laut.de-Kritik
Emotionale Kontraste, vereint in stimmiger Balance.
Review von Toni HennigDie Veröffentlichung des letzten Poppy Ackroyd-Albums "Pause" liegt schon fünf Jahre zurück. Seitdem gab es einige tiefgreifende Umbrüche und persönliche Veränderungen bei der Musikerin, etwa Verlusterfahrungen, aber auch ein Umzug aufs Land, so dass ihr Studio mittlerweile an einem Wald mit uraltem Baumbestand angrenzt. "Liminal", das nun erscheint, spiegelt musikalisch diese Phase wider.
Dabei baut der Opener "In The Mist" mit behutsamen, melancholischen Klavierschlägen eine herbstliche, verregnete Stimmung auf. "Shimmer" vermittelt zu Beginn dagegen mit kreisenden Pianosounds und perkussiven Elementen etwas Lebensbejahendes. In der zweiten Hälfte gesellen sich noch Violinenklänge dazu, die man auf dem Vorgänger vergeblich gesucht hatte. Das Zusammenspiel von Tasten und Streichern verleiht dem Album auch eine besondere Eigendynamik, wie "Continuum" beweist, das wieder nachdenklicher gerät.
Die weiteren Stücke bewegen sich zwischen Glück und Trauer, Harmonie und Disharmonie, verfallen aber nie in purem Schönklang. Etwas Chaos wollte sich Poppy Ackroyd bewahren, die ein Teil des Rohmaterials unverändert beließ bei gleichzeitigem Blick auf stimmige Details. "For Those Who Wait" beginnt mit ruhigen, spärlichen Tönen, schraubt sich jedoch nach und nach in immer luftigere Höhen, ohne dass es zu sehr nach Blockbuster klingt. Eher eignet sich die Musik, ähnlich wie bei Hania Rani, für anspruchsvolle Arthaus-Produktionen.
In "The Unknown" besitzt das Zusammenspiel von Piano und Violine etwas geradezu Kunstvolles, während in "Drift" die Streicherklänge der dramatischen Klaviermelodie etwas Warmes und Zuversichtliches entgegensetzen. "Weightless" lebt von einer gewissen Schwerelosigkeit. Dabei kommen die virtuosen Fähigkeiten der Britin an den Tasten nicht zu kurz. "Between Two Worlds" durchziehen verträumte Pianoharmonien, über die sich herrlich dunkle, sentimentale Streicher legen, so dass sich der Track als Highlight der Platte erweist.
Jedenfalls vereint Poppy Ackroyd unterschiedliche Gefühle und Stimmungen, ohne dass der Fluss des Albums auch nur ansatzweise aus der Balance gerät. Dass man wieder Violinentöne zu hören bekommt, stellt gegenüber dem minimalistisch geprägten Vorgänger eine willkommene Abwechslung dar. Zudem hat die Musikerin die Scheibe selbst produziert und abgemischt, während das Mastering von Matouš Godík für bestmögliche Klangqualität sorgt. Wer die Musik der Britin bisher mochte, dürfte nicht viel an der Platte zu meckern haben.


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