laut.de-Kritik
Und bleib dort!
Review von Franz Mauerer"Zurück In Die Arschloch" – denn, da kommst du her, höhö. Aber warum nicht "Ins Arschloch"? Weil Outerspass, der neologistische Name legt es schon nahe, ein holländisches Duo ist, das die deutsche Sprache zum satirischen Instrument degradiert (und die eigene kommerzielle Reichweite damit massiv erweitert).
Nach eigener Aussage in einem Duisburger Laufhaus großgezogen, ist es der Blick von außen, der als methodischer Kniff wie bei den Comedy-Aposteln New Kids komödiantische Fallhöhe durch sprachliche und perspektivisch-inhaltliche Distanz schafft. Hilft aber alles nichts, wenn ihr bei den Wörtern Nutte, Scheiße, Wichsen nicht wenigstens instinktiv ein wenig kichern müsst.
Der große Rest der Hörerschaft muss für sich entscheiden, ob er Yannik in seinem Doubletime-Kurzurteil folgt ("ziemlich hart im Unhörbar-Terrain"), oder die akustische Kläranlage ihrer Filter beraubt, um die Scheiße frisch und warm zu genießen. Diese Möglichkeit eröffnet zum einen der Humor des Duos. "Sprechen Sie Deutsch, Bitch?" kann ich nicht hören, ohne doof grinsen zu müssen – und zu überprüfen, ob meine Kopfhörer in der S-Bahn denn wirklich ganz sicher an sind.
"Wie viel Duku hab' ich? A lot / Wie viel Waggies hab' ich? A lot / Wie viel Sperma hab' ich? A lot / Wie viel Taki mit Skowtu? Not"
Skowtu ist übrigens ein Slangwort für Polizei. Neben dieser 21 Savage-Hommage zitieren Outerspass kundig einen ganzen Strauß an vornehmlich Rap-Einflüssen, der immer wieder erfreut. Die Lyrics arbeiten zumeist nicht nur Checklisten ab, sondern folgen einer inneren Logik und bringen das Popkultur-Wissen von Shining bis Epstein organisch neben Drogenverherrlichung, Misogynie und mental health-Selbstbetrachtungen unter.
Noch wichtiger als die Texte ist aber die Dynamik. Haupt-MC Braz und Produzent Teemong ergänzen sich gut, stehen aber höchst solidarisch im Gleichklang. Passen die Beats nicht ("Chaos" trotz Werner Herzog-Sample zu schwerfällig, "Hatzelflatzel" zäher als Hasch, "Fack Mich" und "Autismusik" zu dünn) oder bietet wie "Tollie (FAT) zu wenig Haftfläche für die Rapper ("Shank" gerät zu repetitiv, was der Dynamik des Duos entgegenläuft und "Laufhaus" für diese Freaks zu gewöhnlich), dann geht auch Braz schnell unter und kaschiert Probleme im Timing und der Delivery mit einer Art Geschrei, das wenig authentisch wirkt.
Die K.I.Z.-Kollabo ist eine kommerziell klasse Idee, "Psychose Maxxing" zeigt trotz einem relativ lustlosen Auftritt der Deutschen die Limitierungen von Braz auf einem anspruchsvolleren Beat deutlich auf. Richtig mies finde ich das alles nicht, nur bleibt wenig über als Wollen und Schreischimpfen. "Ich Bin Ein Top G" ist eine stabile Nummer, die an Lil Kleine erinnert, überfordert die MCs aber fast so sehr wie der Popper "Nostalgisch Im Lidl".
Was Outerspass können, das können sie aber richtig. Je Anarcho, desto besser, denn um so befreiter die beiden auftreten, desto mitreißender ist ihre Affenshow. Das Album beginnt stark mit dem Trio "Kaput", "Nosferatu" und dem oben genannten "Sprechen Sie Deutsch, Bitch?". Vor allem der Opener vermittelt glaubhaft, dass diese beiden Irren so lange den Schädel gegen den Käfig schlugen, bis sie endlich die Boxen aufdrehen konnten. Bei Letzterem merkt man die ehrliche Begeisterung der beiden über ihre Songidee, die mitreißt.
Das Albumhighlight "Der Pump" macht langanhaltend viel Spaß, die Formel geht völlig auf und schaltet alle Hirnbereiche in den vegetativen Zustand. Der Beat von "Frosty" baut sich unter Braz' entfesseltem Geschrei spektakulär immer wieder auf, das Egon Kowalski-Gedächtnisadlib ist schlicht der Wahnsinn. Die Bumshymne "Outerspace" schreit förmlich nach Verwendung in einem Sidescroll-Beat'em Up, so treibend wie fließend peitscht der Track.


Noch keine Kommentare