laut.de-Kritik

Fresse jetzt, Exodus können und dürfen das!

Review von

Es ist ein ewiges hin und her. Steve Souza raus, wüste Beschimpfungen gegenseitig. Rob Dukes rein, starke Alben und derbe Live-Shows. Dukes raus, weitgehendes Unverständnis auf Shouter-Seite. Souza rein, gute Alben, lahme Live-Shows. Souza wieder raus, Dukes rein, alle sind wieder Freunde – oder auch nicht.

Wie dem auch sei, klar hat Dukes nicht die fiese Keife von Steve Souza, mit dem nun einmal zahlreiche unsterbliche Exodus-Klassiker geschrieben wurden. Live war mir die wandelnde Fressepoliermaschine aber immer lieber. Und Power hat der Mann auch im Studio, daran lassen "Shovel Headed Kill Machine" und die beiden "Atrocity Exhibit"-Alben keinen Zweifel. Auch "Goliath" wird sich in diese Riege einreihen, zumindest wenn man den Opener "31112" als Maßstab nimmt.

Typische Exodus-Riffs schrauben einem nach kurzem Intro die Rübe ab und auch "Hostis Humani Generis" macht in dem Bereich keine Gefangenen. Dennoch sind beides keine Songs, die ohne Umwege ins Ohr und in die Hirnwindungen kriechen. Grund dafür sind diverse Riffs und Stile, die man mit Exodus bislang eher weniger in Verbindung gebracht hat. Das macht auch das folgende "The Changing Me" deutlich, das zum Teil mit sehr melodischen Akzenten – vor allem auch im Chorus – aufwartet. Was ausgerechnet Painref="/artist/900" class="wort" title="Pain">Pain/Hypocrisy-Chef Peter Tägtgren hierzu beizutragen hat, ist mir nicht ganz klar.

Im Midtempo macht den Jungs um Gary Holt eh niemand etwas vor und mit den Hooks hat die Nummer definitiv Potential. Wer auf der Suche nach dem nächsten Live-Evergreen ist, sollte einfach direkt mit "Promise You This" einsteigen. Wer hier nicht mosht, ist mindestens drei Tage tot. Man kann von Rob Dukes halten, was man will, der Kerl liefert und bringt die rockige Nummer astrein auf die Zwölf.

Was ich vom Titeltrack halten soll, weiß ich immer noch nicht so genau. Jack Gibson läutet den schleppend düsteren Song mit seinem Bass-Spiel ein – und dann zieht sich die Nummer trotz aller Doppellead-Gitarren einfach nur unnötig hin. Die Streicher machen es irgendwie auch nicht besser.

"Beyond The Event Horizon" trümmert einem zwar direkt wieder den Schnarch aus den Löffeln, muss aber ebenfalls mit einem etwas in die Länge gezogenen Mittelpart kämpfen. Wieso schreibt niemand mehr gute Songs mit dreieinhalb Minuten? By the way, einen Song "2 Minutes Hate" zu nennen, der fünf Minuten dauert, ist irgendwie ein Schuss in die Windel. Zumal ich da etwas mehr Hass erwarte, verdammt! Wenn man die Erwartungshaltung aber mal außen vor lässt, geht die Nummer bestens klar.

Wer bei "Violence Works" auf die volle Dröhnung hofft, wird ebenfalls überrascht sein, denn hier wird es fast schon funky. Ja, Fresse jetzt, Exodus können das, dürfen das und machen das einfach. Auf Songlänge ist das durchaus vertretbar. Der Track klingt zum Teil fast wie ein Mashup aus Exodus und irgendwas anderem eben.

In Sachen Abwechslung ist "Goliath" mit keinem anderen Album der Kalifornier vergleichbar. Mit all seinen Licht- und Schattenseiten. Das überlange "Summon Of The God Unknown" hängt zu sehr die Classic Heavy Metal-Kante raus und die auch "The Dirtiest Of The Dozen" braucht ein paar Durchläufe, bis es zündet. Die Nummer geht erst los wie Feuerwehr, ballert einem dann ein Ministry-Riff um die Ohren, ehe es im Chorus fast schon eingängig wird und Tom zwischendrin mal ordentlich einen am Bass klimpern darf.

"Goliath" ist bestimmt nicht das beste Exodus-Album, aber mit Sicherheit das musikalisch abwechslungsreichste. Ob das jedem Fan der Truppe so schmeckt, sei mal dahingestellt aber mit ein paar Durchläufen macht die Scheibe dennoch richtig Laune.

Trackliste

  1. 1. 3111
  2. 2. Hostis Humani Generis
  3. 3. The Changing Me
  4. 4. Promise You This
  5. 5. Goliath
  6. 6. Beyond The Event Horizon
  7. 7. 2 Minutes Hate
  8. 8. Violence Works
  9. 9. Summon Of The God Unknown
  10. 10. The Dirtiest Of The Dozen

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