laut.de-Kritik
Kraftvolles Schrammel-Kunstwerk aus den Südstaaten.
Review von Jasmin LützFrüher wurden E-Gitarren auf der Bühne zerschmettert, jetzt muss auch mal eine Akustikgitarre dran glauben. Auf dem Songwriter-Debüt von Zoh Amba (they/them) mutiert eine anfänglich ruhige Folk-Akustikgitarre auf dem Opener "OCD" zu einem kraftvollen Schrammel-Kunstwerk.
Amba ist in Tennessee aufgewachsen und vor allem in der Free Jazz-Szene aktiv. Mit dem Saxophon trat die Musiker:in schon beim Jazzfest in Berlin auf, ihre avantgardistische Platte "O, Sun" aus dem Jahre 2022 produzierte Multi-Instrumentalist John Zorn produziert. Es folgten weitere Jazz-Alben, doch auf "Eyes Full" steht klar die Gitarre und krachender Folk-Pop-Blues im Vordergrund.
Mit "Dead End Street" haut sie uns das erste eingängige Melodien-Brett um die Birne. Dynamische Empathie und melodischer Noise-Pop erschüttert das Gehör. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit bestimmen die Frequenz. Geschichten aus dem Kleinstadt-Klüngel der Südstaaten. Von Menschen, die gesehen werden sollen und über deren Konflikte zwischen Glauben und Hoffnung gesungen werden muss.
Die durchdringende Stimmlage mit charakteristischer Vibration führt zu innerer Unruhe, gehört aber samt steigender Intonation zur exzessiven Songstruktur dazu ("Southern Soil"). Der Titeltrack "Eyes Full" setzt sich sofort im Ohr fest und braust lautstark auf. Raue Klänge tauchen auf aus einer tiefen, emotionalen Gedankenwelt. Für das satte Rockgitarrenspiel der Platte ist Kevin Hyland zuständig und am Schlagzeug sitzt Jim White, der auch schon Cat Power und Bill Callahan regelmäßig musikalisch unterstützte.
Die ruhigen Melodien passen sich dem bluesigen Südstaaten-Sound gut an ("Weed Eating"). Zoh Amba möchte Menschen berühren und benutzt hierfür abwechslungsreiche Songstrukturen und zurückhaltende Töne ("Another Time"). Wenn die Stimme ihren Zenit oder auch mal die Belastungsgrenze der Hörer erreicht hat, mischen sich die Saiteninstrumente bis zur fidelen Ekstase mit ein ("Blueberry Thron").
An diese außergewöhnliche Stimmlage muss man sich gewöhnen. Zoh Ambas Gesang verändert oft die eigene Stimmungslage. Dennoch besitzen diese Songs eine fast schon trashige Anziehungskraft. Authentischer, rauer Country-Style verbunden mit poetischer Freiheit.


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