laut.de-Kritik
Dan Snaith macht wieder Spaß
Review von Franz MauererAuf Albenlänge lief es für Dan Snaith als Caribou zuletzt nicht mehr so gut, da freuen wir uns um so mehr (und wie angekündigt) auf ein neues Album unter dem Moniker Daphni. Gefühlt schwimmt Snaith, dem ob älterer Verdienste, gelungener Singles und mind-blowing Liveauftritte jedermann unterstellt, alles zu können, ein wenig unter der eigenen Wasserkante. Um so mehr freuen wir uns über "Butterfly", auf zu neuen Höhen.
"Butterfly" ist kein Meisterwerk wie in früheren Phasen (zumal, als er noch Manitoba als Alias nutzte), aber ein Snaith-Album, das wie die Singles und die Shows unbändig Spaß macht. Snaith wohnt zwar in London, die Stimmung des Albums schreit aber eigentlich nach Sommer in L.A. Viele Tracks würden sich sogar in den Partytempeln in Ibiza oder Split wohlfühlen, insgesamt ist das Werk dancefloor-tauglich, aber ein wenig zu cool für geschlossene Räume.
Es gibt die sehr fokussiert nach vorne gehenden Tracks, die um große Tiefe gar nicht bemüht sind. Das ist ihre Stärke, denn diese Fingerspiele kann das Genie Snaith natürlich ohne Probleme. Jetzt überlädt er die eingängige Pianofigur von "Sad Piano House" nicht mehr mit Konzept, zwingt einem tanzend am Pool pumpenden "Waiting So Long" keine Brüche auf, und die Single "Clap Your Hands" sagt schon alles (außer Yeah!). Böse Zungen behaupten ja, bei Ummz Ummz gehe es oft um diffizile, komplexe Musik – das liegt aber daran, dass eingängige Partymusik so abartig schwierig ist. "Shifty" braucht dafür ganz wenig und als Spielerei nur einen Shout; four to the floor mit Dance-Pop-House allererster Güte. Dan liefert hier auf hohem Niveau ab, auch wenn diese Tracks durch ihre zumeist frühe Platzierung ein wenig täuschen.
Es dominiert nämlich glasklar die zweite Branche der verspielten Tracks, die einen Hasenhaken mehr bieten als die Partytracks und weniger locker - aber immer noch fast durchgehend fröhlich - auftreten. Der Wahnsinnsloop von "Hang" frisst sich immer tiefer in die Gehörgänge, "Good Night Baby" drückt mit ordentlich Arpeggio in die Kissen, zeigt zum Schluss sogar kurz die Zähne, was sonst nur der Closer "Eleven" mit seiner flirrenden Figur tut, wenn sie herrlich kontrastierend zur Percussion eingesetzt wird.
"Miles Smiles" Blechtrommel ist in Verbindung mit dem Bass eine fordernde Wohltat, "Lucky" ist ein Tropfsteinhöhlengesäusel, das gerade noch von nett auf interessant kippt, "Napoleon's Rock" das Albumhighlight mit unter einer Minute. Der aufschreiende Synth scheint dem Hufgetrappel der Drums in eine Steppe zu folgen, in die man unter allen Umständen auch möchte, nur kommt man dort halt nicht in 47 Sekunden an. Damit erreicht es eine Tiefe, die die gute andere bewusste Spielerei "Invention" samt Maultrommel in fast zwei Minuten nicht erreicht. Wie bei den Partytracks gilt aber auch hier: Ein, zwei Ideen, mehr ist gar nicht gewollt. Das macht "Caterpillar" noch gut, "Goldie" eher nur okay, beide bleiben aber auf der Habenseite.
"Talk To Me" ist eine doofe, viel zu lange Skizze, der Kontur und Farbe fehlt. Auf den "Two Maps" zündet diese eine Idee, die alle Tracks haben, nicht, der metallische Beat nervt. Die "Josephine" irrt ähnlich durch einen eher leeren Raum und Snaith beweist mal wieder, dass Footwork-Beats und alles eher karge einfach nicht seine Spielwiese sind - verkopfte Tracks mit coolen Sprachfetzen schon mal gar nicht. Diese Mitteldelle bleibt aber die Ausnahme.


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