laut.de-Kritik

Zwischen Südafrika, Spears, Shirin und Soft-Porn.

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Für ihren größten Hit wurde Tyla 2024 mit Begeisterung, weltweiten Charterfolgen und einem Grammy überschüttet, ähnlich wie sich ihre tanzenden Fans zu "Water" auf TikTok das Wasser über den Rücken kippten. Auch die Debütplatte "Tyla" im selben Jahr kam gut an. Naheliegend war vor dem Nachfolger "A*POP" also die Frage, die sich so oft stellt, wenn neue Popsternchen am Himmel aufgehen: nur eine kurze Sternschnuppe oder ein echter neuer Star?

Bereits der Auftakttrack von "A*POP" lässt vermuten, womit wir es hier zu tun haben. "Is It Love" klingt extrem hochwertig produziert, Tyla setzt ihre tolle Stimme abgeklärt in Szene. Der Song ist simpel, aber hat Ohrwurmfaktor. Fazit: Nicht aufregend, aber professioneller Pop – hier weiß jemand ganz genau, was er tut. Inhaltlich lässt der Materialismus, den man schon aus früheren Tyla-Werken kennt, nicht lange auf sich warten. "Who's that girl? I'm 'bout to make a purchase/ I'm talkin' diamonds, watches, purses", singt sie auf "That Girl", das ansonsten aber ordentlich groovig um die Ecke kommt.

Es folgt der beste Song des Albums, "Kiss", getragen von der perfekten Balance aus ruhigen atmosphärischen Sections und dem Refrain, der richtig anzieht. Textlich wirkt der Track wie die kleine unschuldige Schwester zu "Water", im Gesamtpaket hat er mindestens genauso viel Hit-Potenzial.

Schade, dass es nach dem starken Start steil bergab geht. "Is It" und "Fairytale", eine Neuinterpretation des 2010er-Hits des südafrikanischen House-Duos Liquideep, sind gähnend langweilig. "Double Blind" und "Right Now" haben außer coolen Percussions ebenfalls nicht viel zu bieten, die immergleichen, angesexten Lyrics klingen irgendwann nur noch cringe: "Hit me with that boom, make me ooh, ooh, yeah/ Hit me with your notes, make me sing, yeah, yeah/ Come on, let our bodies do the talking/ Use your hands, call it sign language" ("Feel Something").

Hat man gerade ein bisschen das Interesse verloren, horcht man umso überraschter auf, als der Refrain von "Mr. Nonchalant" kommt, in dem Tyla nach einer Mischung aus Britney Spears und Shirin David klingt. Allgemein mischt die 22-Jährige auf "A*POP" clever traditionelle Sounds, modernen Amapiano, R'n'B und Pop und vereint musikalische Welten, die offensichtlich zusammenpassen. So ist man gar nicht allzu verblüfft, wenn in "She Did It Again" plötzlich Schwedens Pop-Star der Stunde, Zara Larsson, auf einen Afro-Beat rappt – und es passt. Hit!

Auf den viralsten Tyla-Track der letzten Monate, "Chanel" mit PARTYNEXTDOOR, folgen noch zwei spannende Kollaborationen mit den südafrikanischen Nachwuchsartists MaWhoo ("Crazy Of Me") und Babalwa M ("I Don't Care"), die beide auf Zulu singen. Auf Ersterem wird es sogar inhaltlich mal ein bisschen anspruchsvoller: "Becoming this whole popstar and my life changing overnight and now I hardly see my family, my friends, like crazy of me to think that I had all the time in the world", erzählt Tyla dazu im Interview bei KIIS FM.

"Hot Tub" wirkt zum Abschluss völlig deplatziert, lenkt aber nicht weiter vom Gesamtfazit ab, das "A*POP" verdient: Mit ihrer zweiten Platte hat sich Tyla endgültig im ganz großen Musik-Business etabliert. Textlich wäre mehr drin gewesen und auch musikalisch fehlt es insgesamt an Wow-Faktor. Vor allem durch ihre sanfte Stimme, das nötige Gespür für Trends und die Top-Produktionen steht "A*POP" aber als sehr solide Sommer-Platte da.

Trackliste

  1. 1. Is It Love
  2. 2. That Girl
  3. 3. Kiss
  4. 4. Is It
  5. 5. Fairytale
  6. 6. Double Blind
  7. 7. Feel Something
  8. 8. Right Now
  9. 9. Mr. Nonchalant
  10. 10. She Did It Again
  11. 11. Chanel
  12. 12. Crazy Of Me
  13. 13. I Don't Care
  14. 14. Hot Tubs

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