laut.de-Kritik

Auch in der Großstadt bleibt die Sehnsucht.

Review von

Provinz legen fast drei Jahre nach "Zorn & Liebe" ihr drittes Album vor. "Pazifik" umfasst zwölf Songs und verspricht, musikalisch vielschichtiger zu sein. Die symbolischen Titel "Indigo", "Pazifik" oder "Alaska (Robin Skit)" deuten bereits auf eine melancholische, sentimentale Grundstimmung hin: Es geht um den Aufbruch in die und ums Klarkommen in der Großstadt, die Sehnsucht nach vergangenen Tagen und Lieben, die Jugend und um diese fordernden Zeiten.

Die Albumpause füllten die vier Jungs mit Features mit Ennio oder Nina Chuba, dem EM-Song "Glaubst Du" und Auftritten auf den größten Festivals des Landes. Bei all den Erfolgen lag es auf der Hand, die geliebte schwäbischen Heimat doch einmal zu verlassen, um näher am Label zu sein. Dabei hatten sie einst geschworen: "Ich will nicht in die Großstadt / Ich hab' Angst mich zu verlier'n / Wir sind die gleichen Jungs von damals / Lieber bleib' ich ewig hier" ("Großstadt").

Der Opener "Kein Tag Ohne Dich" (feat. Paul) greift von einem Saxophon begleitet diese zarte Aufbruchsstimmung feierlich auf. Nicht nur ein anderer Ort, sondern ein "Pazifik" liegt zwischen zwei Menschen, was Vincent in der Fokussingle, dem dramatisch inszenierten gleichnamigen Song zum Album besingt: "Ich dachte du und ich wir sind für immer / Doch jetzt liegt da ein Pazifik zwischen uns."

Anfang 2021 erschien ihr Protestsong "Hymne Gegen Euch": "Aus stummem Protest wird eine Horde / Das sind mehr als nur Worte / Das ist kein Lied für uns / Das ist 'ne Hymne gegen euch". Vier Jahre später kommt der Nachfolger, das wütende und eindringliche "Hallelujah". Auf Wut folgt Ohnmacht: "Draußen ist Krieg / Du schließt die Augen, bis du gar nichts mehr siehst / Träumst du vom Paradies / Wenn der Hass seine Grenze verschiebt?" Ihr gemeinsamer Song "Draußen Ist Krieg" mit $OHO BANI handelt vom Bedürfnis, sich den Katastrophen dieser Tage zu entziehen. Auch hier fällt wieder die gelungene Instrumentierung auf, die aufgeregte Melodie mit Synthies erinnert an die einer Newssendung.

Den vorab erschienenen "Walzer", ein Liebeslied im Dreivierteltakt mit sanften Streichern und dem allgegenwärtigen Piano, spielten sie bereits seit einiger Zeit bei ihren Shows. Gleiches gilt für "Fernweh", bei dem die eingängige Hook "Lauf, Forest, lauf" hängenbleibt. Das Highlight des Albums ist aber "Bringst Du Mich Nachhaus (Demo)", das ohne die große Aufregung in Text und Melodie und mit einem dumpfen Bass glänzt.

Der harmonische Wechsel zwischen leichtfüßigen Melodien, zurückgenommenen Instrumentals hin zu dramatisch inszenierten Collagen mit Streichern gelingt Provinz besonders in der ersten Albumhälfte. "Weißer Mercedes" und "1000 Nächte" etwa, scheinen textlich emotional, musikalisch jedoch langweilig. Der "Sommer Macht Melancholisch" weckt Erinnerungen an vergangene Sommer, macht aber vor allem Bock auf den nächsten.

Nachdem Keyboarder Robin bereits beim Vorgängeralbum seinen "Robin Skit" bekam, folgt jetzt der Nachschlag mit "Alaska (Robin Skit)", bevor die Sehnsucht mit "Indigo" endet. Es ist Provinz gemeinsam mit ihrem Haus- und Hofproduzenten Tim Tautorat und Fayzen wieder gelungen, tolle Melodien zu erschaffen. Die Themen schreien nicht nach Veränderung, sie sind eben doch noch "die gleichen Jungs von damals".

Trackliste

  1. 1. Kein Tag Ohne Dich (feat. Paul)
  2. 2. Pazifik
  3. 3. Bringst Du Mich Nachhaus (Demo)
  4. 4. Draußen Ist Krieg (feat. $OHO BANI)
  5. 5. Walzer
  6. 6. Fernweh
  7. 7. Weißer Mercedes
  8. 8. Hallelujah
  9. 9. 1000 Nächte
  10. 10. Sommer Macht Melancholisch
  11. 11. Alaska (Robin Skit)
  12. 12. Indigo

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