laut.de-Kritik

Cinematischer Optimismus aus Wien.

Review von

Wie kann sich reiner Ton anfühlen, als würde man sich einen Arthousefilm reinziehen? Der Mix aus Hip Hop, Wiener Charme, hoffnungsvollen Melodien und Clubsounds auf Skofis neuem Album "Halt Mich Fest" schreibt jedenfalls auch ohne Bilder fesselnde Geschichten und jongliert mit Genres. Der Longplayer bildet das Yang zum Ying ihres Debüts "Lass Mich Los". Es ist eine optimistischere und erwachsenere Perspektive, die trotzdem auch gerne mal eine Party mitnimmt.

"Ich Mag's" leitet trompetend die kommenden Tracks ein. Skofi umarmt Zweifel gleichermaßen wie Erfolge. Leicht schräg und opulent erinnert "Wind" an Falcos Hochphase, aber in der 2026er Version. "Noch keine 30, schon okay wenn ich nicht weiß wohin / Und deshalb schreib über alles was mich grad beschwingt".

Nach einem Dip in die kalte Quelle des Pessismismus verliert sich Skofi in einem Strudel aus Hoffnungslosigkeit und Zuversicht, indem sie mit trappigen Beats, Gitarre und etwas Klavier schwimmt. "VIP" verpackt UK-Garage-Instrumentals, mit denen sie von "Secession bis Ottakring" durch Wien flowt und im gleichen Atemzug der Musikindustrie einen charmanten Seitenhieb verpasst. Und das alles mit massivem Ohrwurmpotential.

Mit eingängiger Melodie geht auch die Hook von "DNA" weiter. Der Track klingt so wie sich Verliebtheit oft anfühlt: hoffnungslos aber auch total schön. Leicht und positiv muten auch die ersten Takte von "Glas" an. Skofi summiert ihre musikalische Karriere und bewegt sich in einem ähnlichen Sound wie die Wiener Kollegin Eli Preiss in "(Selbst)bewusst".

"Windschutz" wird explosiver und eigensinniger. Die Stimmung überträgt sich auch auf "Graue Wolken", in dem sich, wie der Titel schon verrät, etwas zusammenbraut und ein kühler Wind aufzieht. In "Welt (Skit)" entlädt sich die Musik hörbar, ist übersteuert und setzt dem Weltuntergang ein ein Ende.

Mit bluesigen Klavierakkorden, blinzelt nun in "Lauf Los" die Sonne wieder durch. Skofi blickt nüchtern auf die Vergangenheit und scheint nach einer harten Phase wieder Mut zu fassen. Das Bewusstsein über diesen Wachstumsprozess vergleicht sie mit dem Winter der vorbei ist. "Spüre endlich wieder Stoßluft, alles blüht"

"Der Frühling kommt und du gehst" führt die Wienerin fort und gibt der bittersüßen Melancholie eine Daseinsberechtigung, ohne sie zu verurteilen. "20er" ist dann der poppige und orgelige Abschluss des menschlichen Gefühlschaos. "Bleibe dankbar für die Liebe" singt Skofi mantraartig. Es ist ein Album, das den Irrungen und Wirrungen des Lebens Struktur gibt und sie legitimiert. Danke dafür!

Trackliste

  1. 1. Ich Mag's
  2. 2. Wind
  3. 3. Solo
  4. 4. Gegen Die Wand
  5. 5. Wohin?
  6. 6. VIP
  7. 7. Vertigo
  8. 8. DNA
  9. 9. Glas
  10. 10. Windschutz
  11. 11. Graue Wolken
  12. 12. Welt (Skit)
  13. 13. Lauf Los
  14. 14. Stoßluft
  15. 15. Mehr feat. Bacardy
  16. 16. Zeichentrack
  17. 17. Vereinbart
  18. 18. Wolf
  19. 19. Frühling Kommt
  20. 20. 20er

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