laut.de-Kritik
Ätherischer Ambient mit Harfe und Synth.
Review von Kerstin KratochwillWeniger tragisch als magisch entfalten sich die Songs auf der kontemplativen Kollaboration der US-Künstlerinnen Mary Lattimore an der Harfe und Julianna Barwick an den analogen Synths plus Vocals ohne Worte. Auf "Tragic Magic" schweben die Tracks geradezu ätherisch und atmosphärisch dahin, erschaffen aus antiken Instrumenten aus dem Pariser Musée de la Musique, einem himmlischen Harfenspiel und analogen Synths.
Daraus entsteht eine cineastische Klanglandschaft, die das Heute mit dem Morgen verbindet. Die beiden Musikerinnen verweben mit immersiven und experimentellen Mitteln zart geknüpfte Melodien zu geradezu choralhaften Gebilden, die mal an Enya, Brian Eno oder auch an Vangelis erinnern.
Letzteren haben sie in "Rachel's Song" auch gecovert und ihre eigene intime Interpretation des ikonischen "Blade Runner"-Themas vorgelegt. "Tragic Magic" schwimmt geradezu zwischen den Genres, die Songs klingen nach futuristischem New Age, nach fließendem Ambient oder nach flirrender Neo-Klassik.
Dabei ist alles stets im Fluss, ohne in Belanglosigkeiten abzutauchen. Das gemeinsame Album entstand in nur neun Tagen, wurde von Trevor Spencer (Fleet Foxes, Beach House) mitproduziert, gemastered von Heba Kadry (Björk, Sade, Gorillaz) und ist letztendlich ein Manifest der Freundschaft der beiden Frauen, die sich laut eigenen Angaben musikalisch telepathisch verstehen.
Dieses Verständnis hört und spürt man geradezu körperlich in ihrer Musik. Beide sind zudem für ihre genresprengenden (Zusammen-)Arbeiten bekannt, so spielte Lattimore bereits mit Sonic Youths Thurston Moore oder Kurt Vile, Barwick remixte Radiohead.
Nun auf ihrem gemeinsamen Werk feiern sie nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Schönheit und den Trost, den man im Melancholischen findet. Und mit Songtiteln wie "Temple Of The Winds", "Haze With No Haze", "Stardust" oder "The Four Sleeping Princesses" sowie einem Fairytale-Artwork haben sie hier eine Art modernen Märchen-Science-Fiction-Soundtrack geschaffen, der uns mit jeder Note der Realität entfliehen lässt.


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