laut.de-Kritik

Disco-Funk für die White-Dinner-Party.

Review von

Da ist er wieder, der Jungle-Sound mit einem Wiedererkennungswert wie das gelbe M der bekannten Fastfoodkette. Pünktlich zu den verheißungsvollen Sommertagen im August veröffentlicht das Londoner Trio "Sunshine". Der Vorgänger "Volcano" setzte vor drei Jahren den Meilenstein zu ihrem ersten Brit Award, die Single "Back On 74" mutierte zum weltweiten Ohrwurm-Hit.

Was ist anders auf "Sunshine"? Die neue Komponente findet sich in Lydia Kitto, die das Duo zum permanenten Trio erweitert, doch so ganz neu dabei ist sie auch wieder nicht, da sie schon in vorigen Produktionen und bei Live-Auftritten für J Loyd und Tom McFarland aktiv war. Die drei kennen sich also schon eine Weile, dementsprechend gut eingespielt sind sie auf dem neuen Werk, das knackig mit elf Songs daher kommt.

Die Vorabsingle "Carry On" umweht verträumt ein Hauch Herzschmerz, in der Kitto konstatiert: "No more getting around in love with it all still going on" und man hört sie dabei förmlich seufzen. Dennoch ermuntert sie uns weiterzumachen. Diese Form des Unbeschwerten und Hoffnungsvollen gehört zur Magie von Jungle und erklärt, warum ihre Musik so viele Menschen mitreißt.

"Sunshine" birgt erneut eine Leichtigkeit und fordert nicht heraus - ein perfekter Soundtrack also für Roadtrips, Urlaube und Aktivitäten, die Realitätsflucht und Harmonie bedeuten. Die Durchschlagkraft von "Back On 74" fehlt der neuen Single allerdings, dafür ist der Song ein wenig zu lieblich.

Spätestens bei "The Wave" stellt sich die Frage, ob Jungle überhaupt sowas wie schlechte Songs schreiben können. Auch hier funktioniert ihre Zaubermischung aus Neo-Soul, Disco und Funk wie aus dem Lehrbuch und klingt vielversprechend nach Sonne, Strand und White-Dinner-Party. "Someday, Somewhere" besitzt stärker emotionale Elemente, Kitto haucht fast mehr, als dass sie singt, was dem Song den Jungle-typischen laid-back-Charakter verleiht und gleichzeitig die Melancholie-Schublade öffnet.

Der eine Song, der heraussticht, ist zwar nicht dabei, das Album lässt sich aber gut in einem Rutsch durchhören. Jungle sind über die Jahre ihre eigene Marke geworden. In Zeiten großer Unsicherheit und einem von Schnelllebigkeit geprägten Musikmarkt ist dies sicherlich hilfreich, um die eigene Fanbase bei der Stange zu halten. Man kommt allerdings nicht umhin, die Musik stellenweise als generisch zu empfinden, so perfekt geschliffen kommt der tanzbare Sound um die Ecke. Dafür funktioniert er einwandfrei.

Trackliste

  1. 1. Come Back To Me
  2. 2. Sunshine
  3. 3. Where Are You Now?
  4. 4. Move Like You Do
  5. 5. Rome II
  6. 6. Carry On
  7. 7. The Wave
  8. 8. Someday, Somewhere
  9. 9. Natural
  10. 10. Reflection
  11. 11. Heavy On My Soul

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Jungle

Angebot und Nachfrage sind auch auf dem Popmarkt wichtig. Je weniger über eine Band bekannt wird, desto gieriger reagiert die Hörerschaft auf jeden …

Noch keine Kommentare