeamte heute in Minneapolis eine weitere Person erschossen. ICE terrorisiert unsere Städte. ICE bringt uns alle in Gefahr. Schafft ICE ab!" Die Kalifornierin Olivia Rodrigo, die bereits letzten Sommer lautstark Kritik am Vorgehen der Behörde übte, bekräftigte: "Das Verhalten von ICE ist unverantwortlich, aber wir sind nicht machtlos. Unsere Handlungen zählen. Ich stehe an der Seite von Minnesota." Gracie Abrams repostete Videos von Aktivistinnen, die über Möglichkeiten sicherer Protestausübung Auskunft gaben.
Macklemore teilte in seiner Story einen Threads-Beitrag mit den Worten: "Um es klarzustellen: Wir 'protestieren' hier in Minneapolis nicht. Wir leisten Widerstand gegen eine Besetzung." Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee adressierte den Präsidenten bzw. dessen MAGA-Anhängerschaft gleich direkt und in drastischer Sprache: "Ernsthaft, wie komplett bescheuert muss man sein, um in diesem Moment noch ein Trump-Supporter zu sein?"
Billie Eilishs Bruder Finneas zieht eine direkte Verbindung zwischen den tödlichen Schüssen in Minnneapolis zu den laxen US-Waffengesetzen und zahlreichen Amokläufen der Vergangenheit:
Derweil hat Neil Young angekündigt, seine komplette Musik von Amazon zu entfernen, um dessen milliardenschweren Besitzer Jeff Bezos, einen bekennenden Trump-Supporter, zu schwächen. Er könne die internationale Politik des Präsidenten und dessen ICE-Unterstützung nicht länger ignorieren, so der Kanadier auf seiner Homepage Neil Young Archives. Wer das ähnlich sehe, solle Amazon ebenfalls nicht mehr nutzen und auf "andere amerikanische Anbieter, die dieselben Produkte anbieten" umsteigen.
Zudem schenkt der 80-Jährige als Reaktion auf Trumps Übernahmepläne von Grönland allen Bewohnern der Insel ein Jahr freien Zugang zu all seiner Musik auf der Archives-Seite: "Ich hoffe, meine Musik und meine Filme lindern einen Teil der unberechtigten Bedrohungen, die ihr durch unsere unpopuläre und hoffentlich nur vorübergehende Regierung erleiden musstet. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass ihr meine gesamte Musik in eurem wunderschönen Zuhause in Grönland in höchster Qualität genießen könnt. Dies ist ein Angebot des Friedens und der Liebe. Alle Musikstücke, die ich in den letzten 62 Jahren geschaffen habe, stehen euch zur Verfügung", schreibt Young. Das umfangreiche Angebot umfasst neben Albumtracks auch Livekonzerte, Studio-Outtakes und Konzertfilme.
Bereits vorletzte Woche widmete Bruce Springsteen bei einem Konzert in New Jersey einen Song der getöteten Renee Good und richtete scharfe Worte an die ICE in Minneapolis.
Spannungen vor dem Super Bowl
Mit dem bevorstehenden Super Bowl häufen sich auch die Diskussionen rund um die Interpreten der Eröffnungszeremonie, der Punkband Green Day und dem Protagonisten des Abends, dem puerto-ricanischen Rapper Bad Bunny. Green Day-Frontmann Billie Joe Armstrong ist bekannt dafür, bei Auftritten Textzeilen bekannter Songs umzuändern, um gegen Trumps MAGA-Bewegung zu schießen. Bad Bunny übte schon vor Monaten Kritik an der ICE-Behörde und sagte in der Folge alle US-amerikanischen Konzerte seiner Welttournee ab.
Dass er nun trotz allem bei der Halftime-Show auftreten wird, scheint wohl ein Grund zu sein, warum der US-Präsident beim diesjährigen Football-Megaevent nicht persönlich erscheinen möchte. Er halte die Wahl der Künstler für falsch und finde sie "furchtbar", sagte Trump der New York Post. Die Entscheidung der NFL würde "nur Hass" schüren.


































































































































































































3 Kommentare mit 10 Antworten
Falls mal jemand fragt: "Was bringt eigentlich demonstrieren?", dann wären die USA momentan ein gutes Beispiel. Ohne die Leute, die dort lautstark protestiert hätten, wäre vermutlich ein Mord unter den Teppich gekehrt worden.
