laut.de-Kritik

Ein perfekter Sturm der Clownbarkeit.

Review von

Er dachte einfach, er geht komplett Mac Miller auf uns. So einfach aus dem Nichts, mir nichts, dir nichts. Jack Harlow hat ein Neo-Soul-Album gemacht. Außerdem hat er sich in Podcasts gesetzt und verlautbaren lassen, er würde 'schwärzer werden', bekundet, dass er kein Interesse an weißen Frauen habe und sich angezogen wie eine Parodie auf Mos Def.

Stellt sich raus: Mac Miller werden ist schwerer als gedacht. Und das Paradoxe ist: "Monica" klingt nicht einmal komplett beschissen oder so. Es ist eine angenehme, im Hintergrund mehr als passable Kollektion an geschmackvoll instrumentierten Hornyjams mit Lo-Fi-Ästhetik. Und trotz allen Wohlwollens, dass dieses Album mit objektivem Blick nicht wie eine Vollkatastrophe klingt, wird es doch als massiver Fehlschlag in die Bücher eingehen.

Um das zu verstehen, ein kleiner Blick in die Geschichte von Jack Harlow. Dieser Mann schrieb nämlich unlängst Hits. In Sachen Streaming-Präsenz und Billboard-Erfolg ist er wahrscheinlich der größten Durchstarter seiner Generation gewesen. Das Problem daran war nur, dass seine größten Hits oft die fluffigsten und anbiederndsten Pop-Famesample-Tracks waren, die zwar schnell jenseits der Rap-Bubble in Kurzvideoformaten rumgereicht wurden. Aber Respekt hat er sich damit nicht gekauft. Seine Alben kamen und gingen, einen richtigen MC hat in Jack niemand gesehen. Als er mal auf dem selben Track mit seinem offensichtlichen Vorbild Drake stehen durfte, wurde er selbst von dem damals schon fast abgehalfterten Kanadier ziemlich hart in die Grenzen gewiesen.

Also hat er ein Album gemacht, das den Respekt einfordern sollte. Das hieß "Jackman" und hatte seine Fans. Jack schoss für durchschnittlichen Albummodus-J. Cole und landete wohlwollend beim zweiten Album von YBN Cordae, was die Bars anging. In Sachen Lyricism klang der Zwanzigminüter wenigstens bemüht. Aber auch, wenn ein bisschen mehr Interese geweckt hat, war das Projekt einfach zu seicht und schnellschussig, um das öffentliche Bild von Jack zu drehen.

Das ist alles wichtig, denn auf die ein oder andere Art ist "Monica" so etwas wie "Jackman 2". Es ist der Versuch, einen unerwarteten Achtungserfolg zu erzielen. Und dieses Mal merkt man es so viel mehr als beim ersten Mal: Jack stellt sich das offensichtlich sehr viel einfacher vor, als es ist.

"Monica" hat sich die nötigen Producer und Instrumentalisten eingekauft, um solide zu klingen. Es ist die Sorte Album, die man beim Abendessen anmachen könnte. Vielleicht würde jemandem sogar ein 'hey, das klingt doch gerade ganz cool!' entlockt werden. Aber das ist nun nicht der Anspruch, der einem eine kritische Reevaluation einbringt.

Schaut man auf das Songwriting, sind die interessanten Momente rar gesät. Quasi das ganze Projekt handelt von Hook-Ups, er hat sein Drake-Stick kein bisschen bei Seite gekehrt. Allenfalls hat er es um die oberflächlichste Ästhetik von Melancholie ergänzt, die er auch nur obendrauf zu klopfen scheint, weil jene an besseren Artists wohl manchmal sexy aussieht. Das folgt auf dem deskriptiv beschriebenen "Lonesome" zu Blüten wie der Set-Up-Line "Last time we saw each other, you had caught me at a bad time / Telling you, 'I'm not sure when I'ma have time' / At that time, I was tryna have my cake and still find out how it tastes / That day, you discovered one of my traits". Wahrlich, atemberaubendes Storytelling. 'Wir waren einsam. Äh. Dann haben wir gebumst'.

Die meiste Zeit ist es ernstlich schwer, etwas aus diesem Album konkret herauszugreifen. Jack ist einfach ultrahart am Schwafeln. Checkt diese ganze Strophe aus: "I just wanna meet you / I don't wanna bring no problems / I just wanna greet you / So reach out when you feel like talking / I'm fine, but I want your company / You fine, but that goes without saying / But in case you're wondering / I didn't wanna leave you in doubt". Schnarch!

Jack will all die Ergebnisse ohne jeden Aufwand. Erst wollte er ein Album voller Bars, das es allen zeigt, kam mit zwanzig Minuten mal eben runtergeschriebener Lückenbüßer und war überzeugt, dass man ihn in die Top-Tiers erheben wird. Jetzt muss er sich vorgestellt haben, wie die Macs und Tylers ein Genre-übergreifender Kritikerliebe zu werden. Also liefert er zwanzig Minuten, die gleichzeitig wie Autopilot und wie Fahranfänger klingen.

"Monica" ist ein perfekter Sturm der Clownbarkeit. Es ist nicht, dass das Album das unhörbarste Album wäre. Es ist einfach nur sehr fad und ereignisarm. Aber es ist so ein titanisches Manifest der Selbstüberschätzung. Der Annahme, das einem das Können, die Liebe und das Lob einfach so zufliegen werden. Des Entitlements. Vielleicht kann Jack sich irgendwann noch einmal einen Hit aus dem TikTok-Brunnen erschnorren. Aber Respekt als MC oder Künstler sehe ich in dieser Laufbahn für ihn nicht mehr.

Trackliste

  1. 1. Trade Places
  2. 2. Lonesome
  3. 3. Prague
  4. 4. My Winter
  5. 5. Move Along (feat. James Savage)
  6. 6. All Of My Friends
  7. 7. Living Alone
  8. 8. Against The Grain
  9. 9. Say Hello

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