laut.de-Kritik
Bläst auch die letzten Power Metal-Locken weg.
Review von Stefan JohannesbergCourse Of Fate entdecken Black Sabbath. Das Riff des Openers und Titeltracks bläst einem die letzten Power Metal-Locken aus den Sackhaaren. So gnadenlos auf dem Punkt kannte man die Norweger um Ausnahmeshouter Eivind Gunnesens gar nicht. Ihr Prog Metal-Ansatz hatte immer etwas Verspieltes, Bombastisches, wie man es auch aus dem massentauglichen Metal oder von eher rockigeren Bands her kennt. Das Debüt "Mindweaver" von 2020 diggte stark in jenen Pink Floyd-Gefilden, während beim Nachfolger "Somnium" eher Symphony X oder Kamelot Pate standen.
Vielleicht hätte man die neue Härte (no Rammstein) ahnen können, als Gunnesens beim obligatorischen Intro ("Memories") bedeutungsschwanger Zeilen wie "Will you carry our heavy cross / The empty burden of your own loss" sprach. Das folgende tonnenschwere Riff wandelt sich jedoch bald in fast zärtliche Gesangsharmonien und symbolisiert auch musikalisch den Gegensatz zwischen Licht und Schatten, der sich lyrisch durch das gesamte dritte Album zieht ("We are echoes in the night / We are shadows in the light"). "Behind The Eclipse" wandert sicher zwischen Chören, treibenden Basslines sowie fast Priest-artigen Gitarrenmomenten und bildet schon früh den Höhepunkt.
Ebenfalls stark: "Acolyte" und "Don't Close Your Eyes". Auf dem hitverdächtigen Banger "Acolyte" erinnert Gunnesens an selige Queensrÿches "The Warning"-Zeiten. Auch Crimson Glory oder ganz frühe Dream Theater-Erinnerungen tauchen auf, ohne altbacken zu klingen. Auf "Don't Close Your Eyes" gehen Course Of Fate dagegen full Pain Of Salvation-Mode. Nur über sphärische Synthies, spärliche Bass- und Gitarrenlines webt Gunnesens ein warmes, wehmütiges Netz, um am Ende mit "All of these days I have waited for changes / Don't close your eyes" dem verstorbenen Ozzy Osbourne Tribut zu zollen. Wer kennt nicht die persönliche Killer-Ballade "Changes" ("Now all my days / Are filled with tears / Wish I could go back / And change these years / I'm going through changes") oder das wesentlich Hair Metal-tauglichere Duett mit Lita Ford ("Close My Eyes Forever").
Der Rest spielt auf hohem Niveau, ohne jedoch das gewisse Etwas aus den Tracks komplett herauszukitzeln. Stets sprühen Songs wie "Sky Is Falling" oder "Neverwhere" vor interessanten Ideen, ruhigere Parts weichen Chören, die wiederum von harten Breaks vertrieben werden. Bei ersterem meint man gar, Queen'sche "Who Wants To Live Forever" zu vernehmen, und auf "Neverwhere" channelt Gunnesens seinen inneren Rob Halford.
Das Album ist gut, der Gesang gar herausragend, doch trotz unzähliger Durchläufe bleibt etwas zu wenig hängen. Die Kollegen von Soen überzeugen mit starken Melodien, während Pain Of Salvation die besseren Lyrics haben. In einer Zeit, in der viele Bands ihre Instrumente beherrschen, fehlt Course Of Fate ein wenig das Alleinstellungsmerkmal, um einen echten Klassiker abzuliefern. Das Potenzial besitzen sie gleichwohl zweifellos.


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