laut.de-Kritik

Die Energie eines fleischfressenden Duracell-Hasen.

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Satan schwingt die Hüften, Nosferatu lacht sich schlapp und die Untoten erheben die Gläser: Juhu, Rob Zombie is back! Der Crossover-Altmeister mit den verfilzten Zotteln bläst nach vier Jahren Funkstille wieder zum Angriff. Und der apokalyptisch veranlagte Bulldozer schaltet auch direkt in den fünften Gang. Dem Klang einer Höllenglocke folgen metallische Riffs, ein pumpender Beat sowie der markante Gesang des Frontmanns, der auch noch mit 61 Jahren voller Energie auf imaginären Gräbern tanzt und schelmisch grinst wie der gehörnte Beelzebub ("F.T.W. 84").

"If we want to live, we must die", heißt es zu Beginn von "Tarantula", einem ähnlich gestrickten Feuerwerk aus Metal, Industrial und allerlei Cyber-Effekten. Rob Zombie dreht voll auf. Halbe Kraft voraus kennt der Amerikaner nicht. Und so ist der Hörer schnell mittendrin in einer Klangschlacht, in der alles erlaubt zu sein scheint. Rob Zombie ist ein "Alligator", ein "Space Invader", ein waschechter "Rocker". Wenn die Bassdrum pumpt, plustert sich der Hellbilly-Gott auf: "I'm A Rock N Roller", keift er ins Mikrofon.

Das konsequent nach vorne drückende "Heathen Days" weckt Erinnerungen an den White Zombie-Klassiker "More Human Than Human". Der "Sir Lord Acid Wolfman" tänzelt im Drogenrausch ums höllische Lagerfeuer. Nach knapp vier Minuten macht er Platz für eine wilde Horde "Punks And Demons". Der Pogo-Moshpit ist eröffnet. Rob Zombie liefert ab, zwar nicht durchgehend, aber wenn, dann mit der Energie eines fleischfressenden Duracell-Hasen. Keine halben Sachen.

Zwischendurch zuckt der zottelige Meister aber immer mal wieder hilflos und fragend mit den Schultern. Hat noch einer eine Idee? Kriegen wir vielleicht doch noch ein "Thunder Kiss 65"-Brüderchen gebacken? Mit wirrer Instrumentals versucht Rob Zombie, Brücken zu bauen. Aber es hilft nichts. Am Ende sind Glanz und Feuer der Mid90s unwiederruflich vergangen.

Im Hier und Jetzt vermag Rob Zombie den Crossover-Fan abzuholen – nur eben nicht über Albumlänge. Am Ende zieht der apokalyptische Rockzirkus mit Pauken und Trompeten von dannen. Noch ein letztes Aufbäumen mit orchestralem Schub ("Unclean Animals"), dann ist Schluss – naja fast. Der letzte Tanz gehört den Untoten. George A. Romero lässt grüßen ("Grave Discontent").

Trackliste

  1. 1. F.T.W. 84
  2. 2. Tarantula
  3. 3. I'm A Rock N Roller
  4. 4. Heathen Days
  5. 5. Who Am I
  6. 6. Black Rat Coffin
  7. 7. Sir Lord Acid Wolfman
  8. 8. Punks And Demons
  9. 9. The Devilman
  10. 10. Out Of Sight
  11. 11. Revolution Motherfuckers
  12. 12. Welcome To The Electric Age
  13. 13. The Black Scorpion
  14. 14. Unclean Animals
  15. 15. Grave Discontent

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