laut.de-Kritik

Alternative-Rock mit starkem Sänger.

Review von

Sein Name fällt selten, und doch ist John Bush in jeder Sekunde seiner über 40-jährigen Karriere mindestens genauso gut wie dein männlicher Lieblingssänger. Auch 2026, sechs Jahre nach dem fulminanten "Punching The Sky", dominiert und kommandiert er am Mic Mannen und Metal-Fans gleichermaßen wie sonst nur Geoff Tate, Dio oder Bruce Dickinson. Trotzdem werden Armored Saint bis zum Totenbett ein Nischendasein fristen.

Warum das so ist? Nun, die Gründe offenbaren sich auch auf ihrem neunten Studioalbum immer wieder und wieder. Zu sperrig, zu unscharf und lyrisch zu beliebig führen Armored Saint durch ihre Songs. Gestartet im US-Metal, inspiriert von der reinen Hardrock-Lehre und gestrandet im Alternative-Genre sitzen Bush und Co. auf "Emotion Factory Reset" zwischen allen Stühlen.

Der Opener "Close To The Bone" bedient alle Klischees. Wie der Titel vermuten lässt, setzt der Uptempo-Rocker den Nacken in Bewegung. Bush klingt kraftvoll und aggressiv wie auf "Raising Fear", die höheren Lagen erreicht er weiterhin spielend. Der Track offenbart aber nichts Besonderes - und ist bereits der mit Abstand schnellste des Albums.

Anders "Every Man-Any Man". Die Songstruktur erinnert an Maidens rockigere Phase Anfang der 90er, der Pre-Chorus lässt die Herzen höher schlagen, die Band um Joey Vera groovt aus einem Guss, ab Minute 2:30 geht mit gedoppelten Gitarrenharmonien die Sonne auf und ab Minute 3:30 folgt noch mal ein astreines Thrash-Riff inklusive Solo. Muss das alles in einem Song stattfinden? Vielleicht nicht, aber es funktioniert. Wenn es zwischen den Stühlen so klingt, setze ich mich auch auf den Boden.

Leider driften Armored Saint danach zusehends in schwerfällige Alternative-Rock-Gefilde. "Not On Your Life" erinnert an seinen besten Stellen an Metallica zu "Load"- oder "Reload"-Zeiten. "Hit A Moonshot" befreit sich mit bluesigen Anleihen und einem hymnischen Refrain aus der Grunge-Umarmung, doch bereits auf dem folgenden "Buckeye" fühlt man Eddie Vedder und Pearl Jam durch die Tür treten. Natürlich ist es eine monströse Leistung von Bush, dass er auch diesen Soundwechsel mühelos umsetzt, doch der Flow der Scheibe gerät merklich ins Stocken - und kommt bei "Compromise" und "It's A Buzzkill" ganz zum Erliegen. Schwerfällig quälen sich alle Beteiligten durch die beiden Stampfer.

Armored Saint sind auf "Emotion Factory Reset" immer dann stark, wenn sie ihre Melodien und Harmonien finden und über ihr stabiles Fundament legen. So überzeugen “Throwing Caution To The Wind” und “Ladders And Slides” mit einem Maiden-Soundgarden-Hybrid und der federleicht gesungene Pre-Chorus auf “Bottom Feeder” holt das Strahlen zurück.

"Epilogue", ein Midtempo-Rocker wie zu Beginn, schließt den Kreis. Entweder waren die vergangenen sechs Jahre zwischen "Punching The Sky" und "Emotion Factory Reset" zu lang oder zu kurz für Armored Saint, um ihre Ideen zu verwirklichen. Die Zeit wird es zeigen - und Bush wird auch weiterhin nur der Lieblingssänger sein.

Trackliste

  1. 1. Close To The Bone
  2. 2. Every Man-any Man
  3. 3. Not On Your Life
  4. 4. Hit A Moonshot
  5. 5. Buckeye
  6. 6. Compromise
  7. 7. It’s A Buzzkill
  8. 8. Throwing Caution To The Wind
  9. 9. Ladders And Slides
  10. 10. Bottom Feeder
  11. 11. Epilogue

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Armored Saint

Auch wenn es beinahe wie aus einer schlechten Soap Opera klingt (gibt's eigentlich auch gute?), aber Sänger John Bush, Basser Joey Vera und Drummer Gonzalo …

Noch keine Kommentare