laut.de-Kritik

Expedition zum Nullpunkt.

Review von

Wer sich im Heavy-Psych Genre bewegt, läuft Gefahr sich zu wiederholen. Zu oft klingen die Alben mit den getragenen Passagen auf Gitarren und Synthies auf zehnminütigen Tracks irgendwie doch wie das davor, das wiederum schon klang wie das davor. Des belanglosen Gedudels waren Elder aus Massachusetts allerdings nie verdächtig. Zu spannend aber gleichzeitig gedankenverloren, zu hart aber gleichzeitig mit sanfter Verspieltheit orchestriert Mastermind Nick Di Salvo Doom, Prog und Psych zu einer unverkennbaren Mixtur.

Nachdem drei von vier Bandmitgliedern inzwischen in Berlin leben, treten die Kraut-Einflüssen konsequenterweise deutlicher zu Tage. Nachhilfe in Sachen Stromgitarre brauchten Nick DiSalvo und Mike Risberg sicher nicht, der Einfluss der Buddies von Kadavar sticht an manchen Stellen jedoch durchaus hörbar durch. Die Kombination aus beinhartem Stoner-Doom und verträumten Psych-Passagen hatte bereits auf dem Kollabo-Album "Eldovar – A Story Of Darkness & Light" und spätestens auf dem letzten Longplayer "Innate Passage" ein neues Level erreicht. Auf "Through Zero" setzen die Wahl-Berliner ihren proggy Space-Trip unbeirrt fort.

Bereits im Opener "Sigil To Ruin" kommt die grundlegende Herangehensweise des Elder-Songwriting zum Tragen. Statt ein Grundthema über zehn Minuten zu variieren und damit zur simplen Hintergrundbeschallung zu verkommen, setzt das Quartett auf Diversität und Stimmungswechsel. Bassist Jack Donovan und Drummer Georg Edert bauen solide Groove-Fundamente, DiSalvo und Risberg bauen mit Riffs und Harmonien faszinierende Klanginstallationen. Die bewusst gesetzten Kontrapunkte zwischen dröhnendem Doom und schwebenden Psych sorgen für mitreißende Momente, die auch über die bewusst gewählte lange Laufzeit der einzelnen Songs nie langweilig werden.

Die komplexen Gitarrenarrangements wie zum Beispiel auf "Through Zero" oder "Blighted Age" erinnern teils stark an Colour Haze und sorgen für Anspruch und die nötige Kante. Seine Stimme dagegen nutzt DiSalvo sparsam, sein Gesang fungiert eher als zusätzliches Instrument, das sich geschmeidig ins Soundbild einfügt denn als führendes Element.

Grandios eingesetzte Synthie-Elemente, die auf jedem Sci-Fi-Soundtrack ihren Platz finden könnten, runden "Through Zero" ab. Tracks wie "Capture/Release" oder "Strata" bilden damit eine höchst organische Symbiose aus traditionellem Gitarrenhandwerk und modernen Klängen. "Sight Unseen" macht mit seinem träumerischen Intro einen Ausflug zum Ambient, um sich über die Laufzeit des Songs zu einer euphorischen Prog-Hymne hochzuschrauben und in einem Heavy Psych Fest zu enden.

So finden Elder bei allen Ausflügen im musikalischen Kosmos immer wieder zu ihren harten Wurzeln zurück. "Through Zero" zeigt einmal mehr die Weiterentwicklung der kreativen Welten von Elder, ohne jemals ihren Ursprung aus den Augen zu verlieren.

Trackliste

  1. 1. Sigil To Ruin
  2. 2. Capture/Release
  3. 3. Through Zero
  4. 4. Strata
  5. 5. Sight Unseen
  6. 6. Blighted Age

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