Natürlich erwischt es mit Bovino jetzt nur einen Lakaien, aber es ist ein wichtiges Signal, dass die Regierung eben nicht mit allem durchkommt. Irgendwo muss es ja mal anfangen.
Für die Promis, die sich jetzt äußern: Respekt und gut gemacht, obwohl es mir persönlich zu wenig und zu spät ist. Schlussendlich waren die einfachen Leute entscheidend.
"Erwischt" hat es ihn, sollte er jetzt wirklich nur auf seinen alten Posten zurückgehen und normal in die Rente verabschiedet werden, nun nicht wirklich, aber was gebracht hat es definitv.
Netter Versuch Bernd, aber selbst das Zehnfache an Demos würde Diktator Trump nicht tangieren. Ihm steht das Wasser nicht zum Hals, er rudert nicht zurück, er knickt nicht ein, oder was Medien sonst so gerne nahelegen.
Ich bin da etwas optimistischer. Klar sitzt Trump noch fest im Sattel, aber der Mord an Alex Pretti hat schon einige zum nachdenken gebracht, auch unter seinen Wählern. Den harten Kern seiner Anhänger kann natürlich nichts erschüttern, aber die, die Trump nur tolerieren, weil er 1-2 Sachen macht, die sie gut finden, fangen schon an sich zu fragen, ob es das alles wert ist.
Ich meine, wenn selbst die NRA eine Untersuchung fordert und sich in der Sache gegen die Regierung stellt, dann haben die schon ziemlich verkackt.
Wenn selbst komplett gehirnamputierte Lakaien und Multiplikatoren wie Asmonfold olympiareife Leistungen im Rudern vollbringen, kann man schon sagen, dass es einen Momentum Shift gibt...dazu kann man ja aktuell wirklich hoffe, dass das BIG BEAUTIFUL OBITUARY bald kommt.
Ich finde es auch gut, dass es noch Menschen in den USA gibt, die gegen ICE und ihre Morde auf die Straße gehen, es würde mich allerdings nicht wundern, wenn sie unter der amerikanischen Bevölkerung eine Minderheit darstellen. Die Regierung Trump sitzt - so scheint es mir - leider fest im Sattel. Studien oder Umfragen habe ich nicht in petto. Nur Bauchgefühl.
Man sollte bedenken, dass knapp die Hälfte der amerikanischen Wähler Trump nunmal nicht gewählt hat. Trumps Umfragewerte sind inzwischen auch ziemlich im Keller, da Wechselwähler mit einem Minimum an Resthirn inzwischen vermutlich merken, dass es wohl keine gute Idee war, für Agent Orange zu stimmen.
Was vor diesem Hintergrund frustrierend ist, ist dass die Demokraten noch viel zu brav, und wie das Kanninchen vor der Schlange in Schockstarre verfallen sind. Man kann nur hoffen, dass man dort jetzt langsam aufwacht, und es noch nicht zu spät ist.
Ja, definitiv. Vlt. taugt ja der Governor von Kalifornien, Gavin Newsom etwas. Zumindest teilt er verbal gegen Trump aus. Das Problem der Demokraten scheint aber auch zu sein, dass sie abseits der großen Metropolen in ländlichen Gebieten regelmäßig abschmieren. Die rechten Netzwerke sind gerade dort sehr prominent und die Gestalten bei ICE würden ohne mit der Wimper zu zucken, Commander in Gilead (Handmaid's Tale) werden. Gleiches gilt für JD Vance, dem Posterboy der erzkonservativen Rechten. Würg...
Naja, die ICE-Fußtruppen wären maximal Wächter, sprich die Männer für's Grobe. Vance wäre natürlich Commander.
Das Problem ist vor allem, dass viele Amerikaner in den Vorgängen eine gute oder wenigstens notwendige Sache sehen. Selbst wenn es sie wenig bis gar nicht tangiert – der Drang zum Leben unter seinesgleichen ist so alt wie die Menschheit selbst und die Out-Group tot zu machen des Menschen zweitältestes Hobby.
"Vlt. taugt ja der Governor von Kalifornien, Gavin Newsom etwas"
Nein. Der biedert sich zur Zeit vor allem in Podcasts an Alt-Right-Figuren an.
Hatte sich Neil Young nicht auch schon mal von Spotify zurückgezogen, aus Protest gegen irgendwas? Hat mich damals dazu gebracht, mir Mirrorball nochmal auf CD zu kaufen...
N halbes Jahr später war Neil aber wieder online...