laut.de-Kritik

Zwischen Final Fantasy, Underscores und Lil Uzi Vert.

Review von

2026 ist Slayrs großes Jahr. Mit dem Bonus-Tape "Bloodluxe" hat er sein bis dahin bestes Werk übertroffen, wenige Monate später gewährt ihm das XXL Magazine einen Platz in der Freshman Class. Es folgen Cosigns von größeren Rappern wie LUCKI, aber vor allem außerhalb von Hip Hop findet Slayr Zuspruch. Warum auch nicht? Er scheint ja nicht nur einer der interessantesten Artists des Undergrounds zu sein sondern auch ein sympathischer, bodenständiger Kerl, der ganz unverfälscht er selbst ist. Man möchte ihn einfach gewinnen sehen.

Und so gut wie es für Slayr bisher lief, soll es auch weiterhin laufen: Letzten Monat kündigte er ein neues Album für dieses Jahr an. "Fabula Nova" wird es heißen und voraussichtlich im September erscheinen. Ein genaues Releasedatum gibt es bisher nicht. Und doch meldet sich unser Digicore-Wunderkind bereits im Juli mit einer EP wieder. "Avant Nova", übersetzt etwa 'Vor Nova' ist als eine Art Appetizer für die Wartezeit auf "Fabula Nova" zu verstehen.

Dass "Half Blood (Bloodluxe)" als Gesamtwerk so gut funktionierte, ist zu einem nicht unerheblichen Teil den atmosphärischen Outros und nahtlosen Übergängen zwischen den Tracks zu verdanken. Die letzten 30, wenn nicht sogar 45 Sekunden eines jeden Titels dienten dazu, den nächsten einzuleiten. Auf "Avant Nova" finden wir eine ähnliche Herangehensweise. Vocal-Chops bilden hier das zentrale Leitmotiv. Man hört sie am Anfang eines Tracks, bevor sie größtenteils in den Hintergrund rücken und erst zum Ende hin als Übergang in den nächsten Track erneut auftauchen. Mal mehr, mal weniger an dieser Struktur orientiert sich "Avant Nova".

Für "Promise" samplet Slayr Vocal-Chops aus einem Underscores-Track und bastelt daraus seine eigene Version von leroys "Grave Robbing". "Switch My Swag" ist mein persönliches Highlight. Slayr tut sich mit Prettifun zusammen, der bereits den Beat für "Racks" auf seinem letztem Tape beisteuerte. Diesmal rekrutiert er Pretti allerdings als Rapper. Das ist eine Kombination, die ich mir sehnlichst gewünscht habe, und sie funktioniert nahezu perfekt, auch wenn Prettifun Slayr ein bisschen in den Schatten stellt.

Denn so viel müssen wir uns eingestehen: Slayr setzt bei seiner Musik hauptsächlich auf Kreativität und eingängige Melodien, seine größten Stärken. Er ist kein krass beeindruckender Spitter. Bis dato nahm er deshalb bei Kollaborationen meist eine Nebenrolle ein, wie beispielsweise auf "Daytona" mit Lucy Bedroque. In den letzten Sekunden von "Nova" möchte Slayr folgendes klarstellen:

"Aha, y'all thought slayr could only do that EDM shit? / Nah, they don't even know what's 'bout to happen, bruh"

Jetzt wird es also ernst. Er nimmt die Rolle des Underdog an und möchte uns diesen beeindruckenden Rap liefern, den wir ihm nicht zugetraut haben. Dann mal los. "I Got Taste" nutzt diesen Moment der Aufmerksamkeit voll aus. Slayr packt seine dynamischsten Flows aus und gibt eine Art Extended-Version seines XXL-Freshman-Freestyles zum Besten. In Sachen Stimmeinsatz und Delivery zeigt er sich sehr abwechslungsreich und schaltet mühelos von einem präzisen, schnellen Flow, mit Lil Uzi Vert-esker Intonation zu einer künstlich tiefen, rauen Stimme wie jüngst Che auf "Promoting Violence". Seine bislang ambitionierteste Rap-Performance.

"Half Blood (Bloodluxe)" glänzte besonders mit seiner Unberechenbarkeit und großen Bandbreite an Genre-Einflüssen. Man ahnte nie so recht, wohin es einen im Verlauf des Tracks verschlägt. Aufgrund der kurzen Laufzeit und etwas formelhaften Übergängen ist "Avant Nova" damit nicht gesegnet. Reinhören lohnt sich trotzdem, sei es für die erfrischenden Digicore-Produktionen, einen Slayr, der sich den Arsch abrappt, oder das Prettifun-Feature - das Teil macht einfach Spaß. Entsprechend groß ist auch die Vorfreude auf "Fabula Nova". Es wird ein Fest.

Trackliste

  1. 1. Promise
  2. 2. Switch My Swag (feat. Prettifun)
  3. 3. Nova
  4. 4. I Got Taste
  5. 5. Having Anxiety Is Annoying
  6. 6. Raise My Voice

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LAUT.DE-PORTRÄT Slayr

Grüße an die statistisch gesehen zwei oder drei User*innen dieser Seite, die eigentlich zur fast gleichnamigen Metalband durchgestellt werden wollten.

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