laut.de-Kritik
Schockgefrosteter Electropunk für schummrige Clubs.
Review von Kerstin Kratochwill"It rains even harder now." Diese prägnante Zeile aus "Our Darkness" von Anne Clark kommt beim Spoken-Word-Opener "Rain" in den Sinn, der sich zwischen Minimal Electro und Ambient-Fluss über einen ergießt, der Auftakt zum zweiten Albums des Londoner Trios PVA. "No More Like This" ist so etwas wie der dunklere, geheimnisvollere Zwilling des pulsierenden Debüts "Blush", das den Dancefloor mit Acid-Dance, Synthbangern und Trip-Hop erzittern ließ – irgendwo zwischen Chicks On Speed, The Knife, Boy Harsher, Miss Kittin, LCD Soundsystem, Tricky und Portishead.
Der Nachfolger, produziert von Kwake Bass (Tirzah, Sampha oder Kae Tempest), ist nun experimenteller und verwinkelter angelegt, ein Kaleidoskop aus Klängen überflutet die Hörerinnen und Hörer, die mal mit glitchy Pop-Vibes, lässigem R'n'B, Dub, zerklüfteten Percussions, verzerrten Samples oder dreckigen Electroclash-Anleihen aus einer dunklen Ecke im Club auf die schummrige, von Stroboblitzen erhellte Tanzfläche gelockt werden.
Wie schon auf "Blush" ist PVAs Sound wieder körperlich und kompromisslos, Musik als Katharsis und Exorzismus, Tracks als ein Wechselspiel zwischen Kühle und Obsession. Der schleppende und sphärische Gesang wirkt dabei wie ein Schmiermittel, das Verletzlichkeit und Abwehr verbindet, die Vocals fungieren als ein weiteres Instrument im strukturiert atmosphärischen Gefüge.
Das Grammy-nominierte Südlondoner Trio, bestehend aus Ella Harris und Josh Baxter (die sich Leadgesang sowie Synthesizer-, Gitarren- und Produktionsarbeit teilen) sowie Schlagzeuger und Perkussionist Louis Satchell, schrieb seine ersten Songs hauptsächlich im Lockdown, ein Leben im Spannungsfeld zwischen Klaustrophobie und Energie. Im Post-Covid-Zeitalter wirken PVAs Songs nun noch mehr wie ein schockgefrosteter Post-Punk, der Intimität und Entfremdung wie kein zweiter durchspielt: "It rains even harder now."


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