laut.de-Kritik
Bedeutungsschwanger mindestens mit Drillingen.
Review von Franz Mauerer"Euphoria: Prolog: Willkommen" – fehlen da nicht noch "Tritt Ein: Vorspann: Exposition: Setz Dich: Präludium"? Schillers Bedeutungsschwangerschaft trägt auf "Euphoria" mindestens Drillinge, damit muss man auch auf dem 16. Album des Hamburger Nicht-Mehr-Duos klarkommen. Um es vorwegzunehmen: Dieses Album tut doppelt weh. Zum einen sticht einem der "Hörgenuss" Eispickel ins Trommelfell, da die völlig nichtssagenden Tracks mit ihrer Gobi-haften Einfallslosigkeit schmerzen, als starrte man mit blanken Augen tagelang auf helle Eisflächen. Zum anderen zwingt einen "Euphoria" dazu, "Weltreise" wieder zu hören und sich den Karriereverlauf vorzustellen, wären Schiller nach dem Split nicht zehn Mal falsch abgebogen, sondern hätte deutschen Trip Hop erfunden.
Dann wäre Christopher von Deylen aber ärmer, schließlich bedient er auch nur eine Nachfrage nach Trogfutter. Was hier im Vergleich zu anderer Müllmusik aber unangenehm auffällt, sind die dick wie bei der Lieblingsomi geschmierten Lagen von Pathos und eine Ernsthaftigkeit, die zu diesen hingerotzten, stoisch immer wieder identisch aufgebauten Tracks mit grundsätzlich nie mehr als zwei Spuren gleichzeitig nicht passt. 18 musikalische Chicken Wings: Über Stunden wird man den Schmalz kaum mehr los. Elektronische Musik ist das zwar faktisch, aber das Schnabeltier ist auch ein Säuger. Passt trotzdem nicht so recht.
Alle Songs kreisen um von Deylens seelenloses Stöhnen über sinnlose Lyrics, lange, ewig gleiche Synthieflächen und zu wenigen Sekunden Melodiebogen oder mal einer Kickdrum. Die Einleitungen der Songs sind ewig, die Crescendi sind kurz, der Drop eine Schlagdelle, insgesamt scheint "Euphoria" Teil einer hybriden Kriegsführung, die einschläfern soll, bis jedes Zeitgefühl flöten geht. Nichts bleibt in Erinnerung, keine Melodie haften, kein Moment kleben. Passagen ohne Sprechen und ohne Chöre, so selten sie sind, scheinen auf den ersten Blick angenehm, verschaffen aber nur Erleichterung von der Bodenlosigkeit des Rests, sind keinesfalls treibend. Man merkt erst im weiteren Verlauf, dass einen eine amateurhafte, supersimple Elektrofigur wenigstens nicht krümmen lässt wie der Rest, Musik ist das halt trotzdem nicht. Die Gastsängerinnen machen es technisch besser, mehr aber auch nicht.
Die Leere des Ganzen merkt man zum Ende von "Euphoria: Sieben Nächte feat. Frida Gold" ganz gut. Gold singt über einem seltsam distanziert wirkenden Track drüber, man wird den Eindruck nicht los, der hätte ihr gar nicht vorgelegen und sie hätte auf gut Glück technisch sauber abliefern müssen. Wie "Euphoria: My Silence feat. Julia Sanina" handelt es sich gleichwohl um klare Albumhighlights, denn wenigstens wirken die Damen lebendig und es passiert mal was. "Euphoria: Memories Of Beyond feat. Karakum" und "Euphoria: Phoenix I" sind ohne jeden Inhalt und das ist nicht etwa Ambient, um Gottes Willen. Es ist gar keinem Genre elektronischer Musik zuzuordnen. Das ist Musik, als wäre Schiller aus irgendeinem Grund dazu gezwungen worden, mit einer DAW ein irgendwie elektronisch anmutendes Album aufzunehmen. Wer das konsumiert, klammert sich wohl an der fixen Idee fest, elektronische Musik mögen zu wollen/ müssen, aus Nostalgie, aber ohne, dass diese Musik stört oder durch irgendeinen Bezugspunkt irgendwo festhaken bleiben könnte. Ein reiner Zeitvertreib ohne Genuss.
Man muss wirklich unbedingt festhalten, welchen hanebüchenen Unsinn Schiller dabei bierernst vorträgt. Als hätte man Schnipsel der am häufigsten vorkommenden Wörter von "Verbotene Liebe" in einen Hut gesteckt und er zieht blind Zettel, die er dann kombiniert. Beispiel "Euphoria: Phoenix II":
"Hoffnung steigt wie Phönixflug / Aus Asche wird ein neuer Tag / Sie ruft uns leise, tief und weit / Der Atem; eine Ewigkeit".


4 Kommentare mit einer Antwort
Da bleibe ich lieber bei meinem Headspace Abo.
Unerträglich. Ich habe wirklich versucht diesen Erguss zu hören, musste aber nach 5 Titeln abbrechen. Noch Belangloseres ist kaum vorstellbar. Das Freizeichen am Telefon hat mehr Tiefe.
Ohne scheiß, könnte komplett von einer KI gemacht worden sein.
Einfältige Poetry Slam Lyrics mit Drummachine drunter, nice
Ist wirklich maximal belanglos!