laut.de-Kritik
Horror-Pop-Punk mit sanfter Hardcore-Schlagseite.
Review von Stefan JohannesbergNennen wir den Elefanten im Raum beim Namen: Melodiöser Horror-Punk aus den USA ist streng genommen weder Horror noch Punk, zumindest nicht aus unserer deutschen oder europäischen Sicht auf Genres und Subkulturen. Am ehesten ähneln die Stimmungen französischen Chansons oder britischem Indie-Pop. Wenn man sich von diesem selbst gewählten Kritiker-Nerdtum jedoch gelöst hat, kann man den wohlig-eingängigen Pop-Rock von Dark Ride auf "Blade Manor" in Ruhe auf Balkonien mit einem Alsterwasser genießen – am besten direkt nach "Pet Sematary". Am Ende interpretiert Sänger und Songwriter Emilio Menze den Ramones-Klassiker und Kleinstadt-Grusel von Stephen King nämlich bei jedem Song aufs Neue.
"Blade Manor" und "Coffin" beginnen gleich mit dem klassischen kalifornischen Drei-Akkorde-Geschrammel, Whoohoho-Refrain und getragener Stimme – unterlegt von eher zärtlichen statt unheimlichen Synthies. Auch "Rewind" vergräbt sich tief im Pop-Punk der dritten Epitaph-Generation. Die interessante Story über das unheimliche Herrenhaus ("Blade Manor") bleibt Beiwerk. Trotzdem gelingen Menze, der mit Stellar Corpses eine feste Größe in der Halloween-Punk-Szene ist, einige Hits. Auf "Rewind" wirken die Chöre etwas präsenter, das Songwriting zwingender als zuvor. "Electrocuted" sorgt zwischendurch mit Uptempo-Pogo und Gastauftritten von Argyle Goolsby und Dan Lamothe für etwas Abwechslung. Den schönsten Titel erfindet Menze mit "I Bury Boyfriends", der Pop-Punk schwebt hier gespenstisch Richtung Gothic-Rock. "I bury boyfriends, I bury husbands, I bury you all." Nice.
"Life At The End Of October" geht etwas härter zur Sache. Die Ohohos sind eher Shouts. Die Riffs schrubben metallischer. Nach dem instrumentellen Interlude "Seascape Samhain" legen "Fever Dream" und "Do Or Die" noch eine Schippe Geschwindigkeit drauf. Auch die kratzigeren Gesangsharmonien auf "Ruined" beweisen: Das ist nun wirklich klassischer ultramelodischer Hardcore-Punk, den Dag Nasty 1992 mit dem wunderbaren "Four On The Floor" bereits zur Vollendung brachten. Spannend ist das alles nicht, schlecht aber auch nicht. Prost.


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