laut.de-Kritik
Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber sie stirbt.
Review von Kerstin KratochwillAm großen Begriff und Prinzip 'Hoffnung' arbeiten sich Ok Kid auf ihrem neuen Album in gleich drei Tracks ab, die als Opener "Hoffnung stirbt 1-3" pathetisch und pumpend ihren Sound zwischen Indie, Pop und Rap ankündigen. Wie sagte Kabarettist Nico Semsrott einst: Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber sie stirbt.
Ok Kid fügen diesem hellsichtigen Pessimismus die Worte von Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer hinzu, die Hoffnung im Intro zum ballernd peitschenden "Rave On" als blinden Optimismus bezeichnet. Die Band aus Gießen, deren Name sich aus den Albentiteln von Radioheads "OK Computer" und "Kid A" zusammensetzt, bringt auch auf ihrem fünften Werk viel popkulturelle Reminiszenz in den Lyrics mit.
Und so singen sie "Zwischen 'Wind Of Change' und 'Zeit, dass sich was dreht' stehen wir auf den Boxen, wünschen uns ein bisschen Rage" oder nennen einen Track "Farbfilm" (ein angenehme Ausnahme im sonst doch sehr monotonen Soundbild, das an Arcade Fire oder M83 erinnert. Singt da Edwin Rosen den Refrain – angelehnt an Nina Hagens Lied "Du hast den Farbfilm vergessen"? Ein DDR-Hit, den sich Angela Merkel für ihren Großen Zapfenstreich im Dezember 2021 wünschte, und der sich bei Ok Kid so nun in den Chor deutscher Musik-Mahner von Scorpions bis Grönemeyer einreiht und die Gruppe selbst über Empathie und Widerstand mitsingen lässt.
Musikalisch ist das immer atemlos und treibend, Jungle-Anleihen treffen auf krachende Gitarren, Samples krachen auf Garagedrums. Keine Atempause, keine Zeit zum Nachdenken, das Trio knüppelt uns Kapitalismuskritik, Ohrfeigen für toxische Männer und Politikverdrossenheit Track für Track ein. Der paradox-pseudophilosophische Titel "Komm, Wir Bleiben Stehen" bewahrheitet sich nicht: Man fühlt sich als Zuhörerin und Zuhörer seltsam gehetzt. Die Hoffnung auf ein wenig Pause vom Pathosgedresche stirbt zuletzt, aber sie stirbt.


1 Kommentar
Selten eine so unkreative und pathetische Rezension auf dieser Seite gelesen. Es war offensichtlich nicht einmal die Mühe wert, die Platte gesamthaft zu kommentieren. Hör nie auf ist eine richtig gute Nummer, findet aber erst gar keine Erwähnung. Man muss die Platte nicht gut finden, aber eine derart oberflächliche Besprechung braucht man leider auch nicht.