laut.de-Kritik

Die egalste Form von Hardrock.

Review von

Um ehrlich zu sein: Überraschungen waren noch nie das große Versprechen von Tyketto. Doch selbst im gemütlichen Biotop aus Pathos und Refrain-Schunkelei kann man sich zumindest ein bisschen Mühe geben, nicht komplett in der eigenen Vergangenheit zu verharren.

Mit ihrem sechsten Studioalbum bedienen die New Yorker zuverlässig die Glam-Schmalz-Feel-Good-Hardrock-Fraktion. Whitesnake-Ultras dürften bei "Closer To The Sun" gierig die Ohren spitzen – und stehen damit wahrscheinlich ziemlich allein da. Schon die Hyperbel "Higher Than High" macht klar, wie überladen das Ganze geraten ist: Bluesriff, ein pflichtschuldiges "hey hey hey" von Danny Vaughn – fertig ist die egalste Form von Stadionrock: "Higher Than High" geht als eine der unerquicklichsten Rockformeln durch, die man seit geraumer Zeit serviert bekommen hat.

Auch "Starts With A Feeling" knüpft nahtlos an. Alles klingt, als würde man im Kino ein mittelschlechtes Drama sehen, hätte gerade das unausweichliche Happy End endlich überstanden und genau in diesem Moment setzt dieser Song im Abspann ein, während man eigentlich nur noch aufstehen und raus will. Genau diesen musikalischen wie lyrischen Anspruch bringen Tyketto auf den Punkt: gefällig, geschniegelt, folgenlos.

"Bad For Good" macht es nicht besser. Vaughn liefert am Mikro routiniert ab, keine Frage. Aber was schon 1991 auf "Don't Come Easy" leicht überbewertet war, wirkt 2026 endgültig museal. Mal schimmert Bon Jovi durch, mal Extreme, mal Scorpions. Letzteren gegenüber hat Tyketto immerhin den Vorteil, dass man seine Songs noch nicht tausendfach im Radio ertragen musste.

In "We Rise" wird dann alles zusammengekleistert: ein bisschen Softrock-Vergangenheit hier, ein bisschen 'jetzt aber heavier' dort. Ist zwar ernst gemeint, wird aber dank der glattgebügelten Produktion sofort entkernt. Und spätestens im Schunkel-Refrain verdampft jede Restemotion.

Der Titeltrack will dem Promotext zufolge "über das wahre Leben, über Liebe, Verlust und Vergnügen" sprechen. In der Praxis klingt das eher wie der neueste Schlager aus dem Rock-Regal. Mit "Harleys & Indians (Riders In The Sky)" wagt man sich an Roxette und ja, immerhin: Der Song fügt sich so bruchlos ein, dass man ihn fast für eine Eigenkomposition halten könnte. Leider bleibt auch hier das Original die deutlich bessere Wahl.

"Hit Me Where It Hurts" versucht sich an Aggression und scheitert krachend, selten klang 'Härte' so folgenlos. Bei "The Picture" rettet sich selbst der Promotext nur noch über Namedropping à la Aerosmith (hört lieber Aerosmith). "Far And Away" schunkelt sich akustisch in Richtung Belanglosigkeit, bevor "The Brave" immerhin diejenigen benennt, die bis hierhin durchgehalten haben, also eine eher exklusive Zielgruppe. Unterm Strich liefern Tyketto exakt das, was man erwartet. Aber das ist weniger ärgerlich als schlicht egal.

Trackliste

  1. 1. Higher Than High
  2. 2. Starts With A Feeling
  3. 3. Bad For Good
  4. 4. We Rise
  5. 5. Donnowhuddidis
  6. 6. Closer To The Sun
  7. 7. Harleys & Indians (Riders In The Sky)
  8. 8. Hit Me Where It Hurts
  9. 9. The Picture
  10. 10. Far And Away
  11. 11. The Brave

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