laut.de-Kritik

Kill the lights, embrace the dark!

Review von

Letztes Jahr veröffentlichten Lord Of The Lost "Opvs Noir Vol. 1" und "Opvs Noir Vol. 2". Nun bringen die Hanseaten mit "Opvs Noir Vol. 3" die Trilogie zum Abschluss. Dabei knüpft die Truppe nahtlos an die beiden Vorgänger an.

Der Opener "Kill The Lights" findet nach einem orchestralen Intro eine gute Balance zwischen Melodik und Midtempo sowie härteren Gesangsausbrüchen, trieft aber textlich etwas zu sehr vor Klischees. "Kill the lights, embrace the dark" lautet das Credo. Daran ändert sich auch in den restlichen Songs kaum etwas. Wer eine Allergie gegen dunkle Allgemeinplätze besitzt, sollte einen großen Bogen um die Platte machen. Musikalisch sieht es schon etwas besser aus.

"I'm A Diamond" bildet ein kraftvoll nach vorne gehendes Duett zwischen Chris Harms und Alea von Saltatio Mortis. "My Funeral" betont mit energetischen Gitarrenausbrüchen und leichten Industrial-Elementen die düstere Seite der Formation, lebt aber eher von einer positiven Botschaft, wenn der Sänger Pink statt Schwarz zu seinem Begräbnis trägt. Im vergleichsweise blutleeren Party-Stampfer "I Hate People" mit Wednesday 13, den man in ähnlicher Form eher auf dem aktuellen Pain-Album erwartet hätte, heißt es: "Whatever they tell, be true to yourself." Mangelndes Selbstvertrauen kann man der Band nicht vorwerfen.

Beim balladesken "The Shadows Within" reckt man statt der Fäuste die Feuerzeuge in die Höhe. "La Vie Est Hell", ein Duett mit Hannes Braun von Kissin' Dynamite, kommt gänzlich auf Französisch daher, nicht unbedingt eine schlechte Entscheidung, ließ doch letztes Jahr das düstere Rollenspiel "Clair Obscur: Expedition 33" nicht mal den französischen Präsidenten Emmanuel Macron kalt. Zudem wäre der Song auf dem dazugehörigen Soundtrack nicht fehl am Platze gewesen. Nur sollte man schwülstigen Klängen gegenüber nicht abgeneigt sein.

"Square One" wildert in 80s-Gefilden, womit das Thema Pop auch abgehakt wäre. In "When Did The Love Break?" teilt sich Chris Harms mit Ambre Vourvahis von Xandria das Mikro. Wenn man das Stück mit der epischen Bombastik von Xandria vergleicht, hätte man aber schon etwas mehr als diese nette sinfonische Gothic-Fingerübung erwarten können. Mit dem atmosphärischen Midtempo-Track "Your Love Is Colder Than Death" gehen Lord Of The Lost ebenfalls auf Nummer sicher, während die etwas theatralische Stimme von Damien Edwards von Cats In Space in "Take Me Far Away" Geschmacksfrage bleibt. Dafür zieht der Härtegrad gegen hinten raus noch mal richtig an. "The Days Of Our Lives" lässt die Trilogie soundtrackhaft und etwas wehmütig ausklingen.

Insgesamt fällt "Opvs Noir Vol. 3" bis auf ein paar wenige Ausreißer nach unten nicht unbedingt schlecht aus. Dennoch stellt sich, da Lord Of The Lost nicht viel anders als auf den beiden Vorgängern machen, schnell ein Sättigungseffekt ein. Es wäre also mal wieder an der Zeit für einen Kurswechsel. Bis dahin geht es erstmal auf Tournee durch neunzehn Länder in Europa. Leider findet die Konzertreise ohne Bassist Klaas Helmecke statt, der sich aufgrund psychischer Probleme eine Live-Auszeit nehmen möchte. Bühnen-Ersatz hat die Band in Form von Ex-Equilibrium-Bassist Dom R. Crey aber schon gefunden.

Trackliste

  1. 1. Kill The Lights
  2. 2. I'm A Diamond
  3. 3. My Funeral
  4. 4. I Hate People
  5. 5. The Shadows Within
  6. 6. La Vie Est Hell
  7. 7. Square One
  8. 8. When Did The Love Break?
  9. 9. Your Love Is Colder Than Death
  10. 10. Take Me Far Away
  11. 11. The Days Of Our Lives

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