laut.de-Kritik
Schmettern, schunkeln und Stakkato-Party.
Review von Philipp KauseThe Busters sind aus der Zeit gefallen und können bei Reggae-Festivals nur noch schwer eine junge Meute anziehen. Heutzutage zählen ein DJ, ein Laptop mit Loops aus der Plug-In-Library und Tänzer:innen mehr als die rhythmische Versatilität der deutschen Punk-Ska-Veteranen an ihren Blasinstrumenten, Tasten, Drum-Sticks und Saiten. "Calling", dessen Titelstück von einem dreckigen Gitarren-Riff lebt, dekliniert mit neuem Repertoire die Kernkompetenzen der Wieslocher durch.
Dabei gab es zuvor einige personelle Änderungen. Die ehemalige Elfer-Crew, aktuell zu neunt, hat einen neuen Saxophonisten und bereits seit "Love Bombs" (2022) einen neuen Schlagzeuger: Michl Fischer ersetzt die Doppel-Taktgeber Stefan Breuer (zu Corona ausgestiegen) und Jesse Günther (2020 verstorben) alleine. Auch das Doppel in Sachen Gesang mit Dr. Ring-Ding gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.
Der Abwechslung tut das keinen Abbruch. "The freak show's about to begin / time to get in!" fetzt das 90er-inspirierte Skater-Rock-Brett "Freak Show" los und zählt etwa einen geisteskranken Billionär auf - wer das wohl sein mag? Laune machende Tempo-Tunes wie das wabbelige "Dancing In America" oder lauschiger Midtempo-One Drop- und Rockers-Rhythmus ergänzen das Bild. "Your Name" und "Echoes" beziehen sich stärker auf jamaikanische Roots und überlassen Markus Schramhauser an der E-Orgel mehr gestalterische Dominanz, er setzt hier die entscheidenden Akzente.
Bei "Dancing In America" kommt im Text die 'Rudeboy'-Culture hervor und schlägt ebenfalls die Brücke in die Ska-Geschichte. Der Collegepop-Track pflegt, wie so manches auf dieser Platte, einen eher geringen intellektuellen Anspruch. Floskeln wie "Everything's possible!" oder "birds and bees and monkeys and trees" bereichern die Story über ausgelassenes Feiern und gebrochene Herzen nicht gerade. Der Text wirkt ins Deutsche übersetzt schnöde: "Let's spend the night together! / We're gonna dance forever (...) And then she says to him shut your mouth / It's complicated." Musikalisch baut sich die lyrische Ladehemmung dafür recht dynamisch auf – den Blechbläsern sei Dank.
In ähnlicher Pennäler-Manier ruft das lärmend euphorische "One More Time" dazu auf, wieder Kind zu sein und darüber nicht nachzudenken. Die Anarcho-Nummer mit Gitarre als Hauptinstrument handelt gleichzeitig von der Suche nach den berühmten guten, alten Zeiten.
Mit viel Gespür für eingängige Melodien gelingen den Baden-Württembergern aber auch souveränere Mitsing-Hooks, beispielsweise das druckvolle "Detox Baby" mit rasendem Hi-Hat-Ticken oder das mit deutlich mehr Rock-Drive ausgestattete "Champagne". "Your Name" liefert einen Schmetter-Refrain: "I will sing your name / through the pouring rain / through the highs and lows". Auch der schunkelnde Lovers-Rock-Ska "Bon Voyage" verspricht eine schöne Zeit. The Busters wollen schlichtweg Spaß verbreiten, zum Tanzen bringen und mit einer fetten Portion Spielfreude ihrem Ruf als eingefleischte Live-Band gerecht werden.
Auf CD ist das allerdings meist nur die halbe Miete. Trotzdem bleiben zwei richtige Knaller stehen. Das zappelnde "Danger Paradise" mit Latin-Ska-Breaks und einem in Chicano-Funkrock getränkten Texmex-Instrumentalteil besitzt zwar flache Lyrics, dafür aber einen unwiderstehlichen Groove. Besonders stechen die Fanfaren-Bläsersätze heraus, die auf dieser Platte oft als strukturierendes Element fungieren. "Good Friends To Go" entwickelt sich ebenfalls zum Ohrwurm und macht den Party-Soundtrack komplett.


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