laut.de-Kritik
Gut frisierte Liebeserklärung ohne Mut zum Risiko.
Review von Johannes JimenoWas konnte der kleine Hawaiianer schon immer am besten? Richtig, seine Lovely Ladies anhimmeln und sie bezirzen. Vor zehn bzw. fünf Jahren noch in schillernden Funk der 70er und 80er Jahre gekleidet, greift er nun zum Alternative R'n'B-Hemd seiner Anfangstage, nur in anderen Farben. Wir bekommen Gott sei dank kein zweites kitschiges "Grenade" oder "Marry You", jedoch überzeugt dieser seichte Genremix genauso wenig.
"The Romantic" bedient sich diverser Musikrichtungen und rührt ein Süppchen zusammen, das solide schmeckt, obgleich fad im Abgang. Als ob sich die Zutaten negieren, obwohl sie per se durchaus funktionieren sollten. Vor allem in Anbetracht dessen, dass Mars sich so lange Zeit gelassen hat und dann als einzige Vorabsingle "I Just Might" ins Rennen schickt, was zwar fluffig, in letzter Konsequenz aber auch hemdsärmelig am Ohr vorbeirauscht.
"Risk It All" eröffnet indes wirklich charmant seinen vierten Longplayer. Eine Ballade mit emotionalem Vortrag, die Bachata, Latin Pop und Mariachi-Trompeten wunderbar verschmilzt. Wie der Titel suggeriert, würde er alles für seine Angebetete riskieren: zum Mond fliegen, jeden Berg erklimmen und durchs Feuer gehen. In "Cha Cha Cha" möchte er mit ihr selbstredend tanzen, interpoliert dabei "Slow Motion" von Juvenile und gleitet in einer Jazz-Latin-Fusion samt Bläser, Streicher sowie Congas Richtung Jamiroquai. Sehr hübsch!
Lyrisch sollte man fortan keine Großtaten erwarten: Im fröhlichen Boogie-Funk "On My Soul" verspricht er seiner Liebsten sogar, ihren Namen anzunehmen. In der klassischen Soul-Ballade "Why You Wanna Fight?" wechseln sich emotionale Strophen mit ruhigem Chorus ab und stellen die Frage "Why you wanna fight with me, baby? / Wouldn't you rather make love tonight?" - na sicher, wer will schon Probleme ausdiskutieren? Im jazzigen Doo-Wop "God Was Showing Off" vergleicht er spannungsarm eine Frau mit Engeln und im Outro mit Jesus? "I bet you can walk on water, can't you, girl? / And then you can turn that water into wine / 'Cause you've been touched by the light". Im Motown gekreuzten Soul-Jazz "Something Serious" übertreibt es Mars und droppt fragwürdige Zeilen: "Don't you want some pretty, brown Bruno babies? / I could give you that (Ooh, yeah)."
Wer den ganz alten Bruno herbeisehnt, sollte "Nothing Left" anhören, in dem er über eine zerbrochene Romanze lamentiert bei klassischem E-Gitarren-Solo. Der Schlussakt "Dance With Me" schwingt noch mal ordentlich die Pathos-Flagge und Bruno hofft inbrünstig, dass sie sich wieder ineinander verlieben, wenn sie nur noch einmal slowdancen. Dazu perlt kokett eine Motown-Gitarre.
"The Romantic" bleibt unterm Strich enttäuschend mittelmäßig. Man darf schon mehr erwarten von Bruno Mars, insbesondere nach seinen letzten Hit-Singles "Die With A Smile" mit Lady Gaga und "APT." mit Rosé von Blackpink. Bruno schmachtet beherzt, er versprüht Freude und Spaß, croont wie ein Herzensbrecher. Am Ende hilft das alles nichts, wenn es nach Schema F klingt. Eine gut frisierte Liebeserklärung, der jedoch das Risiko fehlt, wirklich etwas zu fühlen. Triviale Romantik für zwischendurch.


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