laut.de-Kritik
Tiefgründige und unaufgeregte Töne, die Trost spenden.
Review von Toni HennigDiorama war einst, gefördert von Diary Of Dreams-Frontmann Adrian Hates, das Soloprojekt von Torben Wendt. Über die Jahre wuchs das Projekt jedoch zu einer Band. Felix Marc (Keyboard und Backing-Vocals), Zura Nakamura (Gitarre) und Markus Halter (Drums) greifen dem gebürtigen Reutlinger mittlerweile unter die Arme. Für "A Substitute For Light", das nun erscheint, hat sich die Formation fast sechs Jahre Zeit gelassen.
Thematisch greift die Scheibe das Motiv des Lichts auf - als Verheißung, Orientierung und Täuschung. Musikalisch zeigen sich Diorama so fokussiert wie lange nicht mehr. "Achievements" durchziehen zwar experimentelle Sounds. Jedoch findet der Track schnell zu einer gewissen Kontrolliertheit, zusammengehalten von Wendts milder, melancholischer Stimme, die vielleicht die größte Einstiegshürde bei dieser Band darstellt, schleicht sich doch der ein oder andere etwas unsauber gesungene Ton hin und wieder ein.
Diese Unaufgeregtheit zieht sich auch durch den weiteren Verlauf. Nichts drängt sich auf, nichts wirkt zu viel. Der warme, transparente Klang der Platte lädt dazu ein, sich in die atmosphärisch düstere Stimmung zu verlieren, am besten per Kopfhörer.
"Isolated" schlägt etwas zugänglichere, tanzbarere Töne bei gleichzeitiger Beibehaltung der Melancholie an. "No Complications" lebt eher von trippigen Midtempo-Klängen, was etwas an Wolfsheim um die Jahrtausendwende denken lässt. "Million Dollar Smile" nistet sich mit seiner einnehmenden Melodie schnell in die Gehörgänge ein, bleibt aber der einzige offensichtliche Ohrwurm, während die Formation in "Kunstblut" mehr die rauen EBM-Muskeln ausfährt und dabei ein paar minimalistische Zeilen auf Deutsch einstreut.
Hymnischer und eleganter gestaltet sich "Ruling My World", das um das Loslassen kreist. Das poppige "More Gold" lässt wohlige Erinnerungen an Depeche Mode aufkommen und bietet auch ein paar dezente Saitentöne. Von ihrer hypnotischeren Seite zeigen sich Diorama in "On A Journey".
Mehr auf die Tanzfläche schielt wieder "The Same Ghost". Etwas Klagendes und Brüchiges schwingt durch den Gesang aber dennoch mit. "Losing Your Coordinates" fordert mit seinen experimentellen Rhythmen heraus, hat aber mit seinen dramatischen Synthies und Vocals auch etwas Einlullendes. "Weird Physics" verbindet funkelnde Elektronik mit ein wenig Melodramatik und sorgt somit für einen ebenso geschmackssicheren wie stimmungsvollen Abschluss.
Jedenfalls braucht man keine all zu fröhlichen Klänge auf der Platte zu erwarten. Eher verspricht das Licht einen Funken Trost in der Dunkelheit und Trost spenden die tiefgründigen, zumeist sanften Töne auf der Scheibe in diesen unsicheren Zeiten allemal. Zwar bietet das Album im Vergleich zu den Vorgängern nur wenig hörbare Reibungspunkte. Aber dafür hat man zu jeder Zeit das Gefühl, dass Diorama genau wissen, was sie tun.


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