laut.de-Kritik

Epische Power Metal-Messe aus der Olympiahalle München.

Review von

Mit "Wildlive" liefern Powerwolf eine Metal-Messe der Superlative ab, die eindrucksvoll zeigt, warum die Band seit Jahren zu den größten Namen des europäischen Power Metal gehört. Aufgenommen beim Abschlusskonzert der Wolfsnächte Tour 2024 in der restlos ausverkauften Olympiahalle München, ist dieses Live-Album weit mehr als nur ein gewöhnlicher Konzertmitschnitt.

Schon die ersten Momente machen deutlich, dass hier ein Ereignis festgehalten wurde, das die Grenze zwischen Konzert und spektakulärer Bühnenshow verschwimmen lässt. Die Atmosphäre der Halle ist von Anfang an greifbar und wird durch die euphorische Reaktion des Publikums zusätzlich verstärkt. Man hört förmlich, wie tausende Fans jede Zeile mitsingen und jeden Refrain mit voller Leidenschaft feiern.

Diese Energie überträgt sich unmittelbar auf die Aufnahme und sorgt dafür, dass man sich als Hörer mitten im Geschehen fühlt. Gleichzeitig beweisen Powerwolf, dass sie "live" eine enorme Wucht entfalten, ohne dabei an musikalischer Präzision zu verlieren. Die Instrumente sind druckvoll abgemischt, die Chöre wirken monumental und die Gitarrenriffs schneiden messerscharf durch das Klangbild. Besonders beeindruckend ist, wie ausgewogen die Produktion wirkt, obwohl sie die rohe Energie eines Live-Konzerts beibehält. Dadurch entsteht eine authentische und gleichzeitig kraftvolle Klangkulisse.

Schon nach wenigen Songs wird klar, dass dieses Album ein echtes Erlebnis sein will und kein bloßes Souvenir für Fans der Tour darstellt. Vielmehr dokumentiert es einen Abend, der in seiner Intensität und Inszenierung kaum zu übertreffen ist. Genau diese Mischung aus musikalischer Qualität und emotionaler Wucht macht den Einstieg in "Wildlive" so packend.

Ein zentraler Bestandteil des Albums ist die aufwändige visuelle Inszenierung, die auch im audiovisuellen Konzept der Veröffentlichung eine große Rolle spielt. Jeder einzelne Song wird von wechselnden Bühnenbildern begleitet, die das jeweilige Stück atmosphärisch unterstreichen. Dabei setzen Powerwolf auf eine Mischung aus theatralischen Elementen, dramatischer Lichtregie und spektakulären Effekten.

Mönche mit brennenden Fackeln ziehen über die Bühne und verleihen der Show eine fast sakrale Aura. In anderen Momenten rieselt künstlicher Schnee auf das Bühnenbild herab und schafft eine überraschend mystische Stimmung. Besonders eindrucksvoll wirkt eine Szene, in der ein Klavierfeld in Flammen zu stehen scheint und damit eine dramatische Kulisse für den Song bildet. Diese visuellen Ideen sind nicht nur dekoratives Beiwerk, sondern verstärken die erzählerische Wirkung der Musik.

Man merkt deutlich, wie viel Aufwand und Kreativität in die Gestaltung dieses Konzerts geflossen sind. Die Effekte sind präzise auf die Musik abgestimmt und wirken niemals überladen oder zufällig. Stattdessen entsteht eine durchdachte Dramaturgie, die das Publikum von Song zu Song immer tiefer in die Welt der Band hineinzieht. Gerade diese Kombination aus musikalischer Wucht und theatralischer Inszenierung gehört seit Jahren zu den Markenzeichen von Powerwolf. Auf "Wildlive" erreicht dieses Konzept jedoch eine neue Dimension. Die Aufnahme vermittelt eindrucksvoll, wie sorgfältig jedes Detail der Show geplant wurde. Dadurch wirkt das Konzert wie ein großes Metal-Spektakel, das gleichzeitig episch und unterhaltsam ist.

Auch musikalisch bietet das Album eine beeindruckende Auswahl an Songs, die das Herz der Fans höher schlagen lassen dürfte. Klassiker wie "Army Of The Night", "Amen & Attack" oder "Dancing With The Dead" gehören zum festen Bestandteil der Setlist. In den Live-Versionen entfalten diese Stücke eine noch größere Wucht als auf den Studioaufnahmen. Die Chöre klingen gewaltig und werden vom Publikum mit voller Lautstärke mitgesungen. Dadurch entsteht ein kollektives Erlebnis, das den Songs eine zusätzliche emotionale Ebene verleiht. Besonders die hymnischen Refrains profitieren von dieser Live-Atmosphäre und wirken fast noch epischer als gewohnt.

Gleichzeitig zeigen Powerwolf, dass sie ihre Songs live gerne neu interpretieren. Manche Arrangements wirken monumentaler, andere Passagen werden bewusst dramatischer aufgebaut. Dadurch bleibt selbst für langjährige Fans eine gewisse Spannung erhalten.

Sänger Attila Dorn führt mit charismatischer Präsenz durch den Abend und versteht es meisterhaft, das Publikum einzubinden. Seine Stimme klingt kraftvoll, theatralisch und gleichzeitig erstaunlich kontrolliert. Auch die Band im Hintergrund agiert präzise und sorgt für einen massiven Soundteppich. Die Gitarren liefern kraftvolle Riffs und melodische Leads, Schlagzeug und Bass ein solides Fundament. Insgesamt entsteht ein Klangbild, das sowohl wuchtig als auch detailreich ist.

"Wildlive" macht seinem Titel alle Ehre und fängt die Essenz eines Powerwolf-Konzerts eindrucksvoll ein. Die Aufnahme zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Live-Stärke und dokumentiert einen Abend voller Energie, Pathos und spektakulärer Momente. Besonders die Verbindung aus bombastischer Musik, theatralischer Inszenierung und leidenschaftlichem Publikum macht dieses Werk so besonders. Man merkt in jeder Minute, dass dieses Konzert für viele Fans ein unvergessliches Erlebnis gewesen sein muss.

Gleichzeitig zieht das Album auch Zuhörer vor den heimischen Lautsprechern in diese Atmosphäre hinein. Die Mischung aus druckvoller Produktion und authentischer Live-Stimmung sorgt dafür, dass die Aufnahme lebendig wirkt. Dadurch hebt sich "Wildlive" deutlich von vielen anderen Live-Alben im Metal-Bereich ab. Es ist nicht nur eine Dokumentation eines Konzerts, sondern ein audiovisuelles Gesamterlebnis.

Für langjährige Anhänger der Band dürfte diese Veröffentlichung ohnehin Pflichtprogramm sein. Doch auch für Neueinsteiger bietet das Album eine Gelegenheit, die besondere Faszination eines Powerwolf-Konzerts kennenzulernen. Die epischen Songs, die gewaltigen Chöre und die spektakuläre Show ergeben zusammen ein beeindruckendes Gesamtpaket. Wer monumentalen Power Metal liebt, kommt an dieser Veröffentlichung kaum vorbei. Somit bleibt "Wildlive" nicht nur ein würdiger Abschluss der Wolfsnächte-Tour 2024, sondern auch ein eindrucksvolles Dokument einer Band, die "live" zu den spektakulärsten Acts der Szene gehört.

Trackliste

  1. 1. Intro – Monumental Mass Theme
  2. 2. Bless'em With The Blade
  3. 3. Incense & Iron
  4. 4. Army Of The Night
  5. 5. Sinners Of The Seven Seas
  6. 6. Amen & Attack
  7. 7. Dancing With The Dead
  8. 8. Armata Strigoi
  9. 9. 1589
  10. 10. Demons Are A Girl's Best Friend
  11. 11. Stossgebet
  12. 12. Fire & Forgive
  13. 13. We Don't Wanna Be No Saints
  14. 14. Alive Or Undead
  15. 15. Heretic Hunters
  16. 16. Sainted by the Storm
  17. 17. Blood For Blood (Faoladh)
  18. 18. Sanctified With Dynamite
  19. 19. We Drink Your Blood
  20. 20. Werewolves Of Armenia

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