laut.de-Kritik

Zwischen Lala-Lagerfeuer und opulentem Bombast.

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It's a hard knock life. Viele Metal-KritikerInnen langweilen bei der Kritik zum zweiten Orchester-Only-Album von Visions Of Atlantis mit hingerotzten "Pirates Of The Caribbean"-Vergleichen und sind dann froh, sich schnell wieder der neuen Prog Metal-Sensation aus Japan zu widmen. Der Vergleich hinkt jedoch wie Hector Barbossa und Davy Jones im Dreivierteltakt. Die symphonische Interpretation von "Pirates II" ist wesentlich ernster und pathetischer als der Soundtrack von Klaus Badelt und Hans Zimmer zu den Sperenzchen von Jack Sparrow.

Das Intro "To Those Who Choose To Fight" versprüht mit keltischer Flöte, gespielt von Sandro Friedrich, eher Braveheart-Vibes. Spannung baut sich schön in Ruhe auf, bald sticht das Schiff in See. "The Land Of The Free" markiert dann den nahtlosen Stapellauf, wogende Rhythmen suggerieren den Kampf der Piraten auf und mit den mörderischen Meeren. Ruhige und stürmische Parts wechseln sich ab wie das Wetter. Die erste Bewährungsprobe folgt in "Monsters". Die Hektik nimmt zu. Pauken, Chöre und allerlei Bombast vertonen die erste Schlacht. Die Gesangsharmonien übernimmt derweil Fabio Polo von Elvenking mit doch arg überstrapazierten Streicher-Arrangements. Da Sänger Michele Guaitoli Ruhepause hat, widmet sich dieser der Produktion und liefert wie gehabt eine sehr saubere Arbeit ab.

Schon in der Rezension des Originals hatte ich geschrieben: “...segeln auch auf ihrem zweiten Piraten-Album "Pirates II" auf Hollywood-Hochglanz über die sieben Weltmeere...”. Manches war mir damals aber zu flach. "Tonight I'm Alive" als poppiges 'LalaLagerfeuer am Strand'-Liedchen mit Cha-Cha-Rhythmus beweist das leidlich. Gerade dieser Track gewinnt aber in der rein instrumentalen Version an Tiefe. Orientalische Harmonien und Blasinstrumente funktionieren überraschend gut mit den Latin-Beats

Die Schwäche der reinen orchestralen Umsetzung wird eher bei Power Metal-Hits wie "Armada" deutlich. Bombast sprießt aus allen Poren, die Violine imitiert wieder die eingängige und wundervolle Gesangsmelodie, aber es fehlen Gitarren, Drums - und somit jeglicher Druck, den eine Flotte Kriegsschiffe nun mal ausübt.

Powerwolf hatten dieses Problem bei ihren orchestralen Versionen stets mit monströsen Chor-Arragements und Anleihen bei Wagner oder Beethoven gelöst. Visions Of Atlantis fahren aber stur dieselbe Schiene, die aber mit "The Dead Of The Sea" und der wiederkehrende Flöte, der Midtempo-Ballade "Ashes To The Sea" und dem kraftvollen "Hellfire" noch ein paar Reize hat.

Im letzten Drittel nehmen die Ermüdungserscheinungen aber endgültig überhand. Man schaut eben keinen Film. Alles verschwimmt zu einem Strom aus Sound und Geigen. Am Ende wird man dann doch hineingezogen in die Welt unter Wasser und wacht zum Schluss doch neben Hinkebein Davy Jones auf.

Trackliste

  1. 1. To Those Who Choose To Fight
  2. 2. Land Of The Free
  3. 3. Monsters
  4. 4. Tonight I'm Alive
  5. 5. Armada
  6. 6. The Dead Of The Sea
  7. 7. Ashes To The Sea
  8. 8. Hellfire
  9. 9. Collide
  10. 10. Magic Of The Night
  11. 11. Underwater
  12. 12. Where The Sky And Ocean Blend

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