laut.de-Kritik
Bewegt eure Hüften und tanzt den Robert Görl.
Review von Kerstin KratochwillUnter dem Namen Deutsch-Amerikanische Freundschaft aka DAF wirbelten Robert Görl und Gabi Delgado-López die Musiklandschaft der Bundesrepublik in den frühen 80er Jahren mit furiosem, wütendem, monotonem, radikalem und provokantem Electro-Sound auf. Auch in den Folgejahrzehnten fand das Duo immer wieder zusammen: "Verschwende deine Jugend", "Kebab Träume" oder "Der Mussolini" bewahren sich bis heute eine ungeheure Intensität.
2020 stirbt Delgado-López, Görl macht weiterhin Musik, zunächst als Robert Görl & DAF ("Nur Noch Einer", 2021), nun nur noch unter seinem Nachnamen. Den bekannten Bandnamen DAF weiterhin zu verwenden, erschien ihm einerseits unmöglich, andererseits intervenierte Delgados Witwe gerichtlich, da sie sich als Teil von DAF sieht.
"Dark Silver Moon Light" entstand stattdessen zusammen mit DJ und Produzentin Sylvie Marks, lange Zeit die einzige weibliche Resident-DJ des legendären Frankfurter Clubs Dorian Gray. Später veröffentlichte Marks als Produzentin auf prägenden Labels wie International Gigolo und Bpitch Control diverse Club-Hits und ihr technoider Einfluss ist auf den gemeinsamen Tracks mit Görl spürbar.
Tänzelt der Opener "Irgendwann ist jetzt" noch minimalistisch kalt im DAF-Modus dahin, schrauben sich schon im nächsten Song dunkle Synth-Sounds in Richtung Dancefloor und laden zum hypnotischen Tanz. Die Freude an provokanten und pulsierenden Melodien entfaltet sich schließlich im stampfenden Industrial-Stück "Falscher Ton", in dem Görl die Lust am Überraschenden preist und jegliche Algorithmen quasi auspeitscht. Und so verwundert es dann auch nicht, dass ein geradezu emotionaler Song den elektronischen Fluss wie ein Felsen stoppt – die 80s-Bombast-Hymne "Don't Stay At Home".
"Dark Silver Moon Light" ist voller wunderbarer Synth-Sequenzen, reduzierter Melodien, dissonanten Spielereien, spröden Sounds, treibenden Beats und anarchischem Grundgefühl – ein Album, das drängend und direkt in Sound und Botschaft dazu einlädt, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich aus allzu bequemen Mustern zu lösen. Musikalisch in Dissonanzen umgesetzt und darauf hinweisend, dass alles immer in Bewegung ist. In diesem Sinn, bewegt eure Hüften und tanzt den Görl.


1 Kommentar
Schon irgendwie Bock drauf. Mag übrigens auch diese poppigen, etwas cheesigen Momente seiner frühen Solo-Sachen.