laut.de-Kritik

Pop, der vorbeiweht wie ein Windhauch am Strand.

Review von

Acht Jahre ist es nun schon her, dass Michael Schulte als deutsche Hoffnung zum Eurovision Song Contest reiste und dort einen heute unvorstellbar grandiosen vierten Platz zu erreichen. Seither sammelt der Singer-Songwriter viele Punkte beim deutschen Radio-Publikum und dessen Sehnsucht nach emotionalem, 'ehrlichen' Pop.

Drei Jahre nach dem letzten Album "Remember Me" erscheint nun sein neues siebtes Album "Beautiful Reasons", das ihn wohl weiterhin als Dauergast in den algorithmischen Playlists deutschsprachiger Radiostationen als eine Art deutscher Ed Sheeran vor und hinter diesem platzieren wird. Ein Album, das ganz schlageresque die großen Gefühle und die glückliche Familie preist und dies in gewohntem tanztauglichen Pop-Rock-Sound windelweich verpackt. Nicht dass jemand sich noch verletzt, denn am Instagram-Strand liegen keine spitzen Steine im Sand und die Sonne scheint endlos und gnadenlos auf diesem Album ohne Schattierungen.

So knödelt er bereits im Opener "Broken Sunshine" (bereits ein zu Tode gespielter Radio-Hit) viele "Oh Ohs" zum weichgespülten Klang. Passend zum Strandtapeten-Motiv mit happy Family – das Albumcover #nofilter #authentic #whatever bereits als Social-Media-Produkt in Szene gesetzt, denn das Foto zeigt einen privaten Urlaub-Schnappschuss von Frau und Kindern, denen er "Beautiful Reasons" widmet.

Der PR-Text fabuliert von einem "sonnendurchfluteten Soundtrack für alle", die nach schönen Gründen im oder (für?) das Leben suchen. Dieser Format-Radio-Sound Schultes, der seine in der Tat kraftvolle und starke Stimme hier jedoch meistens in aalglatten Arrangements untergehen lässt, ist allerdings dann eher ein ernüchternder Grund, im Meer ein bisschen hinab zu tauchen.

Es gibt Lichtblicke der Leichtigkeit wie das schön fließende "Floating", das ohne Pathos und Phrasenhaftigkeit auskommt, oder "Meteorite", das sich am funkigen Dancefloor versucht. Doch Tracks wie "Afterlife" stampfen dann wieder dumpf wie eine Alleinunterhalter-Sommerhit-Parodie dahin, und der Titelsong selbst ist nur ein Beispiel für (perfekt produzierte) Pop-Massenware, die ebenso zufällig an einem vorbeiweht wie ein Windhauch am Strand. War da was?

Trackliste

  1. 1. Broken Sunshine
  2. 2. Afterlife
  3. 3. 5AM
  4. 4. Lovesick
  5. 5. Giants
  6. 6. Half Of My Heart
  7. 7. Beautiful Reason
  8. 8. Mountains
  9. 9. If You Love Me
  10. 10. Floating
  11. 11. Darkest Hour
  12. 12. Dance These Tears Away
  13. 13. Meteorite
  14. 14. Granted
  15. 15. Grow As We Go
  16. 16. Beautiful Reasons

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Michael Schulte

Plattenfirmen-Chefs? Artists & Repertoire Management? Das war gestern. Dass Musiker (auch) übers Netz - insbesondere natürlich mittels Streamingmogul …

1 Kommentar