laut.de-Kritik

Das bislang zurückgelehnteste Album der Norweger.

Review von

Ulver haben sich zuletzt melodischen Synthpop-Tönen verschrieben, während es inhaltlich jedoch pechschwarz und zynisch blieb. Fans, die nicht so sehr auf Dave Gahan-Verehrung stehen, dürfen nun aufatmen: Mit "Neverland" kehren die Norweger wieder mehr zum atmosphärischen Sound von "Perdition City" oder "Shadows Of The Sun" zurück, ohne das Melodische zu vernachlässigen.

Dabei bildet "Fear In A Handful Of Dust" mit deepen, nächtlichen elektronischen Sounds, Field Recordings und einer rezitierten Passage aus T.S. Eliots Gedicht "The Waste Land", das von der Vereinzelung und Leere in der Moderne handelt, einen ambienten Einstieg, der ein wenig an Coil zu "Musick To Play In The Dark"-Zeiten denken lässt. So ganz ohne düsteren Unterton geht es also nicht.

Auch im weiteren Verlauf schweigt die Stimme von Kristoffer Rygg. Trotzdem muss man keine ausufernden Klangcollagen wie auf "ATGCLVLSSCAP" erwarten. Die Songs kommen kurz und kompakt, fast schon etwas fragmentarisch daher und laden zum Träumen ein. Die Band selbst beschreibt das Album als freie Produktion und als bewusste Abkehr von festen Songstrukturen.

"Elephant Trunk" beginnt mit Klavierklängen recht ruhig, dringt aber nach und nach in immer kraftvollere elektronische Sphären vor. "Weeping Stone" fällt dagegen mit sphärischen Tönen und ätherischen weiblichen Vocals sehr entrückt aus. Dass die Platte ohne die größtenteils synthpoppigen Vorgänger nicht denkbar wäre, beweist "People Of The Hills", das sich als überaus tanzbar erweist und auch ein paar trancige 90s-Anleihen zu bieten hat. Etwas postpunkiges Flair kommt in "They're Coming! The Birds!" und "Hark! Hark! The Dogs Bark" hinzu, während "Horses Of The Plough" schon fast meditatives New Age-Feeling versprüht.

In "Pandora's Box" verbreiten dann trippige Beats orientalische Stimmung. Bedrohlicher gerät demgegenüber "Quivers In The Marrow" mit dichten Drones und verfremdeten Gesangssamples, die eine retrofuturistische Atmosphäre erzeugen. "Welcome To The Jungle" hält repetitive Rhythmen und exotische Klänge bereit. "Fire In The End" bildet mit entspannten 80s-Synthies und melodischen Piano-Sounds einen nostalgisch anmutenden Abschluss.

Jedenfalls lässt sich das Trippige von "Perdition City" genauso heraushören wie das Dronige von "ATGCLVLSSCAP" und das Melodische von "The Assassination Of Julius Caesar" oder "Flowers Of Evil", ergänzt um frische Akzente. Insgesamt dürfte es sich wohl um die bislang zurückgelehnteste Veröffentlichung Ulvers handeln. Man darf gespannt sein, wie die musikalische Reise der Norweger weitergeht.

Trackliste

  1. 1. Fear in A Handful Of Dust
  2. 2. Elephant Trunk
  3. 3. Weeping Stone
  4. 4. People Of The Hills
  5. 5. They're Coming! The Birds!
  6. 6. Hark! Hark! The Dogs Bark
  7. 7. Horses Of The Plough
  8. 8. Pandora's Box
  9. 9. Quivers In The Marrow
  10. 10. Welcome To The Jungle
  11. 11. Fire In The End

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