laut.de-Kritik
Neo-Soul und Lo-Fi-Indie, der schnurrt wie eine faule Katze.
Review von Kerstin KratochwillSteve Thomas Lacy-Moya wurde als Gitarrist der Alternative-R'n'B-Band The Internet bekannt sowie durch seine Kollaborationen mit dem Hip Hop-Kollektiv Odd Future. Solo veröffentlicht er als Steve Lacy sein nun mittlerweile drittes Solo-Album "Oh Yeah?".
Der Multi-Instrumentalist und Singer-Songwriter sowie Produzent (unter anderem für Denzel Curry, J. Cole oder Kendrick Lamar) hat "Oh Yeah?" in fluffige, betrunkene, berauschende wie entrückte Soundwelten gebettet. Die Songs zwischen Neo-Soul, R'n'B, Indie-Folk und Bedroom-Pop erzählen von Liebe, Verlust und queerer Identität.
Manchmal maunzen die Gitarren dabei wie faule Katzen oder sind staubtrocken wie in einem Lo-Fi-Song. Dekonstruktion und Emotion liegen bei Steve Lacy nah beieinander, genauso wie üppige Arrangements und karge Soundstrukturen sowie Rohheit und Vulnerabilität in den Lyrics. Explizites und Introspektives prallen beispielsweise so im Hip Hop-lastigen neunminütigen "Nice Shoes (In Your World" aufeinander, in dem er singt: "My dick is getting hard again at the thought of you and me holding hands (...) make it, make it stop, make it stop, make it stop", bevor der Song in einer verspielten jazzigen Melodie und Spoken Words quasi ausfadet.
Und während der Opener "Oh Yeah?" noch unentschlossen mit Synthgezirpe vor sich hin wabert, wird es im folgenden Track "Is It Cool?" durchaus lässig zwischen butterweichen R'n'B und psychedelischen Soundbett. Als Gastsängerin setzt SZA coole Akzente, während Cecile Believe "Lovesexdrugbomb" einen trotzigen Unterton verleiht. Im schmeichelnd hypnotischen "Pure Colour" gibt sich Erykah Badu die Ehre. Mit dem Outro "Bebe" schließt sich dann allerdings wieder der seltsam schwankende Kreis vom Anfang des Albums.
Aber zwischendrin, da ist es warm und weich und voller eigenwilliger Tracks, die zuweilen klingen als hätten die Flaming Lips mit Prince gejammt, Thundercat mit Mac Miller oder Pharrell Williams mit Beck. Ein Album, das auf den ersten Blick schüchtern fragt, oh yeah? und bei dem man am Ende durchaus schnurrt: oh yeah!


3 Kommentare
Langweilig
Kurzweilig
Habs eilig, aber ganz nett