laut.de-Kritik
Facettenreicher Pop-Punk für Puristen und Neueinsteiger.
Review von Kai Butterweck"Ich glaube, die Leute lechzen einfach nach Nostalgie. Aber wir sind nicht nur ein Nostalgie-Act: Bei unseren Shows stehen nicht nur ältere Leute – da sind immer noch junge Kids, die komplett abgehen und mitsingen. Es ist generationsübergreifend." Na, wer hat's gesagt? Paul Stanley? Brian Johnson? Oder gar Mick Jagger? Weit gefehlt. Hier streift sich mal eben New Found Glory-Frontmann Jordan Pundik das prunkvolle Gewand der unantastbaren Zeitlosigkeit über und grinst dabei über beide Ohren.
New Found Glory? Pop-Punk-Fans der alten Schule, die mit Green Day, The Offspring und Co. aufgewachsen sind, werden sich an die Zeit rund um den Millenniumwechsel erinnern, als junge, vorzugsweise amerikanische Bands wie Pilze aus dem Boden schossen und mit viel Tamtam in Richtung Genre-Thron drängten. Dazu zählte auch diese Band, die irgendwie immer mit dabei war, aber nie wirklich zu den Großen der Szene aufschließen konnte.
Gut zwanzig Jahre nach ihrer Hoch-Zeit sind New Found Glory immer noch aktiv. Mit ihrem 14. Studioalbum "Listen Up!" beweisen die mittlerweile in Kalifornien ansässigen Punkrocker, dass sie es immer noch draufhaben. Bereits nach wenigen Sekunden kann man soundtechnisch schon mal ein Häkchen setzen. Die Drums und die Gitarren klingen satt. Pundiks Stimme fügt sich wunderbar ein und auch der Bass pumpt auf hohem Level. Man mag auch gar nicht glauben, dass die hier wild durchs Studio hüpfenden Verantwortlichen alle schon weit mehr als 45 Jahre auf dem Buckel haben. Vor allem Sänger Jordan Pundik klingt, als wäre kurz nach der Veröffentlichung des bis dato erfolgreichsten Longplayers "Catalyst" im Jahr 2004 die Zeit stehengeblieben.
Auch der Rest der Band legt eine beeindruckende Spielfreude an den Tag. So gehen Songs wie der eröffnende Banger "Boom Roasted" und der zwischen Hardrock und Stadionpunk pendelnde "A Love Song" sofort ins Ohr. Die Band setzt ihre musikalischen Punkte und Kommas an den richtigen Stellen. "Medicine" zieht sich an einer simplen aber eindringlichen Bassline entlang. Das schnelle "Treat Yourself" sorgt für fliegende Leiber im Pogo-Club. Und mit den beiden Ohrwürmern "100%" und "Beer And Blood Stains" zieht die Band die Massen schnell auf ihre Seite.
New Found Glory jonglieren gekonnt mit den zur Verfügung stehenden Genre-Trademarks. Wahlweise im groovenden Midtempo-Bereich oder auf der Überholspur haut die Band alles rein, auch wenn vielleicht nicht jeder Schuss ein Volltreffer ist ("Dream Born Again", "Frankenstein's Monster"). Am Ende von "Listen Up!" schließt sich ein großer Kreis. Was vor mehr als zwei Jahrzehnten abgefeiert wurde, sorgt auch im Hier und Jetzt für ordentlich Applaus und Anerkennung. Manchmal kann Nostalgisches auch ziemlich frisch und unverbraucht mit der Tür ins Haus fallen. Man höre und staune. Oder eben auch: "Listen Up!"


1 Kommentar
"Dazu zählte auch diese Band, die irgendwie immer mit dabei war, aber nie wirklich zu den Großen der Szene aufschließen konnte."
Das ist eher 'ne europäische (minus UK) Wahrnehmung. NFG haben zwar nie die 5000er Hallen wie The Offspring vollgemacht (oder gar die Stadien wie Green Day und Blink), aber bei allem was drunter kommt stehen sie in den USA schon ziemlich weit vorne